Koffer, Krimskrams, Katzenfutter: Zweimal im Jahr versteigert die Stadt Augsburg Fundsachen

An diesem Tag wirkt Sachbearbeiter Jürgen Luttmann als Auktionator. (Foto: Monika Grunert Glas)
 
Unter anderem eine Golftasche samt Schlägern ersteigerte diese Familie - für zwölf Euro. (Foto: Monika Grunert Glas)

Augsburg - Die Frau neben mir möchte ich gern einmal auf meinen Dachboden und in meinen Keller einladen. Sie kann offenbar alles brauchen. Ob eine Tüte alte Sonnebrillen, angebrochene Schreibblöcke, eine Tasche mit Krimskrams, Schulmäppchen oder Snowboardschuhe in Größe 42: Sie steigert fleißig ein. Rund 70 Leute sind an diesem Montagmorgen zur städtischen Fundsachenversteigerung in den Pfarrsaal St. Max gekommen, aber irgendwie sind es immer die gleichen fünf bis zehn, die zuschlagen. "Viele sind Händler", erklärt Jürgen Luttmann, der zuständige Sachbearbeiter, der als Auktionator wirkt.

Manuela Thun stammt aus Cottbus, sie besucht derzeit ihre Tochter Sarah Wussogk und Enkelin Johanna. Die drei Frauen machen sich einen vernüglichen Vormittag. Sie haben einige Überraschungspakete ersteigert, dazu zwei Kinderroller - und eine Golftasche samt Schlägern. Spielen sie Golf? "Nein, aber kennen Sie das? Die Tasche hat mir einfach so gut gefallen!", gesteht Manuela Thun. Auch die siebenjährige Enkelin hat das Versteigerungsfieber gepackt. Mehrfach ist die Kleine Höchstbietende. Zahlen darf die Omi.

Was ist drin in so einer "Mystery-Tasche", wie Auktionator Luttmann sie anpreist? Eine blaue Adidas-Turntasche mit herausspitzelndem FC-Bayern-Käppi entpuppt sich als Schnäppchen für elf Euro. Darin sind unter anderem eine Kunstlederjacke, eine Badehose, ein Pack neue Puma-Socken, Stofftiere, Jackson-Kreiden, Faber-Filzstifte, ein Oberarm-Blutdruckmessgerät und - Katzenfutter. Da ist das Gelächter der erfolgreichen Bieter groß.

Egal was: Irgendjemand kann es brauchen

Ob Koffer voll gebrauchter Jacken, Tütchen mit noch eingeschweißter Kosmetik oder eine Schlagbohrmaschine von Bosch: Manche steigern aus Spaß mit, andere sind mit großem Ernst bei der Sache und passen auf, dass ihnen ja nichts entgeht. Ein Mann häuft einen "Schatz" nach dem anderen um sich herum an. Hauptsache Technik. Er bekommt den Zuschlag für eine Nikon-Kamera 5200 mit Nikkor- und Tamronobjektiven, zwei Akkus, Ladegerät und Tasche für 130 Euro. Jürgen Luttmann hat mal im Internet geguckt, was dort dafür gezahlt wird: Mindestens das Doppelte. "Das war ein Mörderschnäppchen", stellt er fest. Der erfolgreiche Bieter heimst auch noch ein Hörgerät für fünf Euro ein. Er sei kein Händler, alles Eigenbedarf, behauptet er. "Vielleicht sagt er das wegen der Steuer?", meint der Auktionator. Er hat den Mann schon öfter bei Versteigerungen erlebt.

Zweimal pro Jahr versteigert die Stadt Fundsachen, diesmal Dinge, die zwischen März und September 2018 angenommen worden sind, dazu dreimal jährlich Fahrräder. Jürgen Luttmann tritt seit 2017 als Auktionator auf. Gibt es das, dass sich mal für etwas kein Bieter findet? "Alles eine Frage des Preises", ist er sicher. Ob BH oder Schirme: Irgendjemand kann es brauchen. Die Schirme, die zunächst übrig bleiben, werden schließlich auf einem Tisch ausgebreitet. Die Interessenten können sich selbst jeweils zehn Stück für fünf Euro aussuchen. Sind die auch weg.

Kurioses aus dem Fundbüro

3732 Euro hat die Stadt an diesem Montag erlöst, 1537 Euro allein aus Schmuck. 169 Posten kamen zum Aufruf. Wieso erkundigt man sich nicht, wenn man seinen Ehering verloren hat, ob er im Fundbüro gelandet ist? Jürgen Luttmann wundert sich über nichts mehr. Er hat sogar schon einmal eine Nähmaschine auf dem Tisch gehabt, und, vielleicht am kuriosesten, einen Friseur-Übungskopf mit Perücken und diversen Scheren.
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