Freude an Technik entdecken: Realschule Bobingen nimmt an Technik-Rallye teil

Patricia probiert den Akkuschrauber aus. Fotos: Patrick Bruckner
 
Angela Engel (von links) vom Bildungswerk der Bayerischen Wirtschaft erklärt Janusz und Colin, wie sie den Binärcode übersetzen und so die Truhe öffnen können.

Die Schüler der siebten Klassen arbeiten und tüfteln begeistert an den unterschiedlichen Aufgaben, sei es Drähte biegen, Holz sägen oder gar einen Stromkreis reparieren. Am Dienstag wurden für 90 Schüler an der Realschule Bobingen während der Technik-Rallye die Schulbänke zu Werkbänken.

Die Technik-Rallye ist ein Angebot der Bildungsinitiative „Technik – Zukunft in Bayern 4.0“ vom Bildungswerk der Bayerischen Wirtschaft (bbw) und wird hauptsächlich von den bayerischen Metall- und Elektro-Arbeitgebern bayme vbm gesponsort. Durch die 16 verschiedenen Bildungsangebote sollen Frachkräfte generiert, junge Menschen für technische und digitale Berufe begeistert und so dem Fachkräftemangel in der Metall- und Elektroindustrie entgegengewirkt werden. Im Schuljahr 2019/20 ist die Technik-Rallye an 18 Schulen in ganz Bayern unterwegs und wird vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie gefördert.

Die bbw-Referenten Martin Hillebrand und Angela Engel haben Metallteile, Rohre, Holz, Leder, Nieten, Nägel und andere Materialien sowie Werkzeuge wie Hammer, Akkuschrauber, Lötkolben und Sägen mitgebracht und insgesamt 25 Stationen für die Schüler in Bobingen aufgebaut. Nach kurzer Einweisung können die Jungen und Mädchen loslegen.

Schulleiter Dirk Hampel freut sich sichtlich, als er durch den Werkraum geht und an einer Station vier Mädchen der Klasse 7b mit einem Lötkolben arbeiten sieht. Mit einem Bleistift zeichnen sie verschiedene Motive auf Holz vor und verzieren dieses anschließend gekonnt mit der 380 Grad Celsius heißen Spitze des Lötkolbens.
„Die Schüler gehen richtig auf und sind begeistert in diesen Projekten“, stellt Hampel zufrieden fest. Zudem sei es ihm wichtig gewesen, auch solch ein Projekt für die unteren Jahrgangsstufen anzubieten.

Schüler aus Dänemark und Spanien zu Gast in Bobingen

Die Realschule Bobingen ist eine sogenannte Mint-Schule mit ausgeprägtem Profil in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (Mint). Im Rahmen des Förderprogramms der Europäischen Union „Erasmus“ nimmt die Realschule an einem Robotikprojekt teil, das eine Laufzeit bis 2020 hat. „Wir hatten Schüler aus Dänemark und Spanien zu Gast“, berichtet Hampel. Die Schüler tauschten ihr Wissen über Robotik, Programmierung und Elektronik aus. Außerdem habe sich die Realschule laut Hampel wieder für das „Energiespardorf“ beworben. Dieses Projekt für Sechstklässler war bereits mehrfach in Bobingen zu Gast. Anhand eines kleinen Modelldorfs können die Schüler spekulieren und erfahren, welche Sektoren besonders viel Strom verbrauchen oder wann beispielsweise Photovoltaikanlagen sinnvoll wären.

Für die sechsten Klassen sei ursprünglich auch die Technik-Rallye konzipiert, erklärt Hillebrand. „Es gehen gerade noch die siebten Klassen aber später werden sie zu cool für sowas“, sagt der Regensburger und lacht. Hillebrand tourt seit 2010 mit der Rallye durch Schulen in Bayern, seien es Mittelschulen oder Gymnasien. Im Laufe der Jahre konnte er allerdings einen Unterschied in der Einstellung feststellen.

An Gymnasien würden die Schüler sich etwas anschauen und einfach ausprobieren. An Mittelschule hingegen habe er oft die Erfahrung gemacht, dass die Kinder verunsichert seien, nicht so recht an sich glauben und direkt nach Tipps und Hilfe fragen würden.
Eine seiner schönsten Erfahrungen in den vergangenen Jahren sei es gewesen, als ein Junge nach über einer halben Stunde an einer Station so lange bei der Sache blieb, bis er das Problem lösen konnte. „Danach saß er mit einem breiten Grinsen da“, erinnert sich Hillebrand.

Siebtklässler mit viel Spaß bei der Sache

Bei den Schülern der Klasse 7b kommt die Rallye ebenfalls gut an. „Es ist eine interessante Abwechslung zum Schulalltag“, sagt Colin, der gemeinsam mit Janusz unter Anleitung von Angela Engel einen Binärcode übersetzt und dadurch das Schloss an einer Holztruhe öffnet.

Martina und Emily zeichnen mit Bleistift ihre Motive auf ein Stückchen Holz, bevor sie zum Lötkolben greifen und es verzieren. „Das ist toll und macht richtig Spaß“, lautet das Fazit der beiden Schülerinnen.

„Wir wollen die Kinder wieder weg vom Smartphone bekommen“, erklärt Hillebrand und führt aus: „Meine Vorstellung ist es, dass die Kinder heimgehen und den Papa fragen, ob sie einen Lötkolben daheim haben“.

Dass die Technik-Rallye in Bobingen zu Gast war, sei Eva-Maria Brenner zu verdanken, sagt Schulleiter Hampel. Die Beratungslehrerin hat die Realschule beim Bildungswerk der Bayerischen Wirtschaft beworben. „Das Projekt ist klasse, die Schüler haben etwas zum vorzeigen zu Hause, das sie selbst gemacht haben“, sagt Brenner.

Nur drei siebte Klassen an der Realschule Bobingen

An einem Vormittag nehmen drei Gruppen je zwei Stunden an dem Projekt teil. Für Hampel habe es genau gepasst. Es gibt an der Realschule derzeit nämlich nur drei siebte Klassen mit insgesamt 90 Schülern, also ging die Rechnung genau auf.

„Mittlerweile gibt es aber wieder vier fünfte Klassen“, erklärt der Schulleiter. Die oberen Jahrgangsstufen seien fünfzügig. So mussten in den vergangenen Jahren Werkräume zweckentfremdet und zu Klassenzimmern gemacht werden. Derzeit sei das nicht mehr der Fall. „Endlich können wir wieder zwei Kunstkurse gleichzeitig anbieten“, freut sich Hampel.
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