Franz Hoser - Vom Bahnwärtersohn zum berühmten Bildhauer

Fest verwurzelt im christlichen Glauben schuf der Bildhauer Franz Hoser (1874–1957) seine unvergänglichen Werke. Foto: L. Elberskirch
 
In so einem Bahnwärterhaus erblickte Franz Hoser am 24. Dezember 1874 das Licht der Welt. Foto: Guisez
 
Vorbeirasende Züge prägten seine Jugendjahre. Repro: Guisez

„Allem Leben, allem Tun, aller Kunst muss das Handwerk vorausgehen …“ Johann Wolfgang von Goethe

Von Gustav Guisez
Der Winter hatte mit eisiger Hand nach der Natur gegriffen und beherrschte auch in der Umgebung von Gabelbach schneeverwehte Straßen und Wege. Das verspürte der bahnwärter und Streckengeher Franz Hoser besonders auf dem vorgeschriebenen Kontrollgang am Schienenstrang. Trotz Wollmütze, Handschuhen und Dienstmantel riss ihn der Wind fast zu Boden. Gerade war auf dem anderen Gleis ein Schnellzug vorbeigebraust, der ihn mit einem Schneeschleier überschüttete. Vom nahen Gabelbacher Kirchturm glaubte er Glockenschläge zu vernehmen.
Wegen der entfesselten Naturgewalten vergaß der Einsame fast, dass der 24. Dezember 1874 war und da seine Frau bald niederkommen würde, eilte er schnellstens nach Hause. Aber wie groß war seine Freude, als ihm beim Eintritt in das bescheidene Streckenwärterhaus die Hebamme entgegen kam und sagte: „Heut’ ist dir, dank der Gottesmutter, ein Sohn geboren worden!“ Seine Frau lag erschöpft im Bett, im Arm den Neugeborenen. Die aufkommende Nacht war geprägt von weiteren Schneefällen und die übermüdete Hebamme musste sofort zu einer anderen Gebärenden. Bevor sie ging, deutete sie auf den sich immer wieder stimmgewaltig meldenden Erdenbürger und soll dabei geäußert haben: „Der macht ja den reinsten Theaterdonner, aus dem wird bestimmt mal etwas!“

Kindheit am Schienenstrang

Vater Hoser brachte die Frau zur Türe und blickte in dieser Heiligen Nacht zu den Sternbildern des Himmels.
Seine Gedanken eilten zu einer ähnlichen Nacht, in welcher vor langer Zeit die Heiligen Drei Könige unterwegs waren, ihren Blick auf den Stern von Bethlehem gerichtet, wo der Erlöser in der Krippe geboren war.
Der Kleine wurde am 26. Dezember 1874 in der katholischen Pfarrkirche St. Martin zu Gabelbach auf den Namen Franz von Paula getauft. Die idyllische Landschaft des Zusamtales umrahmte den bescheidenen Lebenskreis des heranwachsenden Franz. Ein gepflegter Garten, in dem die Eltern Kartoffeln, Gemüse und alles was die Familie benötigt anbauten, zeigte am Zaun Sonnenblumen groß wie Wagenräder. Hühner und Ziegen bevölkerten neben Bienen die kleine Welt seiner Kinderjahre. Das Gabelbacher Postenehepaar löste sich im Schrankendienst nach festgelegtem Dienstplan ab. Am Tag musste Hoser sich dem Lokomotivführer zeigen, in der Nacht mit der Laterne winken. Einmal entdeckte Franz, der zu dieser Zeit die Gabelbacher Volksschule besuchte, einen „Heißläufer“ (blockierte Bremsen). Auf die Meldung des Bahnwärters hin, stoppte man in der nächsten Station den Zug und der Vater erhielt eine Prämie. 
Ganz in der Nähe des Streckenwärterhauses lag eine Lehmgrube. Vom alten Ziegler erlernte der findige Franz wie man Ton herstellte. Von da an töpferte er, fertigte Figuren und Tiere an, die im Backrohr des Küchenherdes gebrannt, den Garten schmückten. Dem Dorfpfarrer von St. Martin, der seine „künstlerische Ader“ erkannt und gefördert, verehrte er die Figur des Heiligen Martin.

Lehr- und Studienjahre

Somit waren bereits die beruflichen Weichen gestellt, als Franz Hoser nach sieben Jahren die Dorfschule verließ und für zwei Jahre nach Augsburg an die städtische Gewerbeschule übersiedelte. Das Jahr 1889 sah den 15-jährigen Bahnwärtersohn bei dem Bildhauer Karl Riemer als Lehrling. Voll Euphorie durchlief er – dem plastisches Gestalten, Zeichnen und Malen leicht von der Hand ging – voller Eifer seine Lehrjahre. Bei namhaften Bildhauern, wie dem Offenburger Franz Simmler, arbeitete der talentierte Geselle. Einen weiteren Meilenstein stellte für Hoser das im Jahre 1900 begonnene Studium an der Akademie der bildenden Künste bei Professor Sirius Eberle dar. Tiefe Gläubigkeit und echte Frömmigkeit prägten den angehenden Bildhauer, dessen spätere Werke seine Verwurzelung mit der Religion zeigten. Der Bildhauer, Keramiker und Maler Professor Balthasar Schmitt, bei dem er von 1904 bis 1905 Studien betrieb, bezeichnete ihn als einen „vielversprechenden jungen Künstler“! Stipendien aus der Wittelsbacher Stiftung, Arbeiten während der Semesterferien und seine Ersparnisse ermöglichten ihm, das Studium durchzustehen. Während dieser Zeit entstanden „Der verlorene Sohn“, eine Steinplastik und die Brunnenfigur „Trinkender Knabe“. Diese herausragende künstlerische Leistung wurde mit je einer silbernen Medaille belohnt.

Atelier in München

Ein neuer Zeitabschnitt begann für Hoser, als er sich 1905 mit der Günzburgerin Theresia Ganser verheiratete und als freischaffender Künstler sein Münchner Atelier gründete. Besonders am Herzen lag ihm die christliche Kunst. So erhielt die Antoniuskirche in Regensburg herrliche Portalplastiken. Ebenfalls von seiner Hand entstanden Bildwerke in der Heil- und Pflegeanstalt Main-
kofen. Für großes Aufsehen sorgten sein Christus am Kreuz für das Frankfurter Marienkrankenhaus, Holzplastiken des Heiligen Antonius in der Pfarrkirche zu Freising, die sitzende Madonna in der Augsburger Kirche St. Moritz und noch viele andere künstlerisch wertvolle Arbeiten.
Paul Klee (1879 bis 1940) und Franz Marc (1880 bis 1916) gehörten neben anderen Münchner Künstlern zu seinem Bekanntenkreis.

Viele Werke geschaffen

Herzstück seiner Arbeiten sollten nach Beendigung des ersten Weltkrieges die von ihm geschaffenen Kriegsdenkmäler und Grabmonumente werden. Er versuchte dem Stein Leben einzuhauchen. Auf vielen Friedhöfen hat der Steinbildhauer so seine Spuren hinterlassen. Besonders bestechend sind die Grabmäler der Lodenfrey-Dynastie in München, Böcker in Augsburg, Kaufmann und Wiedemann in Bad Tölz und viele mehr. Wenn dann seine Werke die Enge des Ateliers verlassen hatten, war es ihm, als hätte er ein Stück seines Lebens hergegeben. Kunst war für ihn nie Körper der Natur, sondern eigene Schöpfung des Arbeitsbesessenen. Er wollte Bild, nicht Abbild. Auch galt er als Symbolfigur für kirchliche Bildnerei, erhielt er doch den Auftrag, für die Pfarrkirche St. Justina in Bad Wörishofen fünf Bildwerke und eine Immaculata zu schnitzen. Mit herausragendem künstlerischem Ehrgeiz fertigte er eine Herz-Jesu-Statue sowie die Heiligen Ulrich und Peter Canisius, Anna und Elisabeth an. Ein anderes Zeugnis seiner Frömmigkeit ist die „Madonna mit dem Kind“, die eine eigene Aura und Würde ausstrahlt. Im Zusammenspiel von Kunst und Religion gelangen ihm seine Krippen besonders, deren Figuren Hoser aus Wachs, Ton und Holz fertigte. Eine besonders gelungene Krippendarstellung hat im Altöttinger Kreszenziaheim einen Ehrenplatz erhalten. In der Düsternis der Bombennächte verloren er und seine Frau ihre Münchner Wohnung mit dem geliebten Atelier. So musste der 70-Jährige im Juli 1944 zusammen mit seiner Familie die Stadt nach 40 Jahren verlassen. Trotz aller Schicksalsschläge verströmte er eine Würde, wie er in Günzburg, wo seine Frau geboren, ein zweites Mal von vorne anfing. Hoser war eine bemerkenswerte Persönlichkeit, ein Ehrenmann vom Scheitel bis zur Sohle, der die Welt mit seinen Darstellungen bereichert hat. Der beliebte und geachtete Mann verstarb am 9. November 1957 in Günzburg und hat auf dem dortigen Friedhof seine letzte Ruhe gefunden.

Leben und Werk laut Wikipedia

Hoser schrieb sich im Jahre 1900 an der Akademie der Bildenden Künste in München für Bildhauerei ein. Sein Lehrer war Syrius Eberle (* 1844; † 1903), ein Meister der religiösen Bildhauerei. Hoser schuf einen Großteil der zerstörten oder abhandengekommenen barocken Bronzereliefs und Bronzeskulpturen in den Kirchen Süddeutschlands nach alten Vorbildern, darunter Figuren für Altäre in Günzburg, Reliefs des Hochaltars in Altoetting, Brücken- und Brunnenfiguren in Fürstenfeldbruck, Figur der heiligen Maria mit dem Kind als Immakulata sowie mehrere Konsolfiguren in der Stadtpfarrkirche St. Justina in Bad Wörishofen, Christ-Königsfigur in der Pfarrkirche St. Johann Baptist in Oberstdorf, Puttenrelief über dem Rathauseingang Deggendorf, Heiligenstatuen in der Sankt-Franziskus Kirche in München-Giesing (diese wurden 1943 bei einem Luftangriff zerstört), der Dreifaltigkeitsaltar der Heilig-Geist-Kirche in München, das Luise-Hensel-Denkmal in Paderborn, Monstranz in der Kirche der vereinigten Hospitien in Trier, das Kriegerdenkmal in Oderhausen und die Mariensäule auf dem Marktplatz in Grafing, beide zusammen mit dem Architekten Richard Steidle.
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