Erste Augsburger Desintegrationstage

Wann? 26.03.2019 19:00 Uhr bis 28.03.2019 00:00 Uhr

Wo? Jüdisches Kulturmuseum, Halderstraße 6-8, 86150 Augsburg DEauf Karte anzeigen
Augsburg: Jüdisches Kulturmuseum |

Radikale Vielfalt als Antwort auf eine Dominanzkultur ist Max Czolleks Vorschlag für den Integrationsdiskurs.

Max Czollek, 1987 in Berlin geboren, schreibt in seinem Buch mit dem auffordernden Titel "Desintegriert euch!" über die Rolle der Juden und Jüdinnen in dem Identitfikationskonstrukt der Deutschen. Das Gedächtnistheater hat ihnen, so die Ausgangsthese Czolleks, eine besondere Rolle zugeschrieben: Der "Jude für Deutsche", kurz JfD. Der Berliner sieht innerhalb dieser Zuschreibung das Versprechen, eine Versöhnung mit der deutschen Gesellschaft einlösen zu müssen, anstatt eine Möglichkeit, die jüdische Pluralität abzubilden. 

Ein Heimatministerium sowie eine Leitkultur zeigen, so Czollek, dass eine radikale Reaktion benötigt wird und diese heißt: Desintegration.

Er verlangt, die bestehende Vielfalt des Landes wahrzunehmen, anstatt die Integration in eine deutsche Leitkultur zu predigen. Die Kulturelle Abgrenzung, durch welche die deutsche Identität entsteht, wird zur rechten Propaganda und führt zur Ausgrenzung und nicht zu einer gemeinsamen Lebensgrundlage.

Czolleks Buch ist als Aufschrei zu neuen Perspektiven zu sehen. Streitbar darf sein Vorschlag zur jüdisch-muslimischen Leitkultur sein, sowie seine Kritik der Kontinuität des Nationalsozialismus bis in die jüngsten Generationen diskutiert werden muss.

Zum Gespräch wird deswegen zu den ersten Augsburger Desintegrationstagen an verschiedenen Orten aufgerufen. Czollek wird für drei Tage die Stadt aufmischen und lädt zusammen mit dem Jüdischen Museum Augsburg Schwaben unter dem Motto ein: "Desintegriert euch!".

Der Auftakt der Veranstaltungen wird in der kommende Woche am 26. März in der ehemaligen Synagoge in Kriegshaber stattfinden. Das Programm startet mit einer Lesung des Autors um 19 Uhr, die Plätze sind begrenzt, Karten kaufen lohnt sich.

Weiter geht es am Mittwoch, 27. März, um 19 Uhr mit einer Diskussion zu "Neue Solidaritäten oder jüdisch-muslimische Leitkultur?". Dafür sind neben Czollek auch Mirna Funk, Tülay Ates-Brunner und Alexander Ratschinskij in das Abraxas eingeladen.

Mit einer Guerilla-Museumstour durch das Jüdische Museum Augsburg Schwaben werden Czollek, Barbara Staudinger und der Comiczeichner Paul Rietzl am 28.03 um 17:30h eine Gegenerzählung jüdischer Geschichte wagen.

Den Abschluss bildet die künstlerische Umsetzung durch einen Poetry Slam im Anschluss um 20.30 Uhr mit dem Titel: "Desintegration für alle". Beim Weißen Lamm werden Ezgi Ze, Pauline Füg, Emir Puyan Taghikhani, Czollek und wer sich noch auf die Bühne traut, ihre Lyrik präsentieren.

Die Karten gibt es im Vorverkauf sowie an der Abendkasse an den einzelenen Veranstaltungsorten. Zum Poetry Slam ist der Eintritt frei.
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