Gersthofer Geschichten: Mit Sicherheit ein Vergnügen - Unternehmensgeschichte von Sauer Feuerwerk

Firmengründer Franz-Georg Sauer in Feuerwehruniform, fotografiert im Studio Max Anzinger Foto: Archiv Peter Sauer
 
So sollte ein Feuerwerk richtig aufgebaut werden. Franz-Georg Sauer zeichnete für seine Kunden. Foto: Archiv Peter Sauer
 
Titelbild einer Preisliste der Firma Sauer Feuerwerk um 1900. Foto: Archiv Peter Sauer
 
Postkarte vom Oblatterwall mit Feuerwerk-Gebäuden. Standort der Firma Sauer von 1873 bis 1940. Foto: Archiv Peter Sauer

Seit Generationen wird die Faszination Feuerwerk in der Familie Sauer weitergegeben. 150 Jahre voller Höhen und Tiefen haben die Sauers erlebt. Heute erfreut Peter Sauer Festbesucher in ganz Bayern mit seinem Großfeuerwerk.

Auf dem Augsburger Plärrer ist am Freitag Feuerwerk-Tag und zahlreiche Besucher kommen bei Dunkelheit zum Festplatz, um das bunte Spektakel am Himmel zu erleben. Fast niemand weiß so ganz genau, wer eigentlich dafür verantwortlich ist, dass diese Augenweide pünktlich und sicher und zum Vergnügen des Publikums die Nacht erleuchtet. Dabei haben die Pyrotechniker ganz in der Nähe, in Gersthofen, seit fast 80 Jahren ihren Stammsitz. Die Firma selbst existiert seit über 150 Jahren und ist damit die älteste ihrer Art in Deutschland. Als einer von fünf verbliebenen Herstellern von Feuerwerk, ist die Firma Sauer zudem eine echte Rarität im Lande.
Fünf Generationen von Sauers beglückten schon die Bevölkerung mit Feuerwerks-Kunst. Jede davon hatte mit anderen Eigenarten und Schwierigkeiten ihrer Zeit zu kämpfen und einerseits durch innovative Ideen und Anpassungsfähigkeit, andererseits durch traditionelles Wissen und Beharrlichkeit zu bestehen.

Der Gründer

Franz-Georg Sauer, geboren 1834 in Herrieden bei Ansbach, ging 1856 nach München und erlernte den Beruf des Feuerwerkers bei Heinrich Burg, der vermutlich sein Vater war und dessen Sohn. Burg besaß einen Feuerwerksbetrieb in München in der Balanstraße. 1862 wechselte Franz-Georg nach Augsburg zum Feuerwerker Knierim in dessen pyrotechnisches Laboratorium am Lueginsland. Im Mai 1863 übernahm er die Firma und führte sie mit zwei Helfern unter seinem eigenen Namen. Nebenbei war er bei der Augsburger Feuerwehr tätig. Alten Unterlagen kann man entnehmen, dass die Kundschaft zunächst aus dem schwäbischen Raum kam. Später wurde die Ware deutschlandweit mit der Bahn versandt; Zünden durften die Kunden ihr Feuerwerk damals tär ein. Später wurden in den auf dem Gelände verstreuten Produktionshütten Flüchtlinge untergebracht. Von einem kleinen Häuschen in der Nachbarschaft aus, zum Nichtstun verurteilt, beobachtete der Unternehmer das Geschehen auf seinem ehemaligen Grundstück.
selbst. Franz-Georg Sauer konnte gut zeichnen und hielt so den Aufbau seiner Ideen fest. 1873 zog der Betrieb mit Sack und Pack um an den Oblatterwall, wo die Firma Sauer bis 1940 ihren Standort hatte. Der Pulverturm dort und die nach drei Seiten durch einen Wassergraben gesicherte Lage waren für einen pyrotechnischen Betrieb ideal. Der Firmeninhaber wohnte gegenüber.

Königlich Bayerischer Hoflieferant

Die zweite Generation der Feuerwerk-Sauers bildete Johann Baptist, der Sohn von Franz-Georg. Er wurde 1871 geboren, erlernte das Handwerk bei seinem Vater und ging dann für ein Jahr in Italien auf Wanderschaft um weitere Kenntnisse bei italienischen Kollegen zu erwerben. Diese zählen bis heute zu den besten ihrer Zunft. Am 1. Januar 1896 übernahm er das elterliche Geschäft am Oblatterwall und führte es fort. Kurz vor dem Ende der Monarchie wurde der Betrieb zum Königlich Bayerischen Hoflieferanten berufen, nachdem er vorher schon zahlreiche Feuerwerke für bayerische Prinzessinnen und den Prinzregenten Luitpold gezündet hatte. Ein besonderer Höhepunkt des damaligen Schaffens war die Illumination der Pöllatschlucht bei Schloss Neuschwanstein mit Bengalischer Beleuchtung. Während des Ersten Weltkrieges stellte die Firma Leucht- und Signalmunition her – Vergnügungsfeuerwerk war erst einmal nicht mehr gefragt. Vor gut 100 Jahren musste man einen schweren Unfall im Werk verkraften. Bei einer Explosion verloren wahrscheinlich mehrere Mitarbeiter ihr Leben. Johann Baptist Sauer starb 1934.

Augsburg München Wiesbaden

Weil er vier Kinder hatte, wurden die Verhältnisse in der dritten Generation komplizierter. Doch sie bargen auch Chancen zur Expansion, die die Sauers zu nutzen wussten. Hans übernahm als der älteste Sohn den elterlichen Betrieb und auch seine Schwester Maria stieg in die Feuerwerksbranche ein.
1923 stand die Feuerwerkerei Burg in München, bei der Hans´ Großvater gelernt hatte, zur Versteigerung und der Augsburger bekam den Zuschlag.
Sein Bruder Fritz kehrte zunächst, unzufrieden über seine Lage als zweite Geige, Augsburg den Rücken und stieg 1924 bei der Firma Becker, einem renommierten Mitbewerber, in Wiesbaden ein. Auch seine Frau Anna arbeitete mit im Feuerwerksbetrieb. Die Firma Becker war in der Bädergesellschaft von Wiesbaden und Umgebung sehr bekannt. Man liebte sie besonders für ihre kunstvollen, durch bewegliche Figuren einmaligen Lichterbilder. Nach dem Rückzug von Becker aus dem Geschäft wurden Fritz und Anna Sauer alleinige Inhaber. 1931 wurde Sohn Friedrich geboren. Etwa von 1930 bis 1940 gab es also drei Feuerwerksbetriebe Sauer, die man unter dem Markennamen ASW (Sauer-Feuerwerk Augsburg München Wiesbaden) bekannt machte.
Nach dem Tod von Johann Sauer teilten sich Tochter Maria und Sohn Hans die Aufgaben. Maria übernahm den Augsburger Betrieb, Hans leitete die Münchner Filiale. Der Betrieb des Bruders in Wiesbaden wurde abgekoppelt und es gab nun eine Firma SAWIE (Sauer Wiesbaden) und SAM (Sauer Augsburg München).

Krieg und Frieden

Fritz Sauer zog es 1938 aus zwei Gründen zurück in die Heimat. In Wiesbaden hatte er vor Jahren begonnen, neben Vergnügungsfeuerwerk auch Leucht- und Signalmunition für die Deutsche Wehrmacht anzufertigen. Dafür war die Firma in Wiesbaden zu klein geworden. Außerdem vermisste der Bergsteiger die Alpen. Auf der Suche nach einem Grundstück, wurde er in Gersthofen fündig, wo bis 1940 eine großflächige moderne Fertigung entstand – was seine Schwester im Augsburger Unternehmen nicht erfreute. Doch dort hatte das Feuerwerker-Geschäft zu dieser Zeit schon keine Zukunft mehr. Die Sicherheit in der inzwischen enger bebauten Gegend war nicht mehr gewährleistet.
Das Kriegsende bedeutete erst einmal auch das betriebliche Ende für Familie Sauer. Sowohl in München, als auch in Gersthofen beschlagnahmte man die Gebäude und Maschinen mussten als Reparationsleistung abgeliefert werden. Fritz saß zunächst zur Entnazifizierung im Gefängnis. Die Amerikaner hatten zahlreiche Fotos von den Innenräumen und Betriebsabläufen von Mitarbeitern erhalten und stuften die Leuchtmunition als Rüstungsgut ein. Auf dem Gersthofer Areal zog erst das amerikanische Militär ein. Später wurden in den auf dem Gelände verstreuten Produktionshütten Flüchtlinge untergebracht. Von einem kleinen Häuschen in der Nachbarschaft aus, zum Nichtstun verurteilt, beobachtete der Unternehmer das Geschehen auf seinem ehemaligen Grundstück.

Neubeginn und Wirtschaftswunder

1948 bekamen die Sauers ihr Wohnhaus und den Betrieb zurück. Aus übriggebliebenem Material – Filzstückchen und Diesel – entstand das erste Produkt der neuen alten Firma unter Fritz Sauer: Ofenanzünder. Auch sein Bruder Hans konnte in München seine Tätigkeit wieder aufnehmen. Allerdings verstarb er bereits 1953 und der noch nicht volljährige Sohn und die Witwe mussten diesen Zweig der Firma Sauer aufgeben.
In die Gesellschaft kehrte in den 50er Jahren das Leben zurück und es wurden auch wieder Feste veranstaltet. Für den Hersteller von Feuerwerk eine gute Zeit – 1970 beschäftigte man in Gersthofen wieder 15 Mitarbeiter, die Silvesterfeuerwerk, Großfeuerwerk und technische Produkte herstellten. Nur die Signal- und Leuchtmunition, die von der neu gegründeten Bundeswehr angefragt wurde, wollte Fritz Sauer nicht mehr fertigen, wodurch er sich ein durchaus lukratives Geschäft entgehen ließ. Nach seinem Tod 1972 wurde sein Sohn Friedrich, der Vater des heutigen Inhabers Peter Sauer, zum Firmenchef. Auch er setzte auf eine Kombination aus Veranstaltung von Feuerwerken und Herstellung von Großfeuerwerk. Peter Sauer stieg schon früh mit ein, legte ein Betriebswirtschaftsstudium nach und so leiteten die beiden Sauers gemeinsam bis 2008 die Firma.

Zündende Ideen

Das Produktionsgelände sieht noch genauso aus wie bei Beginn 1940. Die weit über das Gelände verstreuten Fertigungshütten dienen der Sicherheit. In jedem der kleinen Gebäude riecht es anders und ein anderes Produkt wird dort hergestellt. Die parkähnliche Anlage ist eine kleine Oase, Hasen toben durch die Wiese und die Feuerwerker haben lange Wege an der frischen Luft.
Das aktuelle Sortiment ist voller Nischenprodukte. Da sind technische Artikel wie Signalfackeln für die Polizei oder Rauchwerk, das die Feuerwehr für ihre Übungen braucht. Eine technische Herausforderung zur Hagelabwehr ist demnächst marktreif. Feuerwerk-Nostalgiker kommen ebenfalls auf ihre Kosten. Dazu kommt das Großfeuerwerk, das für Veranstaltungen selbst zusammengestellt und dann natürlich abgefeuert wird. Peter Sauer ist in seinem Element, wenn er ein Musikfeuerwerk choreografieren darf. Seine sechs Mitarbeiter können seine, für Außenstehende völlig unverständlichen, Aufzeichnungen dazu lesen und packen, schnüren und stecken alles so zusammen, dass man vor Ort die richtige Reihenfolge schnell findet. 150mal jährlich arbeitet das Team solche Feuershows aus.
Peter Sauer ist stolz darauf, dass er sich gegen die Konkurrenz aus China behauptet hat, obwohl auch er Waren aus dem Ausland zukauft. Da es seit der Jahrtausendwende sehr viele Pyrotechniker gibt, die nicht selbst herstellen, aber Feuerwerk veranstalten, ist hier in Gersthofen die Herstellung gesichert.
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