Klassiker, Neuheiten und Ausgrabungen: Staatstheater Augsburg stellt Programm für 2019/20 vor

Das Leitungsteam des Staatstheaters , hier (von links) Operndirektor Daniel Herzog, Intendant André Bücker und Hausregisseurin Nicole Schneiderbauer, hat die neue Spielzeit vorgestellt. Foto: Laura Türk

Eigentlich war es ein Zufall, erzählt Dramaturg Lutz Keßler, und doch ist es überaus passend, dass in der neuen Brechtbühne am Gaswerk in der kommenden Spielzeit auch nur neue Stücke gespielt werden: Drei Uraufführungen, eine deutsche Erstaufführung und eine deutschsprachige Erstaufführung werden dort in der Spielzeit 2019/20 des Staatstheaters zu sehen sein. Intendant André Bücker und das Leitungsteam des Staatstheaters stellten das Programm der kommenden Saison, die unter der Überschrift "Machtfrei" steht, nun der Öffentlichkeit vor. Laut Bücker setzt das Programm sich, passend zum Titel, "mit Fragen der Macht und Ohnmacht" auseinander.

Ziel jeder Spielzeit sei es, neben den Klassikern auch neue Stücke zu spielen. Dazu gehört in der kommenden Saison zum Beispiel Luzid, die deutsche Erstaufführung eines Kammerstücks vom argentinischen Regisseur Rafael Spregelburd. "Ein psychologisches und poetisches Stück über Träume und Familie" verspricht Staatstheater-Hausregisseur David Ortmann, der das Stück in Augsburg inszeniert.

Zu den Klassikern zählt dagegen William Shakespeares "Der Sturm", den Intendant André Bücker selbst inszeniert. Begleitet wird die Komödie von Augsburger Musikern, der Martini-Park soll auf allen Ebenen bespielt werden. Dafür habe man sich "eine sehr interessante Bühnenlösung" überlegt, verspricht Bücker, "die ich jetzt noch nicht verraten kann." Auf jeden Fall werde es aber "ein großer Shakespeareabend".

"Eine brisante und politisch relevante Geschichte"

Neben Klassikern und neuen Stücken interessiere man sich aber auch immer für "Ausgrabungen", Stücke, die vielleicht zu Unrecht aus den meisten Spielplänen verschwunden sind. Dazu zählt in der kommenden Saison die Oper "Der Konsul" von Gian Carlo Menotti, die ihre Uraufführung 1950 hatte. Ein Stück, das, so Dramaturgin Sophie Walz, "bis heute eine brisante und politisch relevante Geschichte erzählt". Nachdem ihr Mann, ein Widerstandskämpfer, in ein Nachbarland fliehen muss, versucht Magda verzweifelt, in diesem Land ein Visum zu erwirken. Doch wie zahlreiche andere scheitert sie im Konsulat an der Bürokratie.

Auch die Oper "Ariadne auf Naxos", geschrieben vom Komponisten Richard Strauss und dem Schriftsteller Hugo von Hofmannsthal, bezeichnet Sophie Walz als "Liebhaberstück, das nicht ganz so oft auf den Spielplänen zu finden ist". Mit seiner riesigen Besetzung sei es auch eine besondere Herausforderung. "Nicht viele Werke von Strauss können wir im Martini-Park überhaupt spielen", merkte Operndirektor Daniel Herzog an. Die Ariadne sei da eigentlich eine rühmliche Ausnahme.

"Herz aus Gold" zurück auf der Freilichtbühne

Auf der Freilichtbühne finden in der kommenden Spielzeit zwei Produktionen statt. Den Anfang macht Cole Porters Musical "Kiss Me, Kate" über eine emotional aufgeladene fiktive Probe von William Shakespeares "Der Widerspenstigen Zähmung". Außerdem kommt für einige Aufführungen das Fuggermusical "Herz aus Gold" zurück auf die Freilichtbühne, mit Originalbesetzung in den Hauptrollen.

Einem erschreckenden und spannenden Thema mit lokalem Bezug widmet sich das Recherchestück "Auf dem Paseo del Prado mittags Don Klaus", eines der Stücke, dass auf der Brechtbühne seine Uraufführung feiern wird. Das Theaterkollaborativ Futur II Konjunktiv untersucht in einer Auftragsarbeit die Geschichte von Klaus Barbie, als Gestapo-Chef als "Schlächter von Lyon" bekannt. Ab Juni 1948 spionierte er für die Amerikaner, und zwar in deren Geheimdienstzentrale im Augsburger Stadtbad. 1975 gibt sich Michel Cojot-Goldberg, dessen Vater aus Lyon nach Auschwitz deportiert und dort ermordet worden war, als Journalist aus und trifft Klaus Barbie zum Interview - mit einer Pistole in der Tasche. Am 29. Februar 2020 feiert das Stück Premiere.

Prominent geht es schließlich beim Ballett zu. Als eine seiner schöneren Aufgaben beschreibt es André Bücker, sich "ständig rechtfertigen" zu müssen, dass die Karten für das Ballett schon ausverkauft seien. Doch Ballettdirektor Ricardo Fernandez ist noch nicht zufrieden mit seinem Erfolg: "Ich glaube man kann immer weiter nach oben, noch mehr schaffen." Für die kommende Spielzeit holt er mit Alexander Ekman und Johan Inger für "Dimensions of Dance" zwei besonders renommierte Choreographen nach Augsburg. Fernandez selbst choreographiert "Giselle" von Adolphe Adam.
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