Mittelschule Kissing - Schule XXL

Die Belegschaft der Schülerfirma Löschzug aus der Klasse 7M der Mittelschule Kissing sorgt für Nachschub an Getränken. Foto: Christine Teuber
 
Bei Wind und Wetter helfen die Schülerlotsen der Mittelschule Kissing ihren Schulkameraden dabei, sicher nach Hause zu kommen. Foto: Harald Hortig
 
Streitschlichter der Mittelschule Kissing stellen sich in den Klassen vor, damit jeder weiß, an wen er sich im Bedarfsfall wenden kann. Foto: Tanja Jäger

Das engagierte Lehrerkollegium in Kissing stellt zusammen mit der offenen Ganztagsbetreuung und natürlich den Kindern einiges auf die Beine, was über leistungsorientierte Fächer hinausgeht.

„Mittelschule“ – der Begriff klingt für viele nach Notlösung, sozialem Brennpunkt und anderen wenig freundlichen Attributen. Wer genau hinschaut, erkennt sehr schnell: Das sind Vorurteile, die keinerlei Grundlage haben. Eine Mittelschule hat nicht unbedingt mehr Probleme als andere Schulen. An der Mittelschule in Kissing ist eine Menge geboten, was weit über Lesen, Schreiben und Rechnen hinausgeht.
Eine funktionierende Schulfamilie mit einer guten Zusammenarbeit im Lehrerkollegium bildet die Grundlage für die vielen Aktivitäten, die Schüler und Lehrer hier gemeinsam stemmen und so den Kindern eine Basis für ihre Zukunft mitgeben. Seit dem Schuljahr 2013/2014 ist die Kissinger Mittelschule auch für Meringer Schüler zuständig, denn die dortige Schule wurde geschlossen. Ein Teil des Lehrerkollegiums zog mit um nach Kissing. Derzeit besuchen etwa 250 Kinder die Einrichtung.

Sanfter Übergang

Für die vierten Klassen der Grundschulen im Einzugsbereich der Mittelschule ist es üblich, schon einmal ins Schulgeschehen bei den „Großen“ reinzuschnuppern. An einem Kennenlern-Tag erfahren Eltern und Kinder getrennt Interessantes über die neue Schule. Für die Schüler der fünften Klasse gibt es Tutoren in der neunten Jahrgangsstufe, die zum Beispiel eine Schulhausführung mit den Neuen unternehmen oder beim Wandertag Spiele organisieren. So fällt es den Kleinen viel leichter, in der neuen Schule anzukommen. Profitieren können auch die Paten selbst. Sie übernehmen Verantwortung und schulen ihre sozialen Stärken.
Klein und Groß lernen auch voneinander, wenn Kinder der zweiten Klasse mit einem Siebt- oder Achtklässler ein Lesetandem bilden. Als „Trainer“ und „Sportler“ lesen sie einmal wöchentlich gemeinsam. Das Tandem bleibt das ganze Jahr über zusammen und der Spaß am Lesen wächst bei beiden.

Schulweg-Sicherheit

Eine besondere Verantwortung übernehmen die Schülerlotsen, die an den verkehrsreichen Übergängen um das Schulgelände mittags für Sicherheit sorgen. 50 Schüler teilen sich diese wichtige Aufgabe. Täglich sind sechs von ihnen im Einsatz und bekommen dafür vorher eine Einweisung bei der Polizei. Die Schule hat hier ein Alleinstellungsmerkmal, denn anderswo im Landkreis sind es – wie hier am Morgen – ausschließlich Eltern, Großeltern und andere Erwachsene, die dieses Ehrenamt übernehmen. Übrigens hat es keine Unfälle gegeben, seit diese – natürlich auch für die Grundschule – nützliche Hilfe gestartet ist. Ab der achten Klasse kann man sich für den Dienst melden und bekommt für seinen Einsatz von der Grundschule eine VIP-Karte für ein gesundes Frühstück spendiert und genießt in der eigenen Schule einen besonderen Ehrenstatus.

Für die Allgemeinheit

Dies gilt auch für die Streitschlichter, die in Klassenzimmern und vor allem auf dem Pausenhof zu Hilfe geholt werden, wenn Streithähne nicht mehr alleine klar kommen. Auch sie gehören zu den Älteren unter den Schülern und werden für ihre Aufgabe geschult, lernen wie man sinnvolle ruhige Lösungen herbeiführt. Dafür nutzen sie feste Gesprächstechniken und können in einem eigenen Raum abgeschirmt vom Schultrubel ihre Gespräche führen. Die Streitschlichter legen eine Prüfung ab, bevor sie zum Einsatz kommen. Auch sie werden in der Grundschule tätig, wenn es dort zu Schwierigkeiten kommt.
Die Schule darf das Logo Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage führen. Wer den Pausenhof betritt, begibt sich in eine „Beleidigungsfreie Zone“. So steht es groß im Foyer der Schule.
20 Schüler haben sich in diesem Schuljahr für die Ausbildung zum Schulsanitäter angemeldet. Sie werden eine praktische und eine theoretische Prüfung ablegen und bekommen einen Erste-Hilfe-Ausweis vom Roten Kreuz, der auch schon für eine Führerscheinprüfung gilt. Sie werden auf dem Pausenhof mit ihrer Rettungstasche unterwegs sein, werden über Lautsprecher angefordert. Den Schulsanitätern kommt auch die Aufgabe zu, einen Rettungsdienst einzuweisen, wenn der an der Schule gebraucht wird. Zu Recht sind sie sehr stolz auf ihre Arbeit für die Schulgemeinschaft.

Schulfirma

Seit 2013 hat die Kissinger Mittelschule eine Schulfirma namens „Löschzug“. Der funktioniert so: Die jeweilige Klasse 7M verkauft vor Schulbeginn und zur Pause Getränke an die Mitschüler und Lehrer. Die Jungen und Mädchen übernehmen dabei auch Abrechnung und Bestellung und kümmern sich um das Leergut. Zum Schuljahresstart sind die Siebtklässler noch als „Azubis“ bei ihren Vorgängern, der jetzigen achten Klasse tätig, bis sie ab Herbst selbst das kleine Unternehmen leiten. Da naturgemäß kein Mitarbeiter dieser Firma einen Führerschein besitzt, übernimmt niemand Geringeres als Rektorin Christine Teuber die Aufgabe des „Bierkutschers“ – der natürlich nur Alkoholfreies transportiert.

Vorbereitung aufs Berufsleben

Die Vorbereitung der Kinder auf ein späteres Berufsleben wird nicht nur bei der Schülerfirma, sondern in vielen anderen Projekten groß geschrieben. Während einer offiziellen Veranstaltung, die vom Landratsamt gesteuert wird, kommen Innungsmeister unter dem Motto „Karriere im Handwerk“ an die Schule, um ihre Berufe vorzustellen. Manchmal bringen sie Auszubildende mit, die den Kindern ganz unmittelbar von ihren Erfahrungen erzählen können. Die Aktion hat sogar ein musikalisches Rahmenprogramm und es wird ein Buffet für die Teilnehmer gezaubert.
Während der Potenzialanalyse über Kolping, werden in sechs Tagen Praxis die Fähigkeiten und Stärken der Kinder aus der siebten Klasse erfasst. Finanziert wird diese ausführliche Maßnahme von der Agentur für Arbeit. Über die Firma infau und wiederum die Agentur für Arbeit wird für die Klasse 8M ein Bewerbungstraining gestaltet, das die Schüler mit den Themen Vorstellungs- oder Verkaufsgespräch und der Organisation von Arbeitsabläufen vertraut macht. Auch über die richtige Kleidung beim Auftritt vor dem künftigen Chef wird hier gesprochen. 
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