Integreat App von "Tür an Tür" erreicht Finale der „Google.org Impact Challenge”

 



Augsburg / Berlin, 18. Mai 2018 - Die Tür an Tür - Digital Factory gGmbH aus Augsburg hat mit ihrer App Integreat das Finale der “Google.org Impact Challenge” erreicht und gewinnt 250.000 Euro. Bis 6. Juni können die Bürger über den Gesamtsieger abstimmen. Dieser erhält bei der Preis-verleihung am Donnerstag, 7. Juni in Berlin eine zusätzliche Förderung in Höhe von 250.000 Euro und damit insgesamt 500.000 Euro. Abstimmen kann man online auf http://g.co/KleineTaten.



Nach dem Start vor bald drei Jahren in Augsburg erhalten inzwischen in 40 Städten und Landkreisen neuzugewanderte Menschen alle wichtigen Informationen, zusammengetragen von den Akteuren der lokalen Integrationsarbeit. Integreat bietet darüber hinaus über IHK und HWK eine Schnittstelle zum Arbeitsmarkt an. Die Inhalte und Technologien können frei von anderen Organisationen genutzt werden (Open Source). Die lokalen Verantwortlichen der Städte und Landkreise treffen sich mit dem Integreat-Team zusätzlich regelmäßig zu Austausch und Wissenstransfer über kommunale Grenzen hinweg.

Bei über 2500 Einreichungen in zwei Kategorien schaffte es Integreat bei der "Google.org Impact Challenge” unter die besten zehn “Leuchtturm-Projekte”. In den Räumen des Augsburger Integrationsvereins „Tür an Tür – miteinander wohnen und leben e.V.“, wo im November 2015 mit dem Start der ersten App alles begann, stellten das Kernteam der über 40 vornehmlich ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer und Partner das Projekt vor.
„Das ist ein denkwürdiger, historischer Tag“, freute sich Thomas Körner-Wilsdorf, Vorstandsmitglied von „Tür an Tür - miteinander wohnen und leben e.V.“ Er erzählte von den Anfängen 2015 und davon, wie die Idee wuchs, aus der bewährten Broschüre „First Steps“, die bei Drucklegung oft schon veraltet war, eine App zu entwickeln. Längst sei Integreat ein großes Kooperationsprojekt geworden, eine gemeinsame Erfolgsgeschichte für 40 Kommunen.

Daniel Kehne, Initiator Integreat und Projektkoordinator der übergeordneten „Tür an Tür – Digitalfabrik gGmbH“, ergänzte, dass inzwischen nicht nur 40 Kommunen die App nutzen, sondern das Team mit 55 Kommunen in Kontakt stehe - Tendenz weiter steigend.

Integreat war von Anfang an auch ein Projekt der TU München, speziell von Prof. Helmut Krcmar, Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik der TUM. Von ihm kam schon in der Planung die Anregung, die App nicht nur für Augsburg zu entwickeln, sondern gleich bundesweit auszurollen. „Denn die Integration von Geflüchteten in die Gesellschaft kann man nicht alleine schaffen.“ Auch heute, wo Integreat längst eine Erfolgsgeschichte ist, sei es für ihn spannend - aus Forschungssicht. „Wie muss ich Plattformen gestalten, damit sie nachhaltig laufen, wie achte ich auf lokale Besonderheiten, wie muss eine Software für verschiedene Sprachen aussehen und vor allem: Wie kann Technik zur Integration von Geflüchteten beitragen?“ Das seien wichtige Fragen, die bei Integreat gelungen seien.

Stefan Kiefer, Bürgermeister der Stadt Augsburg, sprach stellvertretend für die 40 Kommunen und berichtete von der große Herausforderung, geflüchtete Menschen aufzunehmen. „2015 kamen jede Woche 80, 90 Menschen bei uns an.“ Wie funktioniert der Leistungsbezug, wie Krankenhausbesuche, wo bekomme ich Lebensmittelgutscheine, was kann und muss ich bei Ausländerbehörde erledigen, was ist eine voranwaltliche Beratung, welche Dokumente bekomme ich, was bedeuten sie? „Das und anderes waren die Fragen.“ Da die meisten Flüchtlinge zwar wenig hatten, meistens aber ein Handy, kam es über den Kontakt zu Tür an Tür zur Zusammenarbeit. „Ihr habt es in die Hand genommen - wir hätten wahrscheinlich Jahre gebraucht.“

„Das Timing war sehr wichtig“, sagte auch Tülay Ates-Brunner von der „Tür an Tür – Integrationsprojekte gGmbh“. „Integreat war 2015 eine unglaubliche Arbeitshilfe für Ehrenamtliche. Und inzwischen ist Integreat für alle interessant, die eine Migrationsgeschichte haben.“ Da 80 Prozent der Arbeit von Tür an Tür nach wie vor aus Förderanträgen und zeitlich befristeten Projekten bestehe, freue sie sich sehr: „Dass wir einmal Gelder bekommen, die nicht zweckgebunden sind, hätte ich mir nicht träumen lassen.“

Die Kriterien

Nach welchen Kriterien wurden die eingereichten Ideen beurteilt?
  • Bedeutung für die Gemeinschaft: Das Projekt wirkt sich positiv auf die Lebenssituation einer lokalen oder größeren Gemeinschaft aus oder unterstützt Organisationen in ihrer alltäglichen Arbeit.
  • Einsatz von Technologie und Innovation: Das Projekt nutzt digitale Hilfsmittel oder einen kreativen digitalen Ansatz, um ein Problem zu beheben.
  • Realisierbarkeit: Das Projekt kann erfolgreich durchgeführt werden.
  • Reichweite: Das Projekt hat das Potenzial, Vorbild für andere Gemeinschaften oder Organisationen zu sein oder einer großen Zahl von Menschen zu helfen.

Das Auswahlverfahren

Alle während der ersten Bewerbungsrunde erhaltenen Bewerbungen wurden von Google und/oder seinen Partnern geprüft. Ausgewählte Bewerber mussten in der zweiten Bewerbungsrunde eine ausführliche Beschreibung und einen Umsetzungsplan für ihre vorgeschlagenen Idee einreichen. In bei-den Phasen wurden die Bewerbungen auf der Grundlage der Kriterien der Google.org Impact Challenge bewertet. Insgesamt werden 110 Finalteilnehmer (100 lokale Projekte und 10 Leuchtturm-Projekte) von Google, den Partnern und der Jury ausgewählt.

Im Rahmen einer öffentlichen Abstimmung werden zwischen 18. Mai und 6. Juni aus 110 Finalteilnehmern die Gesamtsieger ermittelt. Durch die Abstimmung werden aus den 100 lokalen Projekten 50 Sieger ermittelt. Diese erhalten je 20.000€. Aus den 10 Leuchtturm-Projekten wird ein Gesamtsieger des Publikums ermittelt. Dieser erhält 500.000€. Ein weiteres Projekt erhält als Sonderpreis der Jury ebenfalls insgesamt 500.000€. Die restlichen acht Leuchtturm-Projekte erhalten je 250.000€. Alle erfolgreichen Projekte bekommen zudem Unterstützungsleistungen von Google und seinen Partnern.

Die Google.org Impact Challenge

Die Google.org Impact Challenge ist ein Förderwettbewerb für gemeinnützige Organisationen und Vereine, der nach 2016 zum zweiten Mal in Deutschland durchgeführt wird. Gesucht werden Ideen, die mit Hilfe digitaler Technologie oder anderer kreativer Ansätze die Arbeit der betreffenden Organisationen verbessern. Über die besten Ideen in zwei Kategorien stimmen eine Expertenjury und die Öffentlichkeit via Online-Voting ab. Die Gewinner erhalten Preisgelder sowie Unterstützung von Google und seinen Partnern bei der Verwirklichung ihrer Ideen.

Die Kategorien

Lokale Projekte
Gesucht sind hier explizit auch kleine Ideen aus Vereinen und Organisationen, die lokale oder regionale Wirkung entfalten. Beispiele wären eine verbesserte Webseite, ein neuer YouTube-Kanal oder eine einfache App. Insgesamt werden 50 lokale Projekte mit je 20.000 Euro ausgezeichnet.

Leuchtturm-Projekte
Hier geht es um ambitionierte, größere Ideen, die nach Realisierung überregional oder bundesweit zum Einsatz kommen. Bewerber in dieser Kategorie sollten über die dafür nötigen Erfahrungen und Strukturen verfügen. Acht von ihnen können ein Preisgeld von 250.000 Euro, zwei Gesamtsieger sogar 500.000 Euro gewinnen.

Die Expertenjury

  • Dunja Hayali, Moderatorin und Journalistin
  • Arne Friedrich, ehemaliger Fußball-Nationalspieler und Stiftungsgründer
  • Stefanie Graf, Stifterin und Vorstandsvorsitzende, Children for Tomorrow
  • Raúl Aguayo-Krauthausen, Aktivist & Medienmacher
  • Daniel Jung, Gründer, YouTube Mathe-Rockstar & Bildungsbotschafter
  • Verena Bentele, ehemalige Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, 12-fache Paralym-pics-Siegerin im Langlauf und Biathlon
  • Felix Oldenburg, Generalsekretär des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen
  • Ann-Kristin Achleitner, Professorin für Entrepreneurial Finance, TUM
  • Joana Breidenbach, Mitgründerin betterplace.org, Gründerin betterplace lab
  • Matthias Scheffelmeier, Mitglied Führungsteam, Ashoka Deutschland/Europa
  • Jacquelline Fuller, Vice President Google und President Google.org
  • Philipp Justus, Vice President Google Zentraleuropa

Google.org

Google.org ist der philantrophische Ableger von Google. Er sucht und fördert beständig innovative Ansätze, um große globale Herausforderungen anzugehen. Wir entwickeln und investieren in Ideen und Menschen, die helfen, Wissen und Know-How zu drängenden Fragen der Menschheit zugänglich zu machen. Unsere Themen reichen von Armutsbekämpfung über Gesundheit bis zu Bildung. Weitere Informationen auf www.google.org.
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