Hospitalstiftung Dinkelscherben: Regierung von Schwaben spricht sich gegen reine Bürger-Stiftung aus

Die Bürger vor Ort sollen die Verantwortung für die Hospitalstiftung Dinkelscherben übernehmen. Die Regierung von Schwaben hat allerdings klare Anforderungen. (Foto: Markus Höck)

Vor über einer Woche hatte der Vorstand der Hospitalstiftung seinen Wunsch gegenüber der Öffentlichkeit zum Ausdruck gebracht, dass es am ehesten dem unter anderem durch das Bürgerkomitee zum Ausdruck gebrachten Willen entspreche, wenn die Bürger vor Ort selbst die Verantwortung für die Hospitalstiftung Dinkelscherben übernehmen könnten und die Kirche sich gänzlich zurückziehe. Dazu wollte der Vorstand mit Unterstützung von Diözesan-Caritasdirektor Domkapitular Andreas Magg das Gespräch mit dem Präsidenten der Regierung von Schwaben führen. Dieses Gespräch hat inzwischen stattgefunden.

Laut den Beteiligten dieses Gespräches steht der Präsident der Regierung von Schwaben, Erwin Lohner, einer Änderung der Satzung der Hospitalstiftung Dinkelscherben und einen damit verbundenen völligen Rückzug der Kirche aus dem Verwaltungsausschuss der Hospitalstiftung Dinkelscherben restriktiv gegenüber. Die Regierung von Schwaben sehe als Stiftungsaufsicht den Bezug zur katholischen Kirche weiterhin gegeben, schreibt die Caritas am Donnerstag in einer Presseerklärung.

Bürger werden die Mehrheit im Verwaltungsausschuss haben

Damit erfüllt sich nicht der Wunsch von Magg und des bisherigen Vorstands Ulrich Hörwick, die Stiftung gänzlich in die Verantwortung der Bürger beziehungsweise den Gemeinden Dinkelscherben und Zusmarshausen zu übertragen.

Damit aber dennoch die Bürger mit ihren Vertretern im Verwaltungsausschuss die gesicherte Mehrheit für sich haben, zieht der Diözesan-Caritasverband seinen Vertreter im Verwaltungsausschuss, Ulrich Hörwick, mit Wirkung vom 8. Februar bis auf weiteres zurück. Dasselbe gilt auch für Peter Kindermann als Vertreter des Domkapitels. Die damit frei werdenden Sitze werden bis auf weiteres nicht nachbesetzt. Dieser Maßnahme hat Regierungspräsident Lohner zugestimmt.

„Auch wenn wir keinen Erfolg mit unseren Vorstellungen von einer Satzungsänderung hatten, so ist jetzt doch eine gute Lösung gefunden, die dazu beitragen kann, den Konflikt, der weit über Sachfragen in Dinkelscherben hinausging und zunehmend von einer offensichtlich bewusst eskalierten Politik der Empörung dominiert wurde, wieder einzufangen“, sagte Hörwick am Donnerstag.

Regierung von Schwaben hat klare Anforderungen

Der neue Verwaltungsausschuss mit seiner Mehrheit aus Bürgervertretern aus Dinkelscherben und Zusmarshausen habe jetzt die Verantwortung, angedachte Maßnahmen in Abstimmung mit der Regierung von Schwaben anzugehen. Die Regierung erwartet vom neuen Verwaltungsausschuss ein in allen Belangen schlüssiges Business- und Finanzierungskonzept.

Mit dieser Anweisung wolle die Regierung von Schwaben, so Hörwick und Magg, sicherstellen, dass der Betrieb des Seniorenheims der Hospitalstiftung in Dinkelscherben nicht nur ordnungs- und gesetzesgemäß fortgeführt werden kann, sondern, dass auch die Zukunft und die Existenz der Stiftung insgesamt gesichert bleibt.

Die Sonderheit des Verwaltungsausschusses der Hospitalstiftung Dinkelscherben liegt darin begründet, dass der Verwaltungsausschuss nicht die Funktion eines Aufsichts- beziehungsweise Kontrollrates hat, sondern als Einheit die Funktion und die Verantwortung vergleichbar einer Geschäftsführung hat.

„Der Verwaltungsausschuss und in besonderem Maß der Vorstand hat damit die unmittelbare Verantwortung nicht nur die finanzielle Lage der Stiftung, sondern in allererster Linie die Verantwortung für die Pflege und damit die ihm anvertrauten alten Menschen im Seniorenheim“, erklärt Hörwick. „Dieser hohen Verantwortung muss man sich als Vorstand und als Verwaltungsausschussmitglied stellen – und zwar mit allen Konsequenzen.“ Die letzten vier Jahre habe die enge Zusammenarbeit zwischen dem Vorstand, dem Verwaltungsausschuss der Hospitalstiftung Dinkelscherben und der CAB Caritas Augsburg Betriebsträger gGmbH eine hohe Pflegequalität garantiert. „Wir wünschen, dass die nunmehr Verantwortlichen diese Pflegequalität um der alten Menschen willen auch weiterhin garantieren können.“

Caritas will sich komplett aus dem Seniorenheim zurückziehen

Nachdem die Bürger in Dinkelscherben wiederholt deutlich gemacht hatten, dass sie die Pflege in Dinkelscherben auf neue Beine stellen wollen, gab die Caritas in einer Pressemitteilung am Donnerstag bekannt, diesem Wunsch nachzukommen und zieht deshalb nicht nur die kirchlichen Vertreter im Verwaltungsausschuss zurück, sondern auch im weiteren Verlauf der Übernahme der Verantwortung der Bürger vor Ort die CAB Caritas Augsburg Betriebsträger gGmbH. Sie hat seit 2014 die Pflege in Dinkelscherben und Zusmarshausen verantwortet und deren hohe Qualität sichergestellt. „Leider hat es auch im Hinblick auf die Pflege einen eklatanten Vertrauensbruch gegeben. Die Entscheidung ist nur konsequent. Der CAB Caritas Augsburg Betriebsträger gGmbH, zu der 16 Seniorenheime im Bistum Augsburg angehören und die alle in den vergangenen Jahren von allen Seiten stets Bestnoten erhielten, war in unlauterer Weise und ohne jeglichen Beweis von den Akteuren vor Ort die Fachkompetenz abgesprochen worden. So ist aufgrund der Ereignisse in den vergangenen Wochen jegliche Grundlage für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit verloren gegangen“, so Diözesan-Caritasdirektor Andreas Magg.

Planungen für Spitalsanierung haben begonnen

Nach der Ankündigung, dass die Hospitalstiftung in eine Bürgerstiftung umgewandelt werden soll, haben erste Planungen für die Sanierung des Seniorenheims in Dinkelscherben begonnen. Ein Problem sind in vielen Zimmern zu kleine und nicht barrierefreie Nasszellen.  Nichttragende Zwischenwände müssten entfernt und neu gesetzt werden sowie Elektro-, Sanitär-, Fußboden-, Putz- und Malerarbeiten kommen hinzu. Pro Zimmer könnte das etwa 25.000 Euro kosten. "Einem Schreiben der Heimaufsicht (FQA) ist zu entnehmen, dass 32 Zimmer nicht dem aktuellen Standard entsprechen. Demnach wäre mit Kosten von circa 800.000 Euro zu rechnen, um alle Nasszellen im Heim auf Stand zu bringen", erklärte Dinkelscherbens Bürgermeister Edgar Kalb auf Facebook.

Förderverein zum Erhalt der Seniorenheime gegründet

Um die Kosten zu mindern, wurde am 31. Januar unter Leitung von Kreisrat Max Strehle der „Förderverein Bündnis Hospital Dinkelscherben- Zusmarshausen“ gegründet.
Vorsitzender des Vereins ist Josef Guggemos. Der jährliche Mitgliedsbeitrag wurde in Anlehnung an das Gründungsjahr der Stiftung auf 16,05 Euro festgesetzt. Mitglieder sollen alle Bürger werden, die am dauerhaften Erhalt der beiden Seniorenheime in Dinkelscherben und Zusmarshausen interessiert sind und einen aktiven Beitrag dazu leisten möchten.(pm/pb)
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