Mittelalter im Fünffingerlesturm erleben

Anders als ursprünglich geplant , zeigt der Auf- und Abstieg der neuen Außentreppe des Fünffingerlesturms in Richtung Bach. Fotos: Patrick Bruckner
 
Am Denkmaltag ist das Bauwerk erstmals über die neue Treppe zugänglich.

Der umstrittene Bau einer Außentreppe am Fünffingerlesturm am Stadtgraben ist abgeschlossen. Nach neun Jahren wird am Sonntag, dem Tag des offenen Denkmals, das mittelalterliche Bauwerk über die neue Treppe für die Öffentlichkeit zugänglich sein.

Der Turm besitzt vier kleine Wachtürme, die zusammen mit dem Zeltdach des Hauptturms fünf "Grate" ergeben, denen der Turm seinen Namen verdankt. Für den Fünfgratturm oder von den Augsburgern nur Fünffingerlesturm genannt, sind nun Führungen und Ausstellungen in Zusammenarbeit mit der Regio Augsburg und der Universität Augsburg geplant.

Sebastian Berz, Vorsitzender der Alt-Augsburg-Gesellschaft, erklärt, dass es sich bei dem Bauwerk um ein Artefakt, eine Zeitkapsel handle und führt weiter aus: "Im Turm ist die Zeit stehen geblieben und die Besucher können im Inneren das mittelalterliche Augsburg erleben."

Für den Innenraum seien nur geringfügige Änderungen wie Geländer und eine dezente Beleuchtung, die den altertümlichen Dachstuhl besser zur Geltung bringe, angedacht. Berz rechne damit, dass alle Maßnahmen im Frühjahr abgeschlossen seien und zwischen Ostern und Allerheiligen in dem Objekt Führungen für interessierte Augsburger, Schüler und Touristen angeboten werden können.

Der Fünfgratturm ist ein ehemaliger Wehrturm und wurde 1454 als Teil der östlichen Stadtmauer Augsburgs um die Jakobervorstadt für die sogenannten Scharwächter errichtet. Um 1600 verlor er seine Funktion als Torturm. Er steht seit dem Abriss der Stadtmauer in den Jahren 1867/68 einzeln. Der Fünffingerlesturm befindet sich im Eigentum der Stadt und steht unter Denkmalschutz.

2007 erteilte die Stadt Augsburg der Alt-Augsburg-Gesellschaft eine Baugenehmigung für die Außentreppe. Laut dem damaligen Oberbürgermeister Paul Wengert sei die Maßnahme ein "wichtiger Meilenstein für die Revitalisierung der Wallanlagen". Die Alt-Augsburg-Gesellschaft hat den Turm von der Stadt gemietet. Ursprünglich war die neue Treppe so geplant, dass sie halb auf dem Gehweg endet. Eine Bürgerinitiative mit über 10 000 Unterstützern wollte den Bau verhindern, doch der Stadtrat erklärte das Bürgerbegehren für ungültig. Die Klage gegen diese Entscheidung ruht aktuell auf Wunsch der Bürgerinitiative.

Zudem führten Rechtsstreitigkeiten mit der Stadt dazu, dass die Treppe nun in der Grünanlage endet. Im ursprünglichen Bauplan wäre die Treppe eine Gefahr für Fußgänger geworden. Ein Stahlträger hätte in den Luftraum über den Gehweg geragt. "Das ist sogar noch eine bessere Lösung als geplant. Wenn man hinuntergeht hat man Blick aufs Wasser und nicht auf die Straße." Da in dem Turm bisher Vögel nisteten, plane die Alt-Augsburg-Gesellschaft außerdem abgeschlossene Nistplätze für Dohlen und Fledermäuse, sagt Berz. Für den Vorsitzenden der Alt-Augsburg-Gesellschaft sei es wichtig, mit diesem Projekt auf die Augsburger Wallanlagen aufmerksam zu machen. "Insgesamt geht es um eine Fläche, die so groß ist wie der Siebentischpark. Diese Grünflächen in der Stadt müssen erhalten bleiben."
Für den Denkmaltag sind Führungen im Fünffingerlesturm, Untere Jakobermauer 30, für 10, 12 und 14 Uhr geplant. Um 15 und 16 Uhr werden Führungen speziell für Kinder angeboten. Die Teilnehmerzahl ist auf 15 begrenzt.
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Bruno Stubenrauch aus Augsburg - Nord/Ost | 08.09.2018 | 14:05  
Markus Höck aus Augsburg - City | 09.09.2018 | 12:54  
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