„Es ist nichts so beständig wie der Wandel“ - Waldorfpädagogik ist 100 Jahre alt

  Mit einem Festakt wurde in der Freien Waldorfschule Augsburg das hundertjährige Jubiläum der Waldorfpädagogik gefeiert. Gerahmt von bezaubernden und mitreißenden Schülerdarbietungen gaben Festredner wie Bildungsreferent Herrmann Köhler, Stephanie Schmitt-Bosslet vom Bildungsbündnis und Schulleiterin Dr. Annette Schmidt ihre Ansichten zur Waldorfpädagogik und zur Waldorfschule in Augsburg wieder.
Bildungsreferent Köhler sagte: „Wie 1919 stehen wir wieder an einem gesellschaftlichen Entwicklungspunkt. Die Endlichkeit der natürlichen Ressourcen zwingt uns zum Umdenken. Daher ist die Waldorfbewegung mit ihrem alternativen pädagogischen Ansatz heute mindestens so aktuell wie vor 100 Jahren“. Er unterstrich, dass die Augsburger Waldorfschule eine wichtige Ergänzung des städtischen und staatlichen Bildungsangebotes sei.
Zu Beginn hatten die Lehrerin Isabella Geier, der Schülervater Frank Schubert und die Schülerin Cosima von Killinger ihre Motive, warum sie an der Waldorfschule seien, aufgezählt. Alle betonten die Gemeinschaft und das Umfassende. „Die Achtsamkeit gegenüber sich selbst und den anderen – die lernt man hier zum Beispiel durch den Eurythmieunterricht“, sagte Schubert.
Die Lehrbeauftragte an der Universität Stephanie Schmitt-Bosslet ist unter anderem die Organisatorin des Begabungstages, an dem die Waldorfschule von Anfang an mitwirke. Sie sagte in ihrem Grußwort, es sei faszinierend zu sehen, was 1919 alles entstand – neben der ersten Waldorfschule, die Emil Moll und Rudolf Steiner in Stuttgart gegründet hatten. „Das Frauenwahlrecht, die Hochschule für Gestaltung, die Überlegungen William Sternes zum IQ-Quotient: damals war unheimlich viel in Bewegung, es wurden neue Dinge ausprobiert“, so Schmitt-Bosslet. Heute würden die Waldorfschulen vor neue Herausforderungen gestellt. Nichts sei so beständig wie der Wandel, zitierte sie Heraklit. Daher müssten jetzt auch in den Institutionen wie der Schule Lösungen für Partizipation, Inklusion, Digitalisierung und Nachhaltigkeit gefunden werden.
Schulleiterin Dr. Annette Schmidt sagte, dass man bereits vor 100 Jahren – genauso wie heute – über die Zukunft nur sagen konnte, dass sie ungewiss sei. Die entscheidende Zukunftskompetenz, die man Schülern heutzutage zu vermitteln habe, sei der Umgang mit der Ungewissheit, zitierte Schmidt die Pädagogin Margret Rasfeld. Steiner und Molt hätten 1919 gefordert, die Waldorfschule müsse eine Kulturtat sein, um die Erneuerung des Geisteslebens der Gegenwart zu erreichen. Es sei es wichtig, sich Gedanken zu machen, welches die tragenden Wände in der Waldorfpädagogik seien und welche man im „Haus der Zukünfte“ abreißen dürfe, um Platz für Neues zu schaffen.
Alle Gäste, darunter auch die beiden Stadträtinnen Ingrid Fink (CSU) und Sieglinde Wisniewski (SPD), waren begeistert vom Rahmenprogramm der Feierstunde. Der Cirkus Pinzettiblu zeigte reizende Clowns und eine tolle Stepnummer, die Streicher und die Bläser unterstrichen das Feierliche mit ihren Darbietungen.
Die Freie Waldorfschule Augsburg wurde 1981 gegründet. Sie ist einzügig, rund 400 Schüler besuchen die Schule. Als Abschlüsse werden Mittlere Reife und Abitur angeboten. Teil der Waldorfpädagogik sind zwei Fremdsprachen ab Klasse eins, Leistungsförderung ohne Noten, Selektion und Sitzenbleiben, ein gemeinsamer Klassenverband während der gesamten Schulzeit, Ausbildung von individuellen sozialen und kreativen Fähigkeiten. Die Schule bietet eine flexibel buchbare Ganztagsbetreuung an.
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