Nach Schließung der Gersthofer Backbetriebe: Beschäftigte machen ihrem Ärger Luft

Beschäftigte von Lechbäck und den Gersthofer Backbetrieben gehen unter dem Motto "Wir wollen unser Geld zurück!" auf die Straße.

Während in der Vorweihnachtszeit zahlreiche Familien über den Augsburger Weihnachtsmarkt laufen, Würstchen essen, Kinderpunsch trinken und Geschenke kaufen, müssen die Angestellten der Gersthofer Backbetriebe um ihre Existenz fürchten und können nachts nicht mehr ruhig schlafen. Gestern Nachmittag versammelten sich etwa 250 Beschäftigte von Lechbäck und den Gersthofer Backbetrieben sowie deren Angehörige auf dem Königsplatz, um auf ihre Lage aufmerksam zu machen.

Unter dem Motto „Wir wollen unser Geld zurück“ zog der Pulk lautstark durch die Innenstadt über den Moritzplatz und den Christkindlesmarkt zum Martin-Luther-Platz vor eine seit dem 6. Dezember geschlossene Lechbäck Filiale. Der Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) Tim Lubecki machte auf die Augsburger Unternehmerfamilie Haindl aufmerksam, die hinter Serafin Unternehmensgruppe steckt, die Ende 2014 die Gersthofer Backbetriebe gekauft hat. Hinter Serafin steht als Hauptgesellschafter die Augsburger Unternehmerfamilie Haindl. Diese verkaufte die bekannte Papierfabrik 2001 an UPM. Philipp Haindl ist Geschäftsführer der Serafin-Gruppe.

„Wir sind sauer und kommen uns verarscht vor“



„Wo bleibt die soziale Tradition der Familie Haindl?“, frag Lubecki. Er wirft Serafin vor, die Mitarbeiter müssten für „unternehmerische Fehlentscheidungen“ büßen. „Wir sind sauer und kommen uns verarscht vor“, macht sich eine Mutter von zwei kleinen Kindern bei der gestrigen Demonstration Luft. Ihr Mann arbeitete seit acht Jahren bei Lechbäck und steht vom ein auf den anderen Tag ohne Arbeit da. Sie haben von der Insolvenz gewusst, aber es habe immer geheißen, dass sie ihre Jobs bis Februar behalten können.

Ursprünglich sei das auch so geplant gewesen, doch der Großkunde Aldi ist am 6. Dezember abgesprungen. Lubecki prangert das Verhalten der Geschäftsführung der Gersthofer Backbetriebe an. Es habe in der Vergangenheit hin und wieder Probleme mit Ressourcen und Fahrern gegeben, so dass Aldi beispielsweise nicht beliefert werden konnte. „Mit diesem Hintergrund kann ich doch nicht zu Aldi gehen und ihnen die Pistole auf die Brust setzen, mehr Geld und längere Verträge fordern“, so Lubecki.

Fast zeitgleich mit Beginn der Demonstration gab Serafin in einer Pressemitteilung bekannt, dass sie die Dezember-Löhne sowie das Weihnachtsgeld übernehme und es nun doch an die ehemals Beschäftigten ausgezahlt werden könne. Bisher herrschte darüber noch Unklarheit, denn das dafür vorgesehene Insolvenzgeld wurde anderweitig für Sanierungen ausgeben. Heute ab 10 Uhr finden in der Gersthofer Produktionsstätten Sozialplanverhandlungen zwischen Betriebsrat und Geschäftsführung statt.
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