Katzenfreunde fahren Krallen aus: Mitglieder der Katzenhilfe Augsburg prangern "vereinsschädigendes Verhalten" der Vorsitzenden an

Das Verhalten der Vorsitzenden habe schon zu Kündigungen der Mitglieder geführt - dies schadet dem Verein, und damit auch den Katzen, um die dieser sich eigentlich kümmern will. (Foto: Symbolbild: peromarketing-123rf.com)

Augsburg. In tierischen Notfällen zu helfen, das hat sich der Verein „Katzenhilfe Augsburg und Umgebung“ zum Ziel gesetzt. Aktuell jedoch kriselt es unter den Vereinsmitgliedern. 14 von ihnen haben sich in einem offenen Brief an den Vorstand gewandt und erheben vor allem gegen die Vorstandsvorsitzende schwere Vorwürfe.

Diese beziehen sich besonders auf deren Umgang mit den Mitgliedern. Einige hätten wegen dieses „vereinsschädigenden Verhaltens“ bereits die Mitgliedschaft bei der Katzenhilfe gekündigt. Während sich die Vorsitzende selbst nicht zu der Kritik äußern will, haben nun der zweite Vereinsvorstand und die Schatzmeisterin auf den Brief mit einer Stellungnahme an die Mitglieder reagiert.

Aktive Hilfe für Katzen und Katzenbesitzer

Wenn eine Katze nicht mehr in ihrem Zuhause bleiben kann, sucht die Katzenhilfe ein neues Heim für das Tier. Sollte das nicht zeitnah möglich sein, hat der Verein Pflegestellen, die sich dem Vierbeiner solange annehmen. Auch wem sein Stubentiger entlaufen ist, kann sich an die Katzenhilfe wenden und bekommt Hilfe bei der Suche. Der Verein umfasst heute rund 50 Mitglieder. Entstanden ist er vor etwa acht Jahren, als sich einige Tierfreunde zusammengeschlossen haben. Weil man gemeinsam mehr erreichen könne als als „Einzelkämpfer“, wie es auf der Internetseite des Vereins heißt. Nun allerdings scheinen sich innerhalb der Organisation zwei Fronten gebildet zu haben. Zwölf mittlerweile größtenteils ehemalige Mitglieder haben sich zusammen getan und einen Brief an den Vorstand verfasst. Darin prangern sie das Verhalten der Vorstandsvorsitzenden an: Falsche Versprechungen, Kontrollen, verbale Angriffe und psychischen Druck.

Probleme in der Kommunikation

Bereits seit Jahren beobachte man nun Kommunikationsprobleme zwischen der Vorsitzenden und den Mitgliedern, heißt es in dem Brief. Auf Versammlungen werde etwa immer angekündigt, dass jeder Aufgaben übernehmen könne, die ihm lägen und die ihm zeitlich möglich seien. Dann aber habe die Vorstandsvorsitzende plötzlich darauf bestanden, dass die Mitglieder sich jeden Sonntag melden müssten, um ihre Verfügbarkeit für die Folgewoche durchzugeben, erläutern die Unterzeichner in ihrem Brief.

Sei es einem Mitglied nicht möglich gewesen, verbindliche Termine zu nennen, seien dessen Hilfsangebote künftig völlig ignoriert worden. Auch die Aufgabenverteilung erfolge nicht nach Stärken, sondern werde vom Vorstand entschieden. „Begründet wurde dieses gebrochene Versprechen so, dass allein der Vorstand einen Einblick in das Vereinsgeschehen habe und allein er daher in der Lage sei, die Aufgaben entsprechend weiter zu delegieren.“

Die Mitglieder müssten nichts tun, „was sie nicht wollen oder sich nicht zutrauen“, heißt es hingegen in der Stellungnahme des Vorstands. Es gehe vielmehr darum, „dass nicht fünf Leute da sind, um Fahrdienst zu machen, und zum Beispiel keiner, der das Telefon besetzt.“ Das sonntägliche Melden sei notwendig, um die 24-Stunden-Bereitschaft zu gewährleisten.

Weiterhin werfen die Schreiber des Briefs der Vorstandsvorsitzenden vor, die Mitglieder zu kontrollieren. So habe diese auf der einen Seite über Überlastung und mangelnde Hilfsbereitschaft geklagt, sei auf der anderen Seite aber immer wieder an der Einsatzstelle erschienen, wenn jemand eine Aufgabe übernommen habe. „Wir vermuten, dass dies aus Gründen der Kontrolle unserer Arbeit geschah“, schreiben die Unterzeichner. Auch privat habe die Vorsitzende ihre Facebook-Profile überprüft, sie auf „falsche Freunde“ angesprochen und kritisiert, falls die Mitglieder sich auch für andere Vereine engagierten.

Mitglieder gestalkt?

„Das Stalken von Mitgliedern hat nie stattgefunden“, äußert sich der Vorstand zu dieser Anschuldigung. „Und ob man in mehreren Vereinen hilft oder privat sonst was tut, geht keinen anderen etwas an außer die Person selbst.“

Weil die Vorstandsvorsitzende gesundheitlich angeschlagen sei, hätten verschiedene Mitglieder ihr immer wieder auch privat mit Erledigungen geholfen. Wer sich an diesen Hilfsaktionen nicht genug beteiligt habe, hätte aus Sicht der Vorsitzenden schnell als undankbar gegolten, schildern die Briefschreiber weiter. „Weiter wurde von den Mitarbeitern erwartet, sich um die persönlichen Befindlichkeiten der Vorsitzenden zu kümmern und sich zum Beispiel regelmäßig bei ihr zu melden, um sich nach dem Befinden zu erkundigen. Auch hier galt man schnell als empathielos, wenn diese erwartete Fürsorglichkeit nicht vollumfänglich und zur vollsten Zufriedenheit der Vorstandsvorsitzenden erfolgte.“

Nur Höflichkeit verlangt?

Sich regelmäßig zu melden, sei lediglich eine Bitte der Schatzmeisterin gewesen, erwidert darauf der Vorstand in seiner Stellungnahme. Nach dem Befinden zu fragen, sei als reine Höflichkeitsfloskel gemeint gewesen. „Denn jeder ist Mensch und hört auch gerne mal ein ’Wie geht es dir?’“

Auf Fragen von Mitgliedern habe die Vorsitzende manchmal äußerst unfreundlich reagiert. Verbesserungsvorschläge und konstruktive Kritik habe sie stets als persönlichen Angriff bewertet, heißt es in dem offenen Brief weiter. Im Gegenzug soll sie Mitglieder dann verbal und schriftlich angegriffen und psychisch unter Druck gesetzt haben. Deshalb habe man auf der jüngsten Versammlung schriftliche Regeln gefordert, um Streitsituationen künftig zu vermeiden. Das sei aber abgelehnt worden. „Die einzigen Regeln, die es in Bezug auf die Vereinstätigkeit gibt, sind, wie schon mehrfach kundgetan, die aktuelle Gesetzeslage und ein respektvolles Miteinander“, schreibt dazu der Vorstand.

Kündigungsschreiben

Der Verein könne viel mehr gute Arbeit leisten, resümieren die Briefschreiber. Allerdings müsse der Vorstand hinter seinen Mitgliedern stehen, statt gegen diese zu arbeiten. „Dieses vereinsschädigende Verhalten können und wollen wir nicht länger kommentarlos hinnehmen und distanzieren uns hiermit ausdrücklich vom ersten Vorstand der Katzenhilfe.“

Dem Brief beigelegt sind einige Kündigungsschreiben an den Verein. Sie beschreiben die persönlichen Gründe einzelner Mitglieder, aus dem Verein auszutreten. In allen wird die Vorstandsvorsitzende genannt und ihr mitunter launisches und unberechenbares Verhalten sowie ihr oftmals harscher Umgangston kritisiert.

Die Vorstandsvorsitzende selbst hat sich auf Bitte der StadtZeitung um eine Stellungnahme zu den laut gewordenen Vorwürfen ebenfalls ausführlich geäußert. In der Zeitung lesen wollte sie davon jedoch nichts.
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