Neusässer Geschichten: Tanzen ist Vielfalt

Die Weltmeister Claudia Heckers und Heico Bartsch zierten 1998 das Cover des „rocktime“-Magazins.
 
Spektakulär und immer wieder in der Presse: Rock´n´Roll im TSZA.
 
Zahlreiche Pressetermine absolvierten die Weltmeister.
Tanzen ist Sport – Tanzen ist Lebensfreude – Gemeinschaft – Musik – hartes Training. Tanzen ist eine Lebensaufgabe. Tanzen ist gesund. Das Tanzsportzentrum Augsburg mit Sitz in Neusäß bietet Menschen in jedem Alter eine sportliche Heimat – genau so, wie es für den Einzelnen passt. Und vielleicht kann Tanzen auch Leben retten.

Am Anfang war der Rock’n’Roll. Das Tanzsportzentrum Augsburg wurde 1976 als Rock’n’Roll Club Augsburg ins Leben gerufen und hat in den folgenden Jahren zahlreiche Meister auf Landes- und Bundesebene, aber auch 1983 eine Weltmeistermannschaft und 1998 das Weltmeisterpaar Heico Bartsch und Claudia Heckers hervorgebracht. Gerade diese Form des Tanzens ist echter Hochleistungssport mit sehr schnellen und atemberaubend akrobatischen Elementen, was auch das Publikum beeindruckte und immer wieder Raum in der lokalen Presse fand. Die Weltmeister hatten sich vor ihrem Titelgewinn sogar jahrelang beurlauben lassen, um konsequent an ihrem Ziel arbeiten zu können. Die Anfang der 80er Jahre erfolgreichen Aktiven Reingard Herbst und Erwin Geiger – der sich auch als Trainer und Wertungsrichter engagierte – hatten noch die Befürchtung, dass der Club sich auflösen könnte, wenn sie selbst nicht mehr aktiv sein würden, doch es kam ganz anders. Schon damals hatte der Verein 230 Mitglieder, heute sind es etwa 300 – die Hälfte davon Kinder.

Die große Bandbreite

Das Spektrum der Tanzstile ist riesengroß und diese Vielfalt finden nun Tanz-Begeisterte ab drei Jahren bis ins hohe Alter in ihrem Club. Der durch sein großes Angebot gut aufgestellte Verein sammelte auch nach der Erweiterung vom Rock’n’Roll auf andere Tanzstile laufend Medaillen und Pokale – nun eben auch durch die Hip-Hopper „thaGipsys“ – als einer der erfolgreichsten Vereine Deutschlands – und Tanzpaare aus dem Standard- und Lateinbereich. Die Trophäen sind natürlich Bestätigung und Motivation für die siegreichen Sportler, leisten aber auch ihren Beitrag zum sicheren Bestehen des Vereins – man hat einen guten Namen.
Neben Boogie Woogie können Sportler 2017 zwischen den Klassikern Standard- und Lateintänze, Ballett, aber auch Hip-Hop, Showtanz, Discofox, GoGo, Clipdance, Zumba, Salsa und vielem mehr wählen. „Social Dance“ für Leute, die sich einfach zum Tanzen treffen wollen, ist genauso möglich wie Breitensport, dessen Anhänger dann schon an Wettkämpfen teilnehmen. Auch Profitänzer haben im Tanzsportzentrum ihre Heimat – als Aktive oder engagierte Trainer für hoffnungsvollen Nachwuchs. Ganz bewusst hat man sich dafür entschieden, die verschiedenen Sparten nicht wie in anderen Sportvereinen in Abteilungen zu trennen. Alle Tänzer werden aus der gleichen Kasse finanziert – so trägt eine Gruppe andere mit und alle Stile haben ihre Daseinsberechtigung, das Wir-Gefühl dominiert die Atmosphäre.
Seit mehr als vierzig Jahren besteht das Tanzsportzentrum Augsburg nun. Anfangs musste man mit einem kleinen Raum auskommen, ehe die Tänzer 1988 in die Hutfabrik Lembert und 1994 in die Gubener Straße umziehen konnten. Seit 1991 gilt der Name Tanzsportzentrum Augsburg, weil eine Abteilung für Standard- und Lateintanz gegründet wurde.
2008 bezog der Verein sein heutiges Quartier in der Neusässer Benzstraße. Hier haben die Tänzer zwei Säle zur Verfügung, die in Fläche, Höhe und Ausstattung ihren Bedürfnissen gerecht werden. Ein schönes Foyer und eine Galerie laden auch nach dem Tanzen zum Bleiben ein. Augsburg im Namen ließ man wegen des inzwischen recht großen Bekanntheitsgrades bestehen.

Mode und Trends

Auch und gerade der Tanzsport ist den Einflüssen von Mode ausgesetzt. Immer wieder erobern neue Varianten der tänzerischen Bewegung das Parkett. Als Verein muss man da am Ball bleiben, denn nicht immer ist das Tanzen an sich eine angesagte Sportart gewesen. Derzeit ist es wieder absolut in. Zahlreiche Shows und Wettbewerbe im Fernsehen befeuern die Lust an der Bewegung unterschiedlicher Ausrichtung. Die Tanzsportturniere im Clubheim resultieren zum Beispiel aus der Fernsehpräsenz des Sportes. Dennoch muss der Verein viel tun, um im Gespräch zu bleiben, um Mitglieder zu halten und neue hinzuzugewinnen. Unter anderem geschieht dies durch zahlreiche Kooperationen mit anderen Vereinen und Organisationen.
Kooperation und Kreativität
Eine enge Freundschaft, die vom Thema her wunderbar passt, pflegt der TSZA zum Faschingsverein Narrneusia, für den bereits über ein Dutzend Mal ein Prinzenpaar gestellt wurde – manchmal als Retter in der Not. Schon fast so lange wie der Verein selbst, besteht diese Zusammenarbeit. Zuletzt begleiteten 2016 Johan-na I. und ihr Ehemann Adrian I. den Neusässer Faschingsverein durch die Saison und bereicherten dessen Showprogramm durch ihr tänzerisches Können. Man teilt sich nicht nur tänzerisches Können, sondern auch die Vereine tragenden Werte wie Förderung von Teamgeist, Selbstbewusstsein und Persönlichkeitsentwicklung. Erfolgreich bietet das TSZA bei der Volkshochschule Kurse an, derzeit unter anderem in Line-Dance, Disco-Fox, den verschiedenen Varianten von Zumba und Latino Frauenpower. Der Verein ist keine Tanzschule, gibt aber über diesen Kooperationspartner Unterricht in den eigenen Sälen. Ein spaßiges aber äußerst zeitintensives Miteinander war auch die Unterstützung des Basketballvereins Topstar Kangaroos aus Leitershofen durch ein Cheerleaderteam. Diese originelle Sportart ist Tanzen, Turnen und Akrobatik in einem und verlangt den Tänzern wöchentliche Einsätze ab. Deshalb ist die Gruppe derzeit nicht aktiv. Kreativ engagieren sich Vereinsmitglieder auch sonst für ihren Sport. Da werden Workshops in Volkstanz angeboten, bei entsprechender Resonanz sollen auch für diese traditionsreichen Tänze Kurse geschaffen werden. Man bietet Tanzen in Firmen an im Rahmen von betrieblichem Gesundheitsmanagement. Schnupperkurse für Kinder sollen den Kleinen die Lust am Tanzen vermitteln. Als „anderer Wandertag“ kann auch ein Tanzkurs für Schüler organisiert werden.

Jugendarbeit

Den jüngsten Erfolg des Vereins verbucht die Jugend für sich: Mit einem fulminanten Auftritt gewann auf dem STAC Festival im Oktober die KC Crew – die Showtanzgruppe des Tanzsport-Zentrums Augsburg – die Herzen der Zuschauer. Die fast 40 Mädels im Alter von acht bis sechzehn Jahren zeigten Showtanz, kombiniert mit Akrobatik und gelungenen Tanz-Bildern auf der Festivalbühne, die gerade noch die Größe der Gruppe fasste. Ausdrucksstark und auf hohem Niveau versprühten die Mädels, die erst seit etwa 1,5 Jahren zusammen tanzen, Spaß und gute Laune. Mit leuchtenden Augen durften sie und ihre beiden Trainerinnen Katja Mayr und Claudia Vetter anschließend die Auszeichnung „Publikumsliebling“ entgegennehmen.
Gerade bei der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen sieht man im Verein eine große Verantwortung. Es geht nicht nur darum, die eigene Sportart bekannt und beliebt zu machen, damit immer genug Nachwuchs heranwächst. Mit viel Herzblut und ehrenamtlichem Zeiteinsatz leisten Trainer hier persönlichkeitsbildende Arbeit, denn neben der eigenen sportlichen Leistung wächst bei den Tänzern Teamgeist und das Zusammengehörigkeitsgefühl in der Gruppe. Dafür stehen zusätzlich aktive Eltern als Organisationsteam zur Verfügung. Der Verein bietet die Rahmenbedingungen und begleitet die Arbeit. Solche Strukturen machen ein gesundes Vereinsleben aus.

„Im Abendkleid zum Lebensretter“

Während einer Show Gala in der Stadthalle Neusäß fand Ende Oktober eine Typisierungsaktion der DKMS statt, die sich dem Kampf gegen den Blutkrebs verschrieben hat. Unter der Schirmherrschaft von Richard Greiner, dem Ersten Bürgermeister der Stadt Neusäß, zeigte das TSZA seine ganze Vielfalt in einem bunten Programm. Auch die Mädchen der gerade erst preisgekrönten KC Crew zeigte noch einmal ihr Können. Die Turnerinnen des TSV Neusäß, der Moderator Kilian Hein und viele andere ergänzten die Showeinlagen der unterschiedlichsten Gruppen des Vereins. Auch die Gäste füllten den ganzen Abend immer wieder die Tanzfläche. Die Veranstaltung kam sehr gut an und so wurden nicht nur zahlreiche potenzielle Stammzellenspender registriert, sondern auch eine beachtliche Spende an die DKMS übergeben, die so bei der Rettung von Blutkrebspatienten helfen kann. Die Künstlerin Angelika Schmidt unterstützte den Verein mit einer Ausstellung im Foyer des Neusässer Rathauses mit dem Titel „Kunst hilft“.
Im nächsten Jahr wollen die Tanz-Sportler dem KlinikClowns e.V. helfen, die im TSZA Workshops geben werden, zum Beispiel ein Improtheater. Auch selbst ist der Verein auf die Unterstützung von Sponsoren angewiesen. Die Aktiven freuen sich über jeden (neuen) Partner.
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