KAMELOASE LANGERRINGEN: Ein Kamel durchs Nadelöhr

Willkommen in der Kameloase Langerringen Foto: Monika Saller
 
Elke Kerler hat ihr Leben nach ihren Lieblingstieren, den Kamelen ausgerichtet. Foto: Monika Saller
 
Thomas Kerler weiß, dass Kamele ein großes Schmusebedürfnis mit ihren Bezugspersonen haben. Foto: Monika Saller

Einen Gnadenhof für Tiere führen, das ist mit viel Idealismus und Arbeit verbunden. Dass es trotzdem geht, beweisen Elke und Thomas Kerler.

Der schneeweiße Lama-Hengst guckt als Erster, wer da in der Kameloase aufgetaucht ist. Ganz Platzhirsch, schaut er ein wenig von oben herab, aber mit großer Neugierde nach dem Rechten. Nach und nach kommen auch die anderen Bewohner des Streichelgeheges aus ihren schattigen Verstecken – es hat sich herumgesprochen, dass es Leckereien gibt. Ein kunterbuntes Sammelsurium an Tieren bevölkert nun den Platz – Ponys, Schweine, Ziegen, Schafe, Esel, Lamas und ein Ochse kommen hier gut miteinander aus. Sie alle hat es nach oft leidvoller Geschichte in die Gnadenhofabteilung der Kameloase von Elke und Thomas Kerler verschlagen. Hier geht es ihnen gut. Dafür nimmt das Paar einiges auf sich. „Eigentlich könnten wir rund um die Uhr arbeiten“, meint die eloquente gelernte Tierarzthelferin. Und: „Ohne Futterspenden könnten wir nicht weitermachen.“

Tierische Freunde

Gegenüber residieren zwei ungarische Steppenrinder mit ihren Kälbern. Die alte Haustierrasse ist vom Aussterben bedroht. Die beiden Kühe mit ihren langen Hörnern und schwarz „geschminkten“ Augen würden ein sehr teures Fleisch liefern – doch „gegessen wird hier niemand“, betonen die beiden Betreiber des Hofes. Während des Gespräches wird schnell klar, dass für die meisten der hier lebenden Tiere die einzige Alternative der Schlachthof wäre.
Unter den Tieren entstehen ungewöhnliche Freundschaften – das Lama mit dem Esel, das Schweinchen und das Pony, im Winter auch gerne: das Schwein und das kuschelige Lama. Dann ist da noch der Nandu, der sich wider jedes Schulwissen nicht mit Artgenossen verträgt, sondern sich lieber mit einer Hühnerschar umgibt.
Es gibt für einige von ihnen – Esel, Ponys, Lamas – zwar immer wieder einen „noch besseren Platz als unseren“, aber in der Regel sind sie zu alt, zu krank oder aus einem anderen Grund als Nutz- oder Haustier unerwünscht. Der Ochse fiel durchs Raster, weil er zu klein ist. Er ist es auch, der zurzeit den größten bürokratischen Aufwand verursacht. Wer einen Gnadenhof führt, muss sich auch mit behördlichen Hürden, komplizierten Verordnungen und nicht immer verständlichen Bedenkenauseinandersetzen. Dazu brauchen die Kerlers auch immer wieder einmal Hilfe vom Anwalt. Der Ochse trägt trotz- oder gerade deswegen den Namen „Lucky“.
Eine ganze Schar Pferde in allen Größen und schönen Färbungen – wie sie oft im Zirkus gezeigt werden, bevölkern einen weiteren Teil der Kameloase. Manche der Tiere, sind aus einer Nummer „herausgefallen“, weil der Partner nicht mehr da ist. Einige Jugendliche helfen hier mit, alles sauber zu halten und dürfen dafür die Tiere reiten.


Vielfältige Unterstützung

Grundsätzlich ist der Hof auf freiwillige Hilfe angewiesen. Allen voran unterstützt Karl Weimer, Elke Kerlers Vater, finanziell, aber auch tatkräftig. In einer Whatsapp-Gruppe organisieren sich weiter Ehrenamtliche, um beispielsweise eine Zaunbau-Aktion gemeinsam auf die Beine zu stellen. „Ich freue mich über Geldspenden“, meint Elke Kerler „aber noch wichtiger sind mir die Menschen, die hier mit anpacken.“ Unter den Besuchern des Hofes sind auch einige, die ihrer eigenen Seele etwas Gutes tun, wenn sie kommen um Tiere zu beobachten und zu streicheln.
Warum Behinderungen?
In Erklärungsnot geraten die Kerlers immer wieder, wenn Besucher an einigen Tieren Behinderungen wahrnehmen. Hier leben Tiere, die nur ein Auge zur Verfügung oder abgefrorenen Ohren oder mit ihren Hufen Probleme haben. Oft sind diese Handicaps der Grund dafür, warum sie auf dem Gnadenhof landen und nicht auf die Haltung in Langerringen zurückzuführen. Jedes Tier hat seine eigene Geschichte, die manchmal gar nicht mehr zu rekonstruieren ist. Deshalb reagiert man hier auch auf anfänglich „zickiges“ Verhalten gelassen – wer weiß schon, welche Erfahrungen so ein Neuankömmling mitbringt. Manchmal werden Tiere anonym ausgesetzt. Dann steht ein angebundenes Schaf an der Stalltüre oder ein Kiste Häschen vor der Türe. Da die Tierhaltung streng kontrolliert wird, und beispielsweise der vorhandene Platz dabei eine große Rolle spielt, bringt so ein Verhalten die Betreiber des Hofes in Bedrängnis – ganz abgesehen davon, dass es absolut unwürdig ist, Tiere auszusetzen – sie werden hier erst einmal versorgt.

Lieblingstiere

In einem ganz speziellen Gehege wohnen zwei Stachelschweine, die hier für einige Zeit bleiben sollten, aber nie wieder abgeholt wurden. Den stacheligen Nagern traut man es kaum zu, doch sie können gut klettern und graben tiefe Löcher unterm Zaun durch, wenn sie die Gelegenheit haben. Obst schälen sie sorgfältig und nehmen es beim Fressen gerne „in die Hände“, was sehr putzig aussieht und neben dem ungewöhnlichen Äußeren der Tiere vermutlich dafür verantwortlich ist, dass sie bei Kindern die absoluten Lieblingstiere auf dem Hof sind.
Elke Kerler kann das gar nicht verstehen. Ihre erklärten Lieblinge sind der Grund für das Bestehen des Unternehmens in seiner jetzigen Form und auch seine brotbringenden Erhalter: die Kamele. Eine ganze Herde davon, unter ihnen zwei Fohlen und ein Dromedar, gaben der Kameloase ihren Namen, als diese von einem ganz normalen Bauernhof mit ein paar Katzen und Hunden zum Tierasyl wurde. Auf Mittelalter- und Weihnachtsmärkten und vielen anderen Veranstaltungen werden sie als Reiterlebnis präsentiert. Voraussetzung dafür ist immer, dass es den Tieren dort gut geht. Gebucht werden können auch Spaziergänge und Wanderungen mit Ponys und Eseln, ein mobiler Streichelzoo oder auch Veranstaltungen auf dem Hof, wie beispielsweise Kindergeburtstage oder der Besuch von Kindergärten. Auch mit der Wolle der Schafe, Alpakas, Lamas und Kamele lässt sich eine Menge anfangen.

Fragen zu Wolle, Anmeldung zum Reiten oder Buchungen für Veranstaltungen können Interessierte hier stellen:
Elke und Thomas Kerler, Zeisigweg 10, 86853 Langerringen
Der Stall ist in der Hiltenfinger Straße
Telefon 08232 72030
Fax: 08232 909856
1
Einem Autor gefällt das:
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.