Gequält, gefoltert und geschlachtet für einen Hamburger - Betrieb in Gersthofen unter Beschuss

Der Vorwurf ist heftig: Die Schlachterei Hynek quält Rinder vor der Schlachtung und arbeitet für OSI in Gersthofen, die unter anderem McDonalds beliefern. (Foto: Symbolfoto: Florian Kemp da Silva)
Fleisch / Gefilmte Tierquälerei in einer Schlachterei des McDonald-Zulieferers OSI aus Gersthofen. Das Unternehmen will „Hand in Hand“ mit den ermittelnden Behörden gegen die Zustände vorgehen.

Gersthofen/Tauberbischofsheim. Tierschützer hatten heimlich gefilmt, wie in einem Schlachthof in Tauberbischofsheim täglich zwischen 100 und 200 Rinder tierquälerisch zum Schlachtort getrieben und dann nur teilweise betäubt geschlachtet wurden. Diese Woche konnte man die Aufnahmen in einer TV-Sendung sehen.

Der Schlachtbetrieb Hynek beschäftigt 45 Mitarbeiter und ist Zulieferer für die „OSI International Foods GmbH & Co. KG“ mit Sitz in Gersthofen. OSI produziert Tiefkühlfleisch und beliefert unter anderem die Schnellrestaurantkette McDonalds. Nun wurde Strafanzeige wegen Tierquälerei gegen die Tauberbischofsheimer Schlachterei Hynek gestellt, die für OSI arbeitet.

Tierschutz ist wichtig
OSI tritt nun die Flucht nach vorne an und beteuert „Tierschutz ist dem Unternehmen wichtig“. Aber wer die Bilder im Fernsehen gesehen hat, wie halbseiden-betäubte Rinder am Haken ausbluten und noch zucken, wie die Tiere in schmalen Gängen mit Elektroschockern getrieben werden, wie ihnen die Schwänze verbogen werden, damit sie schneller laufen – wem schmeckt da noch der Burger mit dem geformten Rindfleischhack drin? Es könnte Fleisch von so behandelten Rindern sein. Da lacht der Clown der Schnellrestaurantkette sicher nicht mehr darüber.

OSI beteuert auf Anfrage, dass alle ihre Lieferanten sich an die „strengen Anforderungen bezüglich des Tierwohls“ halten müssten. „Wir nehmen bei OSI unsere Verantwortung bezüglich des Tierschutzes sehr ernst und werden es keinesfalls akzeptieren, wenn ein Betrieb die hohen Standards nicht vollständig erfüllt“, erklärt der Gersthofer Betrieb zum Vorfall. Das Unternehmen spricht gar von „hohen ethischen Ansprüchen und Standards zum Tierwohl“ für alle angegliederten Betriebe.

OSI habe den Schlachthof Hynek erst 2017 übernommen und angefangen, OSI-Betriebsrichtlinien dort einzuführen. Er sei einer von zwei Schlachtbetrieben in Deutschland, die von OSI betrieben werden. Die Produktion im Schlachthof Hynek sei unmittelbar nach Bekanntwerden der Anschuldigungen gestoppt worden, „um eine Untersuchung und ein erneutes Training bezüglich OSI-Tierwohl-Standards durchzuführen.

In enger Abstimmung mit den Veterinärbehörden haben wir eine gründliche Überprüfung unserer Prozesse und Verfahren eingeleitet. Derzeit führen wir vor Ort eine umfassende Überprüfung der Angelegenheit durch. Wir werden dabei auch mit externen Experten zusammenarbeiten, um unsere Ergebnisse zu bestätigen und entsprechend angemessene Maßnahmen zu ergreifen“, wird vom Konzern in einer Pressemitteilung versichert.

Elektrotreiber staatlich erlaubt
OSI habe vor Kurzem eine konzernweite, zusätzliche Initiative zur weiteren Verbesserung des Tierwohls gestartet, die eine „vollständige Überprüfung der internen Überwachungssysteme, zusätzliche Mitarbeiterschulungen, zusätzliche Kontrollen sowie die Einführung eines neuen Kameraüberwachungssystems umfasse, das den strengen Datenschutzrichtlinien“ entspreche, so berichtet OSI. Dieser Prozess sei noch nicht abgeschlossen. „Unter anderem schulen wir die Mitarbeiter erneut bezüglich Tierwohl und arbeiten eng mit den Veterinärbehörden zusammen, um weitere Verbesserungen zu erzielen. Die Verwendung von Elektrotreibern wird unter bestimmten Umständen und im Rahmen bestimmter Richtlinien als angemessen angesehen und ist erlaubt. Dennoch werden wir diese Praxis überprüfen und den Tierschutz entsprechend unseres hohen Anspruchs weiter verbessern. Wir befinden uns aktuell in der Einführung einer kontinuierlichen Videoaufzeichnung, um sicherzustellen, dass unsere Standards in jedem Fall eingehalten werden“, wird vom Unternehmen schriftlich erklärt.

„Wir unternehmen alle nötigen Schritte, um einen dem Tierwohl entsprechenden Umgang in allen OSI-Unternehmen und Zuliefererbetrieben zu gewährleisten“, versichert OSI. Dafür gebe es klare Vorschriften und gesetzliche Regelungen, an die sich alle Mitarbeiter zu halten hätten. OSI wolle „Hand in Hand mit den öffentlichen Institutionen und den ermittelnden Behörden“ arbeiten.
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Sebastian Summer aus Aystetten | 16.02.2018 | 21:31  
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