Lesespaß: Schwaben-Krimi im Mittelalter - Teil 3

Die vorherigen Abschnitte der Leseprobe finden Sie hier: Teil 1 und Teil 2

Teil 3 der Leseprobe:
1499, Augsburg. Der dreizehnjährige Mathes will einen Mord aufklären.


...Was das wohl sein mochte?

Ein plötzliches Stöhnen riss mich aus meinen Überlegungen, während ich den Stein in meiner Tasche verstaute.

Aaron stand neben mir, konnte aber anscheinend seine Augen kaum offenhalten. Seine Knie fingen an zu wackeln, er schwankte rückwärts und sackte mit trübem Blick, in dem sich das Licht der Laterne widerspiegelte, in sich zusammen.
Eigenartigerweise schien er zu lächeln.

Mein Blick fiel auf seine Hände, die verkrampft den Lumpen umfasst hielten und reagierte blitzschnell. Mit einem Sprung war ich bei ihm, bog gewaltsam seine Finger zurück, damit sie den Stoff freigaben und warf ihn beiseite. Dann stellte ich mich gebückt neben Aaron, legte seinen Arm über meinen Nacken und stemmte ihn hoch. Mit der freien Hand schnappte ich mir die Laterne und machte vorsichtig einen Schritt nach vorne - schleppend zog auch der Rabbiner den Fuß nach, knickte jedoch erneut ein und ich musste ihn hochhieven.

Trotz der Kälte brach mir der Schweiß aus. Mit aller Kraft, die ich aufbringen konnte, wuchtete ich ihn wieder einen Schritt nach vorne, während er versuchte, sich irgendwie zu halten.
So arbeiteten wir uns aus der Nische heraus und den Gang entlang.
Es schien eine Ewigkeit zu dauern.
Durch die Anstrengung brannte mein rechter Arm wie Feuer. Als ich versuchte, mit meiner linken Hand die Stütze zu verstärken, ließ ich versehentlich die Laterne los.
Sie fiel scheppernd zu Boden, die Kerze erlosch und mit einem Mal umgab uns stockfinstere Dunkelheit.

Ich stand einen Moment da und versuchte mich zu orientieren, aber es gab keinen Anhaltspunkt, keinen Lichtschimmer und keinen Ausweg.

Sollte dies das Ende sein? Würden der Rabbiner und ich zu lebenden Toten werden? Vielleicht kamen diese unheimlichen Gestalten ja auch gar nicht aus Särgen oder Gräbern - es könnte ja auch sein, dass es sich um normale Menschen handelte, die sich in den Gruften verlaufen hatten und verdurstet waren.

Mühsam machte ich einen weiteren Schritt nach vorne und zog Aaron mit mir.




Ich hoffe, der Auszug aus "Das Mahnmal" hat Ihnen Freude bereitet!

Mehr Infos über das Buch und eine weitere Leseprobe finden Sie auf www.kiara-lameika.de
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