Freiwillige Feuerwehr Mering - Ausnahmejahr für Ehrenamtliche

Spektakulär, aber immer unter Kontrolle: Die Feuerwehr präsentierte ihre Arbeit beim Tag der offenen Tür. Foto: FF Mering
 
Zum 90. Geburtstag präsentierte sich die Meringer Feuerwehr 1959 bei einem Umzug. Der Borgwart war lange Zeit der Stolz der Mannschaft und kann heute noch im Foyer des Gerätehauses besichtigt werden. Foto: FF Mering
 
Die erste Leiter der Feuerwehr Mering, gezeigt 1959 zum 90. Jubiläum. Foto: FF Mering
 
100-Jahrfeier der FF Mering mit Handpumpe. Foto: FF Mering

Vor 150 Jahren gründeten sich in Bayern zahlreiche Feuerwehren. Mit ganz besonderen Veranstaltungen feierten die Meringer ihr großes Jubiläum. 

Auffällig viele Feuerwehren können im Jahr 2019 ein sehr stolzes Jubiläum, ihr 150-jähriges Bestehen, feiern. Neben Schwabmünchen und Kissing ist es eben in der Region auch die Meringer Feuerwehr, die sich 1869 neu gründete. Historische Gründe für die Häufung gibt es einige. Die Lebensweise der Bürger hatte sich verändert durch die Industrieanlagen, die überall entstanden waren und in denen man Arbeit finden konnte. Betriebe und Lagerhallen waren aber auch einer größeren Brandgefahr ausgesetzt. Außerdem wohnte man nun näher beisammen, was ebenfalls die Gefährlichkeit von Bränden steigerte, denn es waren schnell mehrere Gebäude betroffen. Feuerwehren erhielten also eine besondere Förderung und wurden bei der Gründung unterstützt. Die Bürger organisierten sich zu dieser Zeit auch gerne in neuen Vereinen, was den frischen Wehren viele engagierte Mitglieder bescherte.

Rasante Entwicklung

Eine schnelle technische Entwicklung kam der Brandbekämpfung zugute. Bis Anfang des 19. Jahrhunderts waren es Menschenketten, die Eimer weiterreichten, die zum Feuerlöschen antraten. Die neue Feuerwehr brachte Organisation in den Feuerschutz. 66 Aktive zählte die Meringer Gruppe zu Beginn schon. Gearbeitet wurde mit einer Handdruckspritze, die von Landwirten mit dem nötigen Wasser beliefert wurde. Um 1885 gab es dann bereits eine Saug- und Druckspritze, an der acht Feuerwehrleute arbeiteten und aus Wasserstellen Löschwasser saugen konnten. Eine technische Sensation und doch eine sehr anstrengende Aufgabe. Eine Anhängeleiter (1892) und Hydranten (1912) waren die nächsten Fortschritte. Erst 1927 gab es für Mering eine motorisierte Spritze, die bei Einsätzen mit Mannschaft auf einem Brauereifahrzeug transportiert wurde.
Die beiden Weltkriege und besonders das Dritte Reich waren auch für die Feuerwehr eine schlimme Zeit. Man musste Kameraden in den Krieg ziehen lassen, von denen viele nicht zurückkamen. Außerdem war die Feuerwehr der Polizei angegliedert und Vereinsarbeit war verboten. Die geweihten Vereinsfahnen versteckte man in diesen Jahren im Altar der Michaelskirche. Nach der Prüfung durch die Amerikaner nach Kriegsende, konnte die Wehr ihre Arbeit wieder aufnehmen. Als „Notlösung“ während des Krieges und in den Jahren danach, wurden nun auch Frauen eingesetzt, die bei ihren Einsätzen amerikanische Feuerwehruniformen trugen.
Nicht nur die technischen Möglichkeiten für alle Einsatzgebiete der Feuerwehr – Brände löschen ist nur noch ein Teil der Arbeit – hat sich stark verändert. Auch die Art, wie die Feuerwehr zum Einsatz geholt wird, hat vom Signalhorn über die Sirene auf dem Schuldach bis zur heutigen digitalen Technik eine rasante Entwicklung durchgemacht. Heute ruft eine Leitzentrale genau die Feuerwehr mit der passenden Ausrüstung, die nach zehn Minuten vor Ort sein soll. Im Meringer Feuerwehrhaus zeigt ein großer Bildschirm ständig die verfügbaren Einsatzkräfte an – 70 bis 80 sind das im Schnitt.
1949 entstand die Feuerwehrkapelle Mering, die also auch ein Jubiläum feiert in diesem Jahr. Heute ist sie die einzige im Wittelsbacher Land und wird geleitet von Stefan Nerlich.

Sommer-Feste

Für den runden Geburtstag hatte man sich eine Menge überlegt, wie man das Jubeljahr gebührend würdigt. Etwas Besonderes sollte dieses Fest schon sein, feierlich und vor allem: auch für die Feuerwehrleute selbst ein Highlight im Jahr, das nicht nur mit viel Arbeit, sondern auch mit bleibenden Erinnerungen verbunden sein sollte. So wurden drei große Veranstaltungen geplant.
Im Mai wurde es feierlich. Mit einem großen Gottesdienst in der St. Michaelskirche wurde das Jubiläumsjahr offiziell eröffnet. Ein neues gesticktes Fahnenband war Teil der Zeremonie und die Kirche war festlich geschmückt. Beim Festessen für 250 geladene Gäste wurden Geschichte und Aufgaben der Feuerwehr gewürdigt. Höhepunkt des Abends war – trotz des zunächst unsicheren Wetters – ein nach strengen Regeln aufgeführter Großer Zapfenstreich. Bei Fackelschein dirigierte der zweite Kommandant Thomas Henl die Feuerwehrkapelle durch den Ort. Unter anderem konnte man den Großen Zapfenstreichmarsch hören, den Marsch des Yorckschen Korps und die Nationalhymne. Bürgermeister Hans-Dieter Kandler und Feuerwehrkommandant Andreas Regau wurden mit dieser militärischen Zeremonie geehrt und die Aktiven und etwa 400 Zuschauer erlebten einen Gänsehautmoment, nicht nur beim Trompetensolo des zweiten Vorsitzenden Felix Heine.
Im Juli lieferten die Bayern 3 Band und DJ Tonic Festivalfeeling auf dem Badanger. Die komplette Feuerwehrmannschaft, viele freiwillige Helfer und eine Menge Sponsoren halfen mit, eine Party auf die Beine zu stellen, die den 1600 Besuchern einen prächtigen Sommerabend bescherte.
Den Abschluss der Feierlichkeiten bildete ein erweiterter Tag der offenen Tür, bei der die Meringer unter anderem von Tauchern der Berufsfeuerwehr Augsburg unterstützt wurden. Wasserspiele für Kinder, Hüpfburg und Bungee-Run, eine Menge Schauübungen im Stundentakt, ein Rauchzelt, eine Löschübung der Jugendfeuerwehr und natürlich die Präsentation des modernen Fuhrparks, mit dem die Meringer auch für ABC-Einsätze und andere Spezialaufgaben gerüstet sind. Gezeigt wurde auch der Umgang mit Feuerlöschern. Man wollte möglichst viele Einblicke liefern, was Löschen und Bergen bedeutet. Neben der Feuerwehrkapelle, die traditionelle Blasmusik, aber auch Dixie und Jazz im Repertoire hat, spielte die Herbert Pfannschmidt Revival Bigband. Das Wetter war perfekt und 2500 Neugierige aus der Umgebung kamen, um sich am Feuerwehrhaus umzusehen. Die Imbissvorräte gerieten bald an ihre Grenzen und so rückte die Feuerwehr aus, um Nachschub zu besorgen.

Zurück zum Alltag

Gelungen waren sie alle, die Feierlichkeiten zum Jubiläum. Doch nach der vielen außergewöhnlichen Vorbereitungszeit und den Einsätzen sind die Organisatoren und Helfer ein wenig froh darüber, dass sie nun zur „normalen“ Feuerwehrarbeit zurückkehren können. Trotz der Zusatzaufgaben hatten es sich die 115 Aktiven nämlich nicht nehmen lassen, das übliche Pensum an Schulungsveranstaltungen – 153 waren das im letzten Jahr und über 600 ehrenamtliche Arbeitsstunden – zu absolvieren. Dazu gehören Lehrgänge für Maschinisten, Gruppenführer und Höhenrettung, um nur einige zu nennen.
Die Zahl der Einsätze für die Meringer Feuerwehr steigt. 175 Mal rückte man im Jahr 2018 aus. Retten, Löschen, Bergen, Schützen, so fasst die Feuerwehr ihre Aufgaben zusammen, verbunden mit dem auch während der Jubiläums-Feste immer wieder zitierten Motto: „Gott zur Ehr, dem nächsten zur Wehr.“ Vier Frauen gehören derzeit zur aktiven Mannschaft, aus der Jugendwehr kommen wohl einige nach. Daran hat man sich nach anfänglichen Vorbehalten nicht nur gewöhnt, man schätzt die besonderen Fähigkeiten der Frauen inzwischen sehr.

Aufgaben

Neben der Brandbekämpfung sind es häufig Unfälle im Straßenverkehr, zu denen die Meringer gerufen werden. Ein sogenanntes Team First Responder kommt unter anderem hier zum Einsatz, um schnelle Hilfe – nach der von Ersthelfern und vor der des Rettungsdienstes – zu gewährleisten. Die dafür zuständige Gruppe hat besondere Kenntnisse oder auch berufliche Ausbildung und ist als Bereitschaftsdienst organisiert.
Im Landkreisgebiet ist die Meringer Feuerwehr eine von drei Anlaufstellen bei Gefahrstoffunfällen, die eine spezielle Ausrüstung erfordern. Für Einsätze in ganz Bayern stehen die Meringer zur Verfügung, wenn die Ölwehr gefragt ist. Außerdem sind vorbeugende Maßnahmen ein Aufgabenbereich der Helfer. Schulungsveranstaltungen in Kindergärten und Schulen sowie Sicherheitswachen gehören dazu.
Ein Einsatz im Jahr 1999 ist besonders nachhaltig im Gedächtnis geblieben. Während des Pfingsthochwassers war die Paar zu einem See ausgeufert und Mering war großflächig überschwemmt. Die Ehrenamtlichen waren fünf Tage lang im Dauereinsatz, um Menschen und Tiere in Sicherheit zu bringen und Keller auszupumpen.
Seit 1972 gehört die „Löschgruppe Baierberg“ zur Meringer Feuerwehr, die ihre Feuerlöschpumpe mit einem Traktoranhänger zum Einsatz bringt, und dadurch in ländlichem Umfeld besonders schlagkräftig ist.
Zur Jugendfeuerwehr kann man bereits mit vierzehn Jahren kommen. Die Jugendlichen erhalten eine grundlegende Ausbildung für den Feuerwehrdienst und die für die Einsatzgruppen so wichtige Kameradschaft wird gefördert. Ab sechzehn Jahren werden die Jungen und Mädchen dann auch zu Einsätzen mitgenommen und leisten Hilfe außerhalb des Gefahrenbereichs.
Von der Gemeinde wird die Feuerwehr unterstützt, wo immer es geht. Sie ist in ihrer Geschichte mehrmals umgezogen. Das erste Domizil war der heutige Fahrradkeller der Grundschule, damals mit dem Schriftzug „Feuerlösch-Requisiten“ über den Toren.
Seit 2004 rückt man vom modernen Gerätehaus in der Friedenaustraße aus. Der Fuhrpark wird von den Ehrenamtlichen gewartet, doch damit die Fahrzeuge einsatzfähig bleiben, ist zusätzlich ein Angestellter für die sachgerechte Bestückung zuständig.
Die Jubiläumsveranstaltungen waren nicht nur ein Fest in eigener Sache, sie zeigten auch eindrücklich, wie wichtig die Arbeit der Freiwilligen Feuerwehren ist. Brandschutz ist zu 99 Prozent ehrenamtliche Arbeit, denn es gibt in Bayern nur sieben Berufsfeuerwehren, 170 Werkfeuerwehren und circa 80 freiwillige Betriebsfeuerwehren. Doch 7700 Freiwillige Feuerwehren mit etwa 320.000 ehrenamtlichen Feuerwehrmännern und -frauen sind für die Allgemeinheit im Einsatz.
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