Hochstift Augsburg - Die Pflegamtskarte von 1768 zeigt Zusmarshausen

Der Ausschnitt der Pflegamtskarte Zusmarshausen des Hochstiftes Augsburg von 1768 zeigt die Ortschaft Zusmarshausen mit den Richtstätten. Die Reproduktion der Karte wurde von Werner Malcher gestiftet und dem Museum im März 2018 überreicht. Foto: Museum Zusmarshausen

1768 – dies ist das erste Regierungsjahr von Fürstbischof Clemens Wenzeslaus, des letzten Fürstbischofs vor der Säkularisation. 44 Jahre regierte er das Fürstbistum Augsburg und war somit auch oberster „Chef“ des Pflegamtes Zusmarshausen, einer der Verwaltungseinheiten des Hochstiftes Augsburg. Das Hochstift bezeichnet den weltlichen Herrschaftsbereich des Fürstbistums. 

Von Werner Malcher
Wenzeslaus war wohl der Auftraggeber der Pflegamtskarte. Bei der Abbildung handelt es sich um eine Art Steuer und Abgabenkarte. Die Einnahmenquellen im Pflegamt Zusmarshausen waren nicht unerheblich und eine genaue Übersicht, Erfassung und Aktualisierung sicherlich nötig. In der Legende sind alle „Feuerstellen“, beziehungsweise Haushalte mit Vieh, Äckern und Anzahl der Bewohner registriert. Das Original befindet sich im Staatsarchiv Augsburg (Inv. Nr. H 49)
Mit dem Vertrag von 1566 mit der Markgrafschaft Burgau besaß in Zusmarshausen das Hochstift die hohe Gerichtsbarkeit. Das bedeutet, dass hier schwere Verbrechen mit dem Todesurteil geahndet werden konnten. Auf der Karte sind die Richtstätten markiert, die „Kipfstadt“ (Köpfstätte) – am heutigen Richtstattweg – und das Hochgericht (Galgen, qqq).

Die „Blutlinie“

An der Landstraße von Augsburg nach Günzburg sind auch die Straf- beziehungsweise Juristicationssäulen auf der Karte abgebildet. Sie bilden die Grenzen der jeweiligen Gerichtsbarkeit für das Pflegeamt Zusmarshausen. Eine Säule befand sich in der Nähe vom Hochgericht (dddd, Jurisdicsaul), eine zweite zwischen Kleinried und Wollbach (cccc).
In der Legende ist die Grenze der Gerichtsbarkeit des Pflegamtes Zusmarshausen detailliert beschrieben. Im Plan ist sie als rote Linie eingezeichnet, die sogenannte „Blutlinie“. Warum fehlen einige umliegende Orte? In die Karte wurden nur die Ortschaften, die sich im Besitz des Fürstbistums befanden, erfasst. Folgende Orte sind unter anderem nicht auf der Karte zu finden: Die heutigen Ortsteile Wörleschwang gehörten zu den Fuggern, Gabelbach zum Heilig Geist Spital zu Augsburg, Steinekirch und Gabelbachergreuth zum Domkapitel Augsburg.
Die Karte kann im Museum Zusmarshausen im Giseberthaus, Augsburger Straße 11, besichtigt werden. Öffnungszeiten: jeden ersten Sonntag im Monat von 14 bis 17 Uhr.
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