Kraftwerk am Wertachkanal - Pfersees Wasserdenkmal

Kraftwerk am Wertachkanal. Foto: Monika Saller
 
Das Kraftwerk am Wertachkanal, Seitenansicht. Foto: Antonia Hager / Stadt Augsburg

Zu den 22 Objekten der frisch gekürten Welterbestadt Augsburg und ihrer Wasserkultur gehört auch das Kraftwerk am Wertachkanal.

Von Monika Saller und der Stadt Augsburg
„Menschlicher Erfindungsgeist, wegweisendes Ingenieurswissen und großartige Kunstwerke von Weltrang: das ist das Erfolgsrezept des Augsburger Wassermanagement-Systems. Nur selten kann man an einem einzigen Ort lückenlos über acht Jahrhunderte hinweg anhand eines Wassersystems das filigrane Zusammenspiel von Innovationsgeist und technischer Meisterleistung so eindrucksvoll erleben wie in Augsburg.“ So stolz präsentiert Augsburg seinen neuen Titel im Internet.
Wer von der Schießstättenstraße abbiegt und den Gollwitzersteg überquert, kommt direkt an einem der Welterbe-Objekte des Augsburger UNESCO-Titels vorbei. Sehr gut erhalten und beispielhaft vermittelt das Kraftwerk am Wertachkanal die technische Entwicklung.

Strom für die Straßenbahn

1920 war der Wertachkanal fertig gebaut und sollte für Schutz gegen das berüchtigte Hochwasser der Wertach sorgen, das gerade den Stadtteil Pfersee immer wieder heimsuchte.
Eine Nutzung des Kanals zur Energiegewinnung für die Straßenbahn war schon beschlossene Sache und so begann man noch 1920 damit, den Kanal auszuheben und nahm 1921 das Kraftwerk in Betrieb. Die Stadt Augsburg als Bauherr erwarb für 100 Jahre die Konzession für Wasserrechte. Knapp 4,5 Meter Höhenunterschied und eine Wassermenge von mindestens 26,5 Kubikmetern in der Sekunde, sorgen seitdem für Energie.
Die verwendete Technik bestand zu Beginn aus zwei Francis-Zwillingsturbinen mit horizontaler Welle und einer Francis-S-Turbine mit horizontaler Welle. Eine der Turbinen musste 2007 ausgetauscht werden, da die Durchflussmenge starken Schwankungen unterworfen ist. Eine Francis-Turbine ist noch erhalten.
Seit 1979 wird das Werk durch Computertechnik und Sensoren überwacht und gesteuert. Die beiden Generatoren der Siemens-Schuckert-Werke von 1920 sind noch immer in Betrieb und erzeugen Strom, der heute in die öffentliche Stromversorgung fließt. Das Kraftwerk ist ein eindrucksvolles Beispiel für die Veränderungen nach der Zeit der einfachen Wasserräder durch die Elektrifizierung, die die Wasserkraft dezentral nutzbar machte und so einer wachsenden Industrialisierung den Weg bereitete.
Die Nutzung regenerativer Energien kommt der Umwelt zugute und diese „Augsburger Tradition“ der Nachhaltigkeit kann als globales Vorbild dienen.

Baukunst am Denkmal

Nicht so spektakulär wie beispielsweise das Wasserwerk am Hochablass, aber doch bemerkenswert, ist das Gebäude selbst. Schließlich wurde es in einer Zeit errichtet, als ein reiner Nutzbau auch hübsch sein durfte. So hat das Kraftwerk wie die Schwestern in Gersthofen, der Wolfzahnau etc. Holzsprossenfenster. Im Gegensatz dazu verfügt das Wertachkanal-Werk aber über eine verputzte Fassade und unterscheidet sich deshalb optisch von den meisten anderen Denkmälern. Das „Zahnschnittfries“ und die Biberschwanzplatten auf dem Walmdach, sind typische Merkmale der Bauepoche. Der Maschinenraum wurde nach unten in das Becken des Kanals versetzt und so ist ein zweigeschossiges Gebäude entstanden. An der Außenfassade fließt auf einem Mosaikbild die Wertach über ihr Kiesbett und treibt eine Turbine an.
Das Kraftwerk befindet sich in Privatbesitz und ist bewohnt. Deshalb ist es nicht öffentlich zugänglich. Regelmäßige Führungen finden nicht statt. Ausnahmetermine zu besonderen Veranstaltungen werden jeweils bekannt gegeben.
Weitere Informationen, auch zu den anderen Wasserdenkmälern des Welterbes, Führungen und Aktivitäten, finden Sie hier: www.wassersystem-augsburg.de
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