HAUS DER MODELLBAUER UND SAMMLER: Der Zug kommt mit Kaffee und Kuchen

Der Zug bringt die Bestellung. So passt das Café perfekt zum Museum im Haus der Modellbauer und Sammler. Foto: Monika Saller
 
Helga und Michael Forster in ihrem liebevoll gestalteten Biergarten. Foto: Monika Saller
 
Besonders stolz sind die Forsters auf dieses Modell des gläsernen Zuges. Er kommentiert sogar die Aussicht. Foto: Monika Saller

Detailverliebtheit – das ist wohl eine grundlegende Eigenschaft, wenn man Modellbau zu seinem Hobby macht. Und plötzlich hatte das Ehepaar Forster in seinem Haus der Modellbauer und Sammler auch noch eine Erlebnisgastronomie. Freunde von Eisenbahnen kommen von weit her, um hier Kaffee zu trinken.

Sammler brauchen Platz. Und so ist es nicht verwunderlich, dass es ganze zwei Jahre dauerte, bis Helga und Michael Forster in Reinhartshausen endlich auf eine leer stehende Gaststätte stießen, die die Voraussetzungen erfüllte, um ihre Vision in die Tat umzusetzen. Die Sammelstücke des Paares sollten ansprechend präsentiert und als Museum auch Besuchern gezeigt werden. Dazu kann auch die Kegelbahn der Wirtschaft einen entscheidenden Beitrag leisten, denn zentraler Bestandteil der Sammlung ist eine umfangreiche Modelleisenbahn. Insgesamt haben die Forsters 400 Quadratmeter zur Verfügung, um ihre Bahnen in unterschiedlichen Spurbreiten aufzubauen. In mehreren Ebenen und durch verschiedene Räume fahren Spur 1-, H0- und LGB-Züge. Letztere verfügen bereits über 800 Meter Schienenlänge, weil sie nicht nur durch die Gaststube fahren, sondern auch die ehemalige Kegelbahn in voller Länge nutzen können. Schöne Lokomotiven in großer Anzahl stehen zusätzlich auf den Regalen und Abstellgleisen. Außerdem gibt es gesammelte Kaffeekannen, Zündholzschachteln, Zollstöcke, Modellautos und Eisenbahnkalender zu bestaunen.

Ein sehr persönliches Museum

Die Arrangements sind nicht immer ganz stilecht, dafür aber sehr persönlich und mit viel Herzblut gestaltet. Der zentrale Bahnhof in der Gaststube ist ein Nachbau des Fachwerkgebäudes in Trossingen – dem Heimatort von Michael Forster auf der Baar. Begonnen hatte der Modellbauer mit Streichholzmodellen. Wie viele Arbeitsstunden in den beiden Gebäuden stecken, die in der Ausstellung zu sehen sind, kann er wohl selbst nicht mehr sagen. In jedem Fall versetzen sie die Besucher in Staunen, so detailverliebt und genau wie sie gearbeitet sind – eine Technik, die ein wenig aus der Mode gekommen ist. Auch mit der Kirche in der Miniatur-Landschaft hat es eine besondere Bewandtnis: Wer genau hinschaut, erkennt ein Playmobil-Modell. Doch sie kann leuchten und läuten und Musik spielen – was sie auch tat, als Michael Forster seiner Helga einen mit dem Zug gelieferten Heiratsantrag machte. Es hatten sich zwei gefunden, die sehr kreativ an ihrem Traum arbeiten wollten.
Bald kamen die ersten Besucher und blieben lange, denn zum einen dauert es eine Weile, bis man alles gesehen hat – geht man ein zweites Mal durch die Räume, entdeckt man neue Dinge, wie in einem Wimmelbild. Manchmal entdeckt man augenzwinkernde Details oder winzige Besonderheiten, die die Landschaften lebendig machen. Man darf auch selbst fahren – mit den vorhandenen Zügen oder mitgebrachten eigenen Schätzen.
Zum anderen ist Michael Forster hoch erfreut, wenn man ihm viele Fragen stellt und ihn in Fachgespräche verwickelt. So kam es, dass die Gäste auch immer häufiger nach Getränken fragten und nach Kleinigkeiten zu essen. Die Idee für ein ins Museum integriertes Bistro war geboren.


Vom Museum zur Erlebnisgastronomie

Der Weg zur Gastronomie war steinig, denn die entscheidende Idee – die Modellbahn sollte das Servieren übernehmen, an jedem einzelnen Tisch – war den Behörden ein wenig suspekt. Das Genehmigungsverfahren zog sich hin. Unterdessen wuchs die Ausstellung und die Forsters wollten auch den Garten des Hauses für die Gäste nutzbar machen. Die Gestaltung sollte zum Innenleben des Hauses passen und so wurde draußen mit Flohmarktschätzen die Sammlung fortgesetzt. Gemütlich ist es hier, auf der Rückseite des Gebäudes, ganz ohne Straße und Lärm. Im Teich schwimmen Goldfische, die Bepflanzung ist naturnah gehalten, nur die Umrandung der Anlage besteht aus alten Topfdeckeln. Hühner sausen zwischen den Möbeln herum. Auch für sie wurden kreativ Unterkünfte aus bereits Vorhandenem geschaffen. Die Lieblingsfarbe der Chefin findet sich überall wieder: Alles ist in verschiedenen Grüntönen harmonisch zusammengestellt. Eine kleine Baustelle gibt es auch: Die Vorbereitungen laufen, dass die Bahn einen Weg nach draußen hat und so das Konzept des Eisenbahnerlebnisses auch im Biergarten vervollständigt ist.
Im Biergarten und dem Bistro gibt es Getränke, saisonal wechselnde kleine Gerichte und eine Eistruhe, die auch den Kindern aus dem Ort ein Begriff ist. Die Eier der Hühner werden übrigens direkt vor Ort verbacken. Eine sehr ansehnliche Kuchenauswahl steht den Gästen zur Verfügung. Die kommen von weither – oft mit Wohnmobil und viel Zeit ausgestattet, seit das Museums-Café in einer Fachzeitschrift für Modellbahn-Freunde vorgestellt worden ist. Die Nachbarschaft in Reinhartshausen ist da weitaus zurückhaltender, was die Forsters sehr schade finden. Ob das am schlechten Ruf des Hauses liegt, den einer der Vorbesitzer hinterlassen hat?

Lebendige Nutzung

Neben Forsters eigenen Zügen haben auch verschiedene Modellbauclubs in diesem lebendigen Museum ihre Anlagen aufgebaut und treffen sich regelmäßig, um daran weiter zu arbeiten. So gibt es hier häufig gesellige Abende. Die Forsters erweitern unterdessen ständig ihre Sammlung. Oft bekommen sie Nachlässe angeboten. Eine besondere Abteilung gibt es deshalb mit Eisenbahnen und Zubehör aus den 50er Jahren. Die haben nicht selten ihre Originalverpackung dabei, die für sich schon sammelnswert ist. Trafos, Gleise, Züge und Gebäude sind aus ganz anderen Materialien und stammen ganz eindeutig aus einer völlig anderen Zeit, als die modernen High-Tech-Bahnen.
Auch Kinder kommen in diesem Museum nicht zu kurz, denn es gibt eine große Lego-Landschaft und eine eigene „Mädchen“-Ecke. Anfassen ist hier erlaubt und erwünscht! Jim Knopf, Lukas und die Lokomotive Emma bilden das Empfangskomitee gleich neben dem Eingang.
In den Bereich vor dem Haus haben die fleißigen Wirte erst kürzlich Geld und Arbeitskraft investiert, damit man schon von außen sehen kann, dass drinnen ein ganz besonderes Restaurant-Erlebnis wartet. Viele Ideen kreisen noch in den Köpfen der beiden kreativen Gastronomen. Helga Forster näht beispielsweise aus Stoffresten witzige Taschen und andere Unikate, die man auch im Café anschauen und natürlich erwerben kann. Doch fertig wird man eigentlich nie, meint Michael Forster.
Die vergleichsweise kurzen Öffnungszeiten sind dem Umstand geschuldet, dass Helga und Michael Forster beide jeweils noch in einem anderen Beruf arbeiten und so nicht ihre volle Zeit ihrem Haus der Sammler und Modellbauer widmen können.

Zu finden ist das Haus der Sammler und Modellbauer in der Hattenbergstraße 2 in Reinhartshausen.Geöffnet ist nach Voranmeldung. Für das Café Telefon 0175 56778560 und das Museum 0175 8502059
www.haus-der-modellbauer.de
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