Klimaschutz und Totenkopfschwärmer

Foto: Christine Kamm, Totenkopfschwärmer
Bericht und Foto von Christine Kamm

„Kennen Sie den Totenkopfschwärmer, ein spektakulärer Schmetterling, der als Wanderfalter auch unsere Lechheiden durchzieht?“

Das war eines der Themen beim Offenen Treffen der Ortsgruppe Augsburg des BUND Naturschutz in Bayern e.V. (BN) am 24. Oktober.

Anlässlich des Fundes eines spektakulären 7,5 cm langen Exemplars eines Totenkopfschwärmers in den nördlichen Lechauen informierten sich die Besucher und Teilnehmerinnen über die interessante Lebensweise dieses Schmetterlings, der seinen Namen von der Zeichnung eines Totenkopfs auf seinem Hinterkopf und Rücken trägt. Seine Heimat hat er in den afrikanischen Tropen, etwa im Kongo, in Madagaskar oder an der Elfenbeinküste, unternimmt aber weite Wanderungen nach Saudi-Arabien, den Iran, die Ukraine, nach Turkmenistan, zu den Kanarischen Inseln, den Azoren, die Mittelmeerküste und über die Alpen nach Nordeuropa. Die Falter sind temperaturtolerant und können auch bei Schneetreiben im Flug über die Alpen beobachtet werden. Der Schmetterling bevorzugt offene verbuschte Lebensräume und ist in Europa seit Einführung der Kartoffel zu einem Kulturfolger geworden, wo die Raupen historisch vereinzelte regional begrenzte Ernteschäden verursachten. In manchen Jahren kann sich der Totenkopffalter auch hier fortpflanzen, jedoch ist das Vorkommen der Art von vom Süden her einwandernden Tiere abhängig. Daher wird dieser wie andere Wanderfalter nicht in den Roten Listen erfasst, auch wenn er wirklich selten anzutreffen ist. Wandernde Arten sind zudem auf mehrere funktionierende Lebensräume angewiesen, die im Zuge des Klimawandels unterschiedlich betroffen sind.

„Es ist daher dringend erforderlich, unsere Anstrengungen für den Klimaschutz deutlich zu verbessern, denn mit den derzeitigen Maßnahmen der Bundesregierung wird Deutschland die beim Klimagipfel in Paris vereinbarten Klimaziele deutlich verfehlen“,

stellt die Ortsgruppenvorsitzende Christine Kamm fest. Statt 40% wird Deutschland seine CO2 Emissionen von 1990 bis 2030 nur um 30% und nicht zumindest um 40% reduzieren. Leider entfaltet der Emissionshandel bis heute nicht seine erwartete Wirkung, denn der Preis ist zu niedrig und die Zahl der ausgegebenen Zertifikate zu hoch, zudem können Zertifikate aus dem Ausland günstig zugekauft werden. Nur etwa ein Drittel unserer CO2-Emissionen, nämlich großindustrielle Prozesse werden vom Zertifikatehandel erfasst.
Nötig ist daher ein wirksames Steuerungsinstrument, das auch die anderen Emissionsquellen erfasst. Die von der Bundesregierung vorgesehenen 10 Euro CO2-Steuer pro Tonne werden diese Steuerungswirkung nicht entfalten. Nötig ist zumindest ein Einstiegsemissionspreis von 40-50 Euro, denn dieser würde den Braunkohlestrom um 5 Cent und den Liter Benzin um 11 Cent verteuern und dadurch eine Lenkungswirkung hin zu emissionsärmeren Energiequellen oder sparsameren Verbrauch entfalten. Das Bundesumweltministerium hat berechnet, dass jede Tonne CO2 Umweltschäden von 180 Euro Kosten in Form von Schäden an Wald, Landwirtschaft und unserer Natur nach sich zieht. Da jeder Bundesbürger derzeit noch 6 bis 10 Tonnen CO2 pro Jahr verursacht, entstehen so Klimafolgekosten von 160 Milliarden Euro in Deutschland pro Jahr. „Je schneller wir den richtigen Rahmen für eine adäquate Klimaschutzpolitik setzen, umso schneller rentiert sich Energiesparen und energieeffiziente Lösungen“, betont Christine Kamm.

Der BN wird daher alle kommenden Klimaschutzdemonstrationen unterstützen, so auch die Klimaschutzdemo am 10.11. um 14.00 bis 16.00 auf dem Königsplatz und Fridays for Future am 29.11.2019.

Das nächste Offene Treffen der Ortsgruppe des BN wird rechtzeitig auf der Webseite veröffentlicht:
https://augsburg.bund-naturschutz.de/veranstaltung...
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.