Nach dem Aus von Fujitsu: Wirtschaftsreferentin Eva Weber will die Fachkräfte des Konzerns in der Region halten

Eva Weber forderte am Montag auf einer Pressekonferenz Fujitsu auf, für die teils langjährig Beschäftigten eine faire Lösung zu finden. (Foto: Patrick Bruckner)

Der Computerhersteller Fujitsu hat am Freitag bekanntgegeben, dass er das Werk in Augsburg bis September 2020 schließen werde. 1500 Mitarbeiter und 300 Leiharbeitskräfte werden ihre Anstellung verlieren. Wie Wirtschaftsreferentin Eva Weber am Montag betonte, wolle die Stadt die Beschäftigten unterstützen, eine neue Perspektive zu finden. Weber hofft, dass die Mitarbeiter mit ihrem Know-How in der Region bleiben. Denn viele Augsburger Unternehmen suchen händeringend nach Fachkräften.

Der Industriestandort Augsburg verliert nach Weltbild und Ledvance (früher Osram) nun mit Fujitsu einen weiteren wichtigen Arbeitgeber. Wenn große Unternehmen Augsburg verlassen, sei das zwar immer betrüblich, sagte Eva Weber, aber der Wirtschaftsstandort sei stabil. Sie betonte: „Es war eine Konzernentscheidung aus Japan, die nichts mit dem Standort Augsburg zu tun hat.“

Dennoch sei es wichtig, neue Unternehmen anzusiedeln, Start-Ups zu fördern, neue Arbeitsplätze zu schaffen und die Rahmenbedingungen für die bestehenden Unternehmen so gut wie möglich zu machen.

Der Fokus der Stadt Augsburg liege nun aber auf den Beschäftigten. In der Augsburger Allianz für Arbeitskräfte hat sie sich mit der Industrie- und Handelskammer, der Handwerkskammer, der Agentur für Arbeit und Vertretern der Gewerkschaften in einem Gremium zusammengetan. Ziel sei es, den Mitarbeitern so schnell wie möglich Perspektiven aufzuzeigen und Klarheit zu schaffen.

Das Know-How soll in der Region bleiben

„Es wäre schlimm und traurig, wenn die Mitarbeiter und das damit verbundene Know-How die Region verlassen“, erklärte Weber. Sie möchte die Situation nicht verharmlosen, sehe den Wirtschaftsstandort aufgrund der vielen innovativen mittelständischen Unternehmen als attraktiv an. „Diese Unternehmen suchen händeringend nach Fachkräften“, betonte sie. Sie fürchte aber, dass trotzdem qualifizierte IT-Kräfte abwandern. Weber hob den „traditionellen Industriestandort Augsburg“ hervor und lobte die Entwicklung der vergangenen Jahre. Mit dem Innovationspark, dem Technologiezentrum, dem Ausbau der Universität und der Hochschule sowie der geplanten Universitätsklinik sieht sie den Standort gut für die Zukunft gerüstet.

Dennoch müsse sich die Region stetig weiterentwickeln, nicht zuletzt wegen der fortschreitenden Digitalisierung. In diesem Bezug sprach sie auch über das im Wahlkampf diskutierte bayerische Luft und Raumfahrtprojekt „Bavaria One“. In dieser Sparte arbeiten Weber zufolge im Raum Augsburg 20 000 Menschen.

Faire Lösung für die Angestellten finden

„Die Nachricht vom Aus hat uns überrascht“, sagte Weber. Fujitsu hatte die Schließung der Augsburger Niederlassung mit einer europaweiten Umstrukturierung begründet. Die Aufgaben des Werks sollen künftig direkt in Japan ausgeführt werden.
In welchen Wellen die Schließung erfolgt, müsse noch gelöst werden, kündigte Weber an. Sie fordert Fujitsu auf, eine faire Lösung für die Beschäftigten zu finden. Von großer Wichtigkeit sei vor allem, dass mit den teils langjährigen Mitarbeitern fair umgegangen wird und ein vernünftiger Sozialplan vorgelegt wird. In den kommenden Wochen und Monaten sollen die Verhandlungen darüber geführt werden.

Ob die Entscheidung zur Schließung auch Auswirkungen auf Kuka hat, könne noch nicht gesagt werden. Fujitsu war einst das erste Unternehmen, das sich im Augsburger Technologiezentrum eingemietet hatte. Gemeinsam mit dem Augsburger Roboterhersteller Kuka hatte der japanische Konzern dort ein Forschungs- und Entwicklungsprojekt auf den Weg gebracht.
Was aus dem Werksgelände von Fujitsu wird und welche Möglichkeiten sich dadurch eventuell ergeben, damit wolle sich die Stadt Augsburg ebenfalls noch nicht beschäftigen. Vorrangig sei nun die Zukunft der 1800 betroffenen Menschen des Fujitsu Werks.
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