Hundeflüsterer im Tierheim

Simone Holzmeister mit Akita Inu Aziza beim Training
 
Christian Uckermann mit Dogo Argentino Pacino. Der Hund ist gut erzogen, doch wegen seiner Größe und seiner Einstufung als Kategorie-2-Hund nur schwer zu vermitteln

Tierschutz / Über die wichtige Arbeit der Hundetrainerinnen und -trainer

Augsburg. Immer wieder und in letzter Zeit immer häufiger werden im Augsburger Tierheim Hunde abgegeben, die auffälliges oder unerwünschtes Verhalten zeigen. Das reicht von Ängstlichkeit bis zu Aggression, unbeherrschter Jagdtrieb gehört ebenso dazu wie Dominanzverhalten, Unaufmerksamkeit, dauerndes Bellen oder häufiges Weglaufen.

Was tun mit „Problemhunden“ in einem Tierheim? Kann selbst ein „schwieriges“ Tier in ein gutes neues Zuhause vermittelt werden? „Ja, das geht.“ weiß Geschäftsführerin Sabina Gaßner. „Noch haben wir im Augsburger Tierheim für jeden Hund eine gute Lösung gefunden.“

Aufnahme und Aufenthalt

Die erste Anlaufstation im Tierheim sind die Tierpflegerinnen und Tierärzte. Sie nehmen alle Angaben des Besitzers oder der Besitzerin auf, untersuchen den Hund und dokumentieren eigene Erfahrungen mit dem Tier. Unterstützung holen sie sich bei fachlich versierten Tiertrainern.

Gleich drei dieser erfahrenen Fachleute arbeiten regelmäßig im Augsburger Tierheim mit. Alle drei arbeiten ehrenamtlich, aus Liebe zu Tieren, insbesondere zu Hunden, versteht sich. Sie kommen mindestens drei Mal die Woche, oft auch täglich über viele Wochen hinweg. Je nachdem, wie viele Hunde mit Schwierigkeiten im Tierheim gerade ihre Hilfe brauchen.

Kommunikation und Kurse

Dienstälteste „Hundeflüsterin“ ist Simone Holzmeister, die seit 13 Jahren dabei ist. Ihr Ansatz: Mensch und Hund müssen jeweils zu ihrem Recht kommen. Dazu muss die Kommunikation stimmen, d. h. auch der Mensch ist in der Pflicht, die artgemäßen Bedürfnisse eines Hundes zu kennen und die Signale zu lesen. Ihre eigene Hundeschule heißt Dog Smile. Und tatsächlich, auch schwierige Tierheimhunde mit zunächst geringen Vermittlungschancen ‚lächeln‘ bald ebenso froh wie ihre neuen Besitzer.

Außerdem bietet Hofmeister, teils gemeinsam mit Tierärztin Dr. Doris Wirth, im Tierheim Kurse an für Hundefreunde und solche, die es werden wollen. Neben dem beliebten „Hunde-Knigge“ für Kinder ist das insbesondere der Kurs für den Hundeführerschein. Der nächste beginnt am 10. November 2019.

Besondere Bedürfnisse


Damit mit dem Training begonnen werden kann, muss mancher Hund jedoch erst einmal grundsätzliches Vertrauen zu Menschen fassen. Das betrifft in der Regel schlecht behandelte, gequälte und stark vernachlässigte Tiere, sehr oft auch Straßenhunde aus dem Ausland. Hier ist der liebevolle und ausdauernde Ansatz von Christian Uckermann gefragt. Dass der viel Zeit kostet, „lohnt sich in jedem einzelnen Fall“, versichert der unverbrüchliche Hundefreund.

Um den „Feinschliff“ kümmert sich schließlich Sandra Grimm. Die erfahrene Ergotherapeutin arbeitet seit elf Jahren mit Hunden. Vor einer Vermittlung prüft sie beim Spielen, Gassigehen und in Alltagssituationen auch außerhalb des Tierheims, ob ein vormals „schwieriger“ Hund noch Nachhilfe braucht. Auf Wunsch begleitet die Hunde- und Menschenexpertin auch die neue Familie und ihren Hund in der Anfangszeit.

Alle drei „Hundeflüsterer“ des Augsburger Tierheims stehen den neuen Besitzern auch nach einer Vermittlung als Ansprechpartnerin/Ansprechpartner zur Verfügung. Allerdings wird dieser Service nach der guten Vorarbeit weniger für Problemgespräche genutzt, als vielmehr zum Austausch über die vierbeinigen Lieblinge.

Tierheim Augsburg, Holzbachstr. 4c, 86152 Augsburg, Tel. 08 21 / 45 52 90-0, www.tierschutz-augsburg.de
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