JUNGE FORSCHER IN AKTION im Bobinger Experimentarium: Die Dosen wo der Strom rauskommt

Große Spannung herrschte beim Besuch der Vorschulkinder aus der Kita St. Oswald in Leitershofen bei ihrem Besuch im Bobinger Experimantarium Foto: Monika Saller
 
„Meins leuchtet schon“ – da staunt auch Erzieherin Nina Schnitzmeier. Foto: Monika Saller
 
Foto: Monika Saller

Im Bobinger Experimentarium werden Kinder zu Forschern – ohne Lehrplan, aber mit ihrer Neugier ausgestattet erkunden sie naturwissenschaftliche Phänomene. Das Partner-Projekt mit dem Begegnungsland Lech-Wertach hat sich herumgesprochen und wird vor allem von Kindergärten gerne gebucht.

Beim ersten Herantasten an das Forscherthema Strom wird es schnell klar: Diese kleinen Wissenschaftler haben schon eine Menge gehört. Schließlich sind sie die Großen in ihrer Kindertagesstätte St. Oswald in Leitershofen, sie dürfen sich zu den Mondkindern zählen, die im Herbst zur Schule gehen werden. So wissen sie bereits, dass man auf verschiedenen Wegen Strom herstellen kann. Sie nennen zahlreiche Bereiche, wo Strom benötigt wird. Sie kennen sich aus mit dem spannenden Thema Blitze und ihren Gefahren. Einer der Vorschüler beschreibt detailliert den Weg, bis der Strom aus den Steckdosen kommen kann. Vor diesen hat jedes der Kinder große Ehrfurcht. Sie wissen, dass dort keineswegs geforscht werden darf, während des nun folgenden Projektes.


Jetzt geht´s los

Auf den Tischen liegt Material bereit. Kabel, Lämpchen, Fassungen, Schalter und Batterien. „Das sind die Dosen, wo der Strom rauskommt“, wird mit Kennerblick festgestellt. Es dauert eine Minute, dann hat das erste Kind einen Stromkreis gebastelt und präsentiert stolz ein leuchtendes Glühbirnchen. Nun ist bei allen der Forschergeist erwacht. Wie geht das, ist die entscheidende Frage. Die Herangehensweise ist unterschiedlich. Die einen gucken bei den anderen und lassen sich den Weg zeigen. Andere wursteln lieber selbst, bis das gewünschte Ergebnis aufleuchtet. Manchmal werden mehrere Batterien gekoppelt oder Schalter dazwischen gebaut. Wieder andere entdecken sehr bald, dass es auch noch Propeller gibt, die man in den Kreislauf einbinden kann. Schnell entstehen Teams, denn manches geht nur mit mehr als zwei Händen. Ein Mädchen wühlt fast versonnen einen Gegenstand nach dem anderen aus einer Schachtel und probiert aus, durch welche Materialien der Strom fließen kann und durch welche nicht. „Was ist das?“, fragt eines der Kinder und hält dem Referenten Carsten Möller einen Fahrraddynamo unter die Nase, einen Gegenstand der zunehmend aus dem Alltag der Jüngsten verschwindet.

Kreativität erwacht

Einer der Jungs geht gleich in die praktische Anwendung: Er bittet um Material, mit dem er seine Lampe als „Deckenleuchte“ ins Regal hängen kann. Carsten Möller hat alles da. Er begleitet zurückhaltend aber manchmal den nötigen Impuls gebend die Kinder durch ihr Forscherthema. So befestigt er, als alle Kinder das Prinzip des Stromkreises erlebt haben, ein kleines quadratisches Blatt Papier auf einem winzigen Motor. Der Motor rotiert, das Blatt beginnt sich zu drehen und Möller hält einen Stift auf das Papier. Kreise entstehen – oder doch nicht? Die Kinder staunen nicht schlecht über die farbigen Ergebnisse und plündern sofort die Kiste mit den Farbstiften. Im Nu wird aus der puren Naturwissenschaft ein kreatives Geschehen. Alles ist interessant: das Blatt, das seine Konturen verliert, wenn es sich dreht, das Geräusch das der Motor macht, die Vibrationen, die sich auf die Hände übertragen, wenn das Papier nicht genau mittig befestigt worden ist. Die Kinder sind konzentriert bei der Sache und präsentieren sich stolz gegenseitig ihre Ergebnisse. Ausführliche physikalische Erklärungen gibt es nicht. Für die jungen Forscher steht das Ergebnis im Vordergrund, das Phänomen, das sie hier buchstäblich begreifen können.

Große Themenvielfalt

Vierzehn verschiedene Forscherthemen haben Lehrer und Erzieher zur Wahl, die sie mit ihren Kindergruppen in der alten Mädchenschule in Bobingen erarbeiten oder in ihrer Einrichtung als besonderes Projekt anbieten können. Meist sind es Vorschüler, die in den Genuss der Experimentierstunden kommen. Doch Carsten Möller betont, dass auch viel kleinere Buben und Mädchen schon gerne Forscher sind und erinnert sich schmunzelnd an die Gruppe Krippenkinder, die mit großen staunenden Augen feststellten, dass die dicke Wassermelone, die sie zuvor zu dritt geschleppt hatten, im Wasser schwimmen kann, während die kleine Weintraube zu Boden sinkt.
Wasser ist für alle Kinder ohnehin das spannendste Forschungsfeld. Wenn sie selbst entscheiden, wird fast immer dieser Themenbereich gewählt. Sehr gut kommen auch Experimente mit Farben, oder eben das Strom-Thema an, weil hier sonst nicht so leicht Material zur Verfügung steht. Deshalb ist dies auch ein Gebiet, das ein wenig aus dem Rahmen fällt, denn die meisten anderen Phänomene finden im Leben der Kinder täglich statt und werden im Experimentarium genauer untersucht. Magnetismus, Luft, Klänge und Geräusche, Mathematik im Alltag und man höre und staune: Informatik gehören zu den Entdecker-Themen. Letzteres kommt völlig ohne Computer oder andere Geräte aus. Vielmehr eröffnet es den kleinen Forschern, dass Prozesse nur mit der korrekten Verarbeitung von Informationen richtig und schnell funktionieren. Während der Forscherstunden binden sie zum Beispiel Schnürsenkel. Auch für Erwachsene ist dieser Themenbereich voller Aha-Effekte. Die Abläufe beim Kaffeekochen müssen vollständig und der Reihe nach geschehen, oder was ist, wenn die Tasse vergessen wird?

Workshops für pädagogische Fachkräfte

Die bundesweit arbeitende Stiftung „Haus der kleinen Forscher“, übernimmt als Partner in Zusammenarbeit mit dem Landratsamt Augsburg weitgehend die Schulung von Erwachsenen, die später selbst mit ihren Gruppen oder Klassen Experimentiertage durchführen wollen. Carsten Möller reist hier auch als Trainer durch Bayern und das gesamte Bundesgebiet für die Durchführung der Fortbildungsveranstaltungen. „Wenn Kitas zu manchen Themen plötzlich nicht mehr zu uns ins Haus kommen, weil ihre Erzieherinnen nun selbst mit den Kindern experimentieren, freut mich das – auch wenn ich dann wieder neue Gruppen ansprechen muss“, meint der Referent. Daniela Wiedemann, die heute mit den Kindern und ihren Kolleginnen Franziska Hammel, Nina Schnitzmeier und Kathrin Fischer von der Kita St. Oswald gekommen ist, bestätigt das: „Ich war schon auf einigen Fortbildungen beim Haus der kleinen Forscher und inzwischen experimentieren unsere Kinder auch bei uns in der Einrichtung. Für das Strom-Thema kommen wir aber immer noch gerne mit dem Bus nach Bobingen, weil dafür mehr Material erforderlich ist.“
Demnächst bekommt das Experimentarium Besuch von Carolina Trautner, Staatssekretärin im Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus, die sich für die Vorgehensweise der kleinen Forscher interessiert. Carsten Möller verspricht sich davon einen Impuls für die bayerischen Schulen, vor allem die in der Region, das Angebot des Experimentariums stärker zu nutzen und die Art der Forscher-Arbeit auch im Unterricht anzubieten.

Gemeinsamer Abschluss
Die Zeit vergeht wie im Flug und schon neigt sich der Besuch der Kinder im Experimentarium dem Ende zu. Alle versammeln sich noch einmal am großen Tisch, um gemeinsam zusammenzufassen, was sie heute herausgefunden haben und ob sich ihre Vermutungen bestätigt haben. Außerdem gilt es noch die Frage zu klären „leitet Wasser Strom?“. Die Meinungen gehen auseinander und da gibt es nur eine Lösung: ein Experiment mit dem Ergebnis: Leitungswasser ist kein Stromleiter, außer man reichert es mit Salz an. Mit Zucker geht das nicht. Hätten Sie´s gewusst?
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