In Folge der Weihnachtsbombe: Stadt Augsburg richtet neue Krisenhotline ein

Während der Evakuierung nach dem Bombenfund zu Weihnachten 2016 standen die Bürgertelefone und Notrufleitungen nicht mehr still. Solche Anliegen sollen künftig von der Feuerwehr zum Krisentelefon weitergeleitet werden. (Foto: Markus Höck)

In Extremfällen können sich Augsburger Bürger nun seelische Hilfe von ausgebildeten Telefonseelsorgern geben lassen: Dafür sorgt die neue Krisenhotline der Stadt und der Telefonseelsorge Augsburg. Die Telefone werden Tag und Nacht besetzt sein, und jeder Bürger kann sich mit seinen Sorgen und Befürchtungen zu dem Krisenfall an die ehrenamtlichen Helfer wenden, die ihnen seelische und moralische Unterstützung geben sollen.

Nach dem geschichtsträchtigen Bombenfund in der Jakobervorstadt Ende 2016 habe der Katastrophenschutz der Stadt Augsburg den Bedarf an einem Anlaufpunkt in Notsituationen erkannt. So wurde ausgehend von der ökumenischen Telefonseelsorge und dem Diakon Franz Schütz dann in Kooperation mit der Stadt und der Berufsfeuerwehr das Krisentelefon eingerichtet.

Die Idee fand bei der Feuerwehr großen Anklang, waren während der Evakuierung aufgrund der Weihnachtsbombe doch die Bürgertelefone und Notrufleitungen voll mit verunsicherten Menschen, deren Anliegen nun von der Feuerwehr zum Krisentelefon weitergeleitet werden können.

In München existiert bereits seit dem Amoklauf im Olympia-Einkaufszentrum im Sommer 2016 ein solches Krisentelefon. Dort wurden in der Zeit nach dem Amoklauf insgesamt 500 Gespräche geführt. Das zeige den großen Bedarf einer solchen Anlaufstelle für Bedürftige.
Insbesondere für Augenzeugen, die potenziell zum ersten Mal mit einer belastenden Situation konfrontiert werden, sei schnelle psychische Hilfe von besonderer Bedeutung, um traumatische Belastungsstörungen zu vermeiden. Da die Einsatzkräfte am Ort des Geschehens oft kaum Zeit für diese Menschen haben, könnten die Seelsorger auch vor Ort erscheinen, um die Augenzeugen mit einem offenen Ohr und heißem Tee zu versorgen.

Auch Dirk Wurm, Ordnungsreferent der Stadt Augsburg, begrüßt das Konzept. „Der Bedarf ist sehr wohl vorhanden“ sagte er bei der Pressekonferenz zur Vorstellung des Krisentelefons. Er versprach im Namen der Stadt Augsburg, seinen Teil beitragen zu wollen.

Die Schulung der Ehrenamtlichen habe laut Michaela Grimminger, Fachreferentin der Telefonseelsorge Augsburg, höchste Priorität. Sie besteht aus einer 150-stündigen Ausbildung sowie halbjährlichen Fortbildungen. Die Ehrenamtlichen lernen unter anderem die Grundlagen zur Traumaprävention oder Verarbeitung von Schocks- eine Art „geistige Erste Hilfe“, wie Grimminger es ausdrückt. Die Seelsorger selbst werden durch regelmäßige Supervisionen und Fortbildungen psychisch betreut. Denn auch sie selbst haben oft mit den Szenarien zu kämpfen, mit denen sie konfrontiert werden. „Sie können sich vorstellen, dass ein Bürger, der im Einkaufszentrum Schüsse hört und sich in der Toilette einsperrt, und jetzt das Krisentelefon anruft, dass das dann ein intensives Gespräch ist“, bestätigt Franz Schütz.

Das Projekt wird aus Spenden und von der Stadt Augsburg finanziert. Die Nummer des Krisentelefons wird erst in einer akuten Notsituation freigeschaltet und über die Medien und soziale Netzwerke bekanntgegeben. Die bereits bestehende Telefonseelsorge ist rund um die Uhr unter den Nummern 0800/111 01 11 sowie 0800/111 02 22, oder 11 61 23 (ohne Vorwahl) erreichbar.
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