Fast vergessenes Vorbild: Wie ein Augsburger im Zweiten Weltkrieg zahlreiche Zwangsarbeiter rettete

Überlebende und dankbare KZ-Häftlinge sorgten dafür, dass Walter Groos von der Jerusalemer Holocaust Gedenkstätte Yad Vashem den Ehrentitel "Gerechter unter den Völkern" erhielt. Dort ist der Name des 1979 Verstorbenen in Stein gemeißelt und gleichsam für immer erhalten. Als einziger Augsburger übrigens unter den dort ausgezeichneten 601 deutschen Geehrten. (Foto: privat)

Der lokalen Historie hat sich der Stadtberger Pädagoge Alfred Hausmann verschrieben. Im Mittelpunkt seiner neueren Arbeiten stehen örtliche Persönlichkeiten, deren manchmal vergessenes gesellschaftliches Wirken er wieder der Gegenwart zugänglich macht.

So befasste er sich bislang mit der herausragenden Stifterpersönlichkeit Georg Biermann, dem sozialpolitisch engagierte Ehepaar Aurelia und Wilhelm Deffner, dem Nazigegner und evangelischen Theologen Thomas Breit und dem überregional bekannten Bildhauer Theo Bechteler sowie mit Regierungsbaumeister Ulrich Reitmayer, der das Hotel "Drei Mohren" nach seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wieder entstehen ließ.

Neuerdings ist Alfred Hausmann der Vita von Bertolt Brechts Jugendfreund Walter Groos nachgegangen. Dieser schrieb auch Artikel für Brechts Schülerzeitung "Die Ernte".

Der spätere Leiter des Augsburger Wasser- und Brückenbauamts - der aus dem Stadtteil Spickel stammte - trat aber nicht nur literarisch in Erscheinung. Seiner christlichen Überzeugung folgend, wirkte er unter anderem als Kirchenvorstand in Evangelisch St. Ulrich und als entschiedener Gegner des NS-Regimes.

Als verantwortlicher Bauingenieur wurde er 1944 zu Arbeiten an der neuen Bahnstrecke Augsburg - Kaufering herangezogen. Diese - als kriegswichtig deklariert - wurde benötigt, um bei Kaufering den Bau einer riesigen unterirdischen Produktionsstätte für Jagdflugzeuge - wie der Me 262 - voranzutreiben. Und es entstanden elf Außenlager des KZ Dachau, von wo aus Häftlinge - viele darunter waren jüdischen Glaubens - den Bau ermöglichten. Für die Arbeitssklaven war dies oft mit dem Tode verbunden. Von den dort eingesetzten circa 30.000 Zwangsarbeitern starben etwa 11.000. Als "Arbeit im kalten Krematorium" deklarierten die Häftlinge selbst sarkastisch ihr Leiden.

Und Walter Groos - so beschreibt es Alfred Hausmann - brachte sein eigenes Leben und auch das seiner Familie in höchste Gefahr: Er versorgte Häftlinge mit Lebensmitteln, Bekleidung und Medikamenten und rettete hierdurch nicht wenigen das Leben. Und dies immer in Angst hiervor, seitens der Lager-SS entdeckt zu werden.

Doch warum begab sich Walter Groos in solch eine für ihn extrem gefährliche Situation? Es war sein unbeugsamer Glaube an die christliche Verantwortung für Staat und Gesellschaft, der ihn beflügelte.

Überlebende und dankbare KZ-Häftlinge sorgten hierfür, dass Walter Groos von der Jerusalemer Holocaust Gedenkstätte Yad Vashem den Ehrentitel "Gerechter unter den Völkern" erhielt. Dort ist der Name des 1979 Verstorbenen in Stein gemeißelt und gleichsam für immer erhalten.

Als einziger Augsburger übrigens unter den dort ausgezeichneten 601 deutschen Geehrten. (von Dr. Heinz Münzenrieder)
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