Kunst und Apokalypse: »Die nötige Folter«

Dietmar Dath, Foto: Hanke Wilsmann
Kunst und Apokalypse
Intendant André Bücker bringt Dietmar Daths Auftragswerk »Die nötige Folter« zur Uraufführung


In seinem Auftragswerk für das Staatstheater Augsburg stellt der renommierte Journalist und Autor Dietmar Dath im Gewand eines spannenden Science-Fiction-Thrillers zentrale Fragen unserer gegenwärtigen Welt. Was macht das Individuum aus? Kann man einen Menschen zur Einsicht zwingen, etwas aus seinem Handeln und seinen Verhaltensfehlern zu lernen und sich dadurch zu bessern? Und: Sind wir nicht gerade selbst im Netz der (a)sozialen Medien Teil eines zynischen Menschenexperiments?
Intendant André Bücker bringt mit »Die nötige Folter« bereits zum dritten Mal ein Stück von Dietmar Dath zur Uraufführung. Die am Nationaltheater Mannheim begonnene Zusammenarbeit wird nun ab dem 11. Mai in der brechtbühne im Gaswerk fortgeführt.


Die nötige Folter
Spiel für sechs Unschuldige und ein Bild von Dietmar Dath

In der Kunst gibt es eine unabdingbare Verabredung, niemand darf durch sie zu Schaden kommen, sieht man einmal davon ab, dass die Betrachtung eines Kunstwerks durchaus eine existentielle Wirkung auf einen Rezipienten haben kann. Was passiert aber, wenn einmal ein*e Künstler*in kommt, der*die keine moralisch-ethischen Skrupel mehr kennt? Wo liegen die Grenzen der Kunst? Wie verhält es sich mit der moralischen Verantwortung der Künstler*innen? Was tun, wenn sich Kunst in einer bewusst destruktiven Wirkungsabsicht kaskadengleich wie ein Virus durch das Bewusstsein der Rezipient*innen frisst und nach und nach das Zusammenleben der Menschen in apokalyptischen Wahnsinn verwandelt?

Genau das sind die Fragen, die der Vielschreiber, FAZ-Filmkritiker, Journalist und mit al-len popkulturellen Wassern gewaschene Autor Dietmar Dath in seinem neuesten Stück, »Die nötige Folter«, stellt.

Während die Welt »draußen«, wie wir sie kennen, untergegangen scheint, finden sich drei Männer und eine Frau gefesselt in einem Raum wieder, der sich wie eine
Mischung aus Gefangenenlager, leerstehendem Supermarkt und Kunstgalerie ausnimmt. Nachdem man sie mittels spezieller Implantate zur Gehirnmanipulation an
einen Computer angeschlossen hat, werden sie von zwei seltsamen Personen, die sich »Widder« und »Stier« nennen, einer quälenden Befragung unterzogen, um sie zu zwin-gen, etwas auszusagen, das sie wissen, ohne zu wissen, dass sie es wissen. Die beiden könnten Menschen sein, wie das Publikum, das am Rand der Ereignisse
undeutlich zugelassen scheint, sich aber anfangs weder sehen noch hören (und schon gar nicht identifizieren) lässt. Die Frau redet unter der Folter von etwas, das sie »eine sehr gute Arbeit« nennt, und will den Stier und den Widder von ihrer Unschuld überzeugen, was ihre Lage nur verschlimmert. Die Schuld der vier scheint mit dem Schicksal einer weiteren Frau zusammenzuhängen, die entweder Kunst oder Wissenschaft getrieben hat. Sie ist »draußen« und wohl tot, weil »draußen« alle tot sind oder jedenfalls, wie der Stier sagt, »nicht mehr so am Leben, wie ihr es kennt«.
Als die vier schließlich wissen, was es mit ihrer Bestrafung und Befragung auf sich hat, ist es für sie (wie für uns) zu spät.

Inszenierung André Bücker
Bühnenbild
Jan Steigert
Kostüme Suse Tobisch
Video Heimspiel
Musik Lilijan Waworka
Dramaturgie Lutz Keßler

Sven Sebastian Baumgart
Baqil Anatol Käbisch
Eva Natalie Hünig
Hark Andrej Kaminsky
Bild/Doro Linda Elsner
Stier Kai Windhövel
Widder Lilijan Waworka

Premiere

11.5.2019 19:30 | brechtbühne

Weitere Termine
23.5.2019 19:30 | brechtbühne im Gaswerk
2.6.2019 18:00 | brechtbühne im Gaswerk
15.6.2019 19:30 | brechtbühne im Gaswerk
26.6.2019 19:30 | brechtbühne im Gaswerk
30.6.2019 18:00 | brechtbühne im Gaswerk
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