Haben Western-Romane noch ein Publikum?

    Der Western ist zumindest in Deutschland ein Genre, das bei den großen Publikumsverlagen mittlerweile zu einem Nischenprodukt geworden ist. Die meisten Entscheider in den Chefetagen der Verlage haben sich mittlerweile anderen Genres zugewendet. Unter anderem auch, weil sie aus einer anderen Generation stammen, die mit dem Western-Genre nicht mehr aufgewachsen ist und demzufolge auch über kein detailliertes Wissen mehr verfügt.

Es gibt aber zum Glück noch kleinere Verlage, die dies anders sehen und teilweise vergessene Schätze der letzten 50 Jahre, insbesondere im Western-Genre, ins digitale Zeitalter retten wollen und dies auch schon erfolgreich seit mehr als drei Jahren unter Beweis gestellt haben. Die Rede ist von dem eBook-Verlag Edition Bärenklau.

„2015 fragte ich Alfred Wallon, ob er sich vorstellen könne, seine Western, die er in den letzten 35 Jahren bei verschiedenen Verlagen veröffentlicht hat, als eBook in unserem Verlag zu publizieren“, berichtet Jörg Munsonius, Verleger der Edition Bärenklau. „Daraus ergaben sich weitere Möglichkeiten zu einer engen Zusammenarbeit.“

„Jörg Munsonius fragte mich, ob ich mir vorstellen könne, als Ressortleiter den Bereich Western und Abenteuer bei der Edition Bärenklau zu betreuen“, sagt der Augsburger Schriftsteller Alfred Wallon. „Mit diesem Gedanken konnte ich mich sehr gut anfreunden, denn ich selbst habe mehr als tausend Western in den letzten 40 Jahren gelesen und in dieser Zeit auch Kontakte zu verschiedenen Autorenkollegen aufgebaut“, sagt Alfred Wallon. „Ich wusste sofort, welche Autoren ich hier ansprechen wollte, und das habe ich auch getan.“

In den letzten drei Jahren hat die Edition Bärenklau das Western-Programm deutlich erweitert. Bekannte Autoren wie Glenn Stirling, John F. Beck, Heinz Squarra, Larry Lash und Horst W.Hübner sind z.B. mit ihrem gesamten Lebenswerk bei der Edition Bärenklau vertreten. „Wir haben bereits mehrere Hundert Western in den letzten drei Jahren als eBook veröffentlicht“, erzählt Verleger Jörg Munsonius. „Und wir sind zuversichtlich, diese Zahl in den kommenden Jahren noch deutlich zu steigern. Mittlerweile haben wir das größte und vielfältigste Westernprogramm im eBook-Sektor – und das, obwohl wir eigentlich nur ein Kleinverlag sind. Aber wir kennen uns aus und wissen, welche Autoren es wert sind, veröffentlicht zu werden.“

Mittlerweile gibt es auch englische und amerikanische Western in deutscher Erstveröffentlichung. Durch Alfred Wallons guten und jahrelangen Kontakte zu dem englischen Westernautor Ben Bridges erscheinen in der Edition nun auch dessen Romane zum ersten Mal in deutscher Sprache. Dies gilt auch für den bekannten Illustrator und Autor Tony Masero, dessen Romane ebenso in deutscher Erstveröffentlichung gestartet sind. Zudem prägen die Cover von Tony Masero einen großen Teil seiner eBooks. Der schottische Zeichner Edward Martin prägt mit seinen Bildern ebenfalls viele eBooks des Verlages.

Auch Übersetzungen aus den USA sind seit kurzem in Planung. So wurde mit Linda Pendleton, der Frau des verstorbenen amerikanischen Autors Don Pendleton, ein Vertrag über ein umfangreiches Buchpaket geschlossen. Sowohl mit Western und Krimis von Linda Pendleton, als auch mit allen Romanen aus der Serie THE EXECUTIONER von Don Pendleton, die der Autor noch selbst geschrieben hat.

„Die Zeichen stehen auf Expansion“, betont Alfred Wallon. „Während die großen Publikumsverlage nicht mehr wissen, welche guten Western in den letzten 50 Jahren hierzulande erschienen sind, nutzen wir unser Fachwissen und setzen dies auch erfolgreich um. Natürlich sind intensive Recherchen im Internet, der Austausch mit Sammler-Fachkollegen und Behördenkontakte nötig. Hier haben wir einen guten Vorsprung ausgebaut, und unsere Publikationen stellen die Vielfältigkeit des Western-Genres deutlich unter Beweis. In diesem Sinne wollen wir weitermachen.“

Im Detail findet man die Werke und Serien bekannter deutscher Autoren im Programm, oder eben die Werke aus der Nachkriegszeit ab 1950. Hier ist sehr schwierig geworden, die Rechtsverhältnisse klären zu können – so das ein erster Schwerpunkt erst mit dem Ende der 1960er Jahre beginnt.

Zu den frühen Veröffentlichungen gehören die Bücher von Larry Lash, das ist das Pseudonym des Autors Bernhard Boemke, der ca. 250 – 270 Romane im Bereich des Wild-West Romans im Leihbuch veröffentlicht hat. Das „Leihbuch“ ist mit einem harten Einband und Schutzumschlag der Vorläufer der heutigen Hardcover. Seine Blütezeit endete Anfang der siebziger Jahre mit der Akzeptanz der Taschenbücher beim deutschen Lesepublikum, die preiswerte Alternativen zum Hardcover wollten.

Im „Leihbuch-Bereich“ machten auch weitere jüngere Autoren auf sich aufmerksam. Als Beispiel seien hier Florian Beck genannt, der mehr als 500 Romane als John F. Beck veröffentlichte. Ein anderer großer Autor der 1970er bis 1990er Jahre war Heinz Squarra alias H.S.Sharon, erklärt Alfred Wallon die „Blütezeit“ des deutschen Western-Genres in den letzten Dekaden des vorherigen Jahrhunderts.

Natürlich gab es noch mehr umsatzstarke große Westernautoren und Serien, die aber einen eigenen Artikel verdient hätten. Erwähnenswert ist, das in diesen Dekaden Reihenperiodika publiziert wurden, Einzel-Romane die Woche für Woche publiziert und Serienperiodika, die es oft auf 500 Fortsetzungen, bei den Einzelromanen auf mehr als 1500 Fortsetzungen brachten.

Erwähnenswert finden der Verleger und Alfred Wallon, die große Westernsaga RONCO (April 1972 bis September 1982 – 493 Ausgaben) und die Anfangs im Wechsel mit Kriminalromanen (als Silber Kriminal Romane) gestartete SILBER WESTERN- Reihe, die 1952 startete und mit Band 1903 im Jahre 1996 endete.

Auch hier wäre das einem eigenen Artikel gerecht, beide Serien wurden von Jörg Munsonius und Alfred Wallon aber sehr gern gelesen. Besonders letztere Reihe aus dem „Zauberkreis Verlag“ spiegelt die Gesamtbreite der deutschen Autoren wieder.
Es gilt auch hier, so viele Schätze für die Edition Bärenklau zu heben und sie einem wachsenden aber noch überschaubaren Publikum wieder zugänglich zu machen. Diese große Aufgabe haben sich Verlag und Ressortleiter „auf die Fahne“ geschrieben. Denn sonst geraten all diese Romane im Lauf der nächsten Jahre in Vergessenheit.

Ein gutes Beispiel dafür ist der Schriftsteller Ernst F. Löhndorff, der selbst ein bewegtes Leben führte, einige Jahre in der Fremdenlegion war und als Abenteurer auf allen Sieben Weltmeeren zuhause war. In den Jahren des Ersten Weltkrieges und danach erlebte er seine Abenteuer, und seine Bücher erreichten damals Auflagen, nach denen sich so mancher Verlag heute sehnen würde. Zuletzt erschienen seine Romane Ende der 70-er Jahre, aber danach zeigte kein Verlag mehr Interesse daran - oder anders gesagt: man kannte ihn einfach nicht mehr. In der Edition Bärenklau erscheint ebenfalls eine Reihe mit Romanen dieses Autors. "Die Spannung, die mich als Schüler in den 70-er Jahren beim Lesen eins Löhndorff-Romans gepackt hat, ist auch jetzt noch vorhanden", sagt Alfred Wallon, der sich mit mit der eBook-Edition der Romane Löhndorffs einen persönlichen Wunsch erfüllt. Und es gibt noch so einige Wünsche, die Jörg Munsonius und Alfred Wallon umsetzen wollen ...
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