Pferseer Geschichten: Musik verbindet Generationen - Mandolinen- und Gitarrenorchester Augsburg

Das Mandolinen- und Gitarren-Orchester in seiner aktuellen Besetzung mit seinem jungen Dirigenten Benedikt Hillringhaus. Foto: Mandolinen- und Gitarren-Orchester Augsburg
 
Immer in Konzertkleidung und hoch konzentriert: Die Musiker in den 1950er und 60er Jahren. Foto: Mandolinen- und Gitarrenorchester Augsburg.
 
1958 trat die bekannte Sängerin Sari Barabas mit dem Pferseer Ensemble im Moritzsaal auf. Foto: Mandolinen- und Gitarrenorchester Augsburg

Mandolinenklänge versetzen den Zuhörer in eine beschwingte Stimmung. In Pfersee kämpft ein kleines Orchester gegen den Mitgliederschwund. Das Mandolinen- und Gitarren-Orchester Augsburg hat eine lange musikalische Tradition.

Hinter der Vereinsnummer 1, mit der nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges der erste wieder aktive und registrierte Augsburger Verein versehen wurde, verbirgt sich nicht etwa ein TSV, eine SG oder ein anderer der zahlreichen Sportvereine. Es ist das Mandolinen- und Gitarren-Orchester Augsburg, das als erstes den Kopf aus den Trümmern der Stadt steckte und sich im Februar 1946 neu formierte – ein Pferseer Verein, der aus Mitgliedern des schon 1921 gegründeten Vereinigten Mandolinen- und Lautenorchester Harmonie und dem Mandolinen-Club Augusta von 1923 hervorging. In einer frühen Chronik des Vereines heißt es, „Die folgenden Jahre sind der Pflege der Mandolinenmusik gewidmet sowie durch erfolgreiche Konzerte gekennzeichnet.“ Damit sind die Pferseer in guter Gesellschaft. In den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts wurden in Deutschland zahlreiche Zupforchester mit Mandolinenspielern gegründet. Sehr viele davon machten nach einer Zwangspause während des Krieges ab Mitte der 40er Jahre mit ihrem musikalischen Hobby weiter und können inzwischen auf eine lange Tradition zurückblicken.

Große Zeit der Zupforchester

Bis zu dreißig Musiker spielten seitdem bei öffentlichen Auftritten in Lokalen und Theatern der Stadt. Gerne tat man sich mit befreundeten Ensembles zusammen, lud sich bekannte Sänger – auch vom Stadttheater – als Gäste ein oder arbeitete im Landesorchester Baden-Württemberg zusammen. Zupforchester waren große Mode, ihre Auftritte fester Bestandteil der Veranstaltungskalender. Als Höhepunkte seines frühen Schaffens nennt der Verein den Tag der Zupfmusik in Schramberg im Schwarzwald im Jahr 1954 sowie das Bundesmusikfest in Kassel ein Jahr später. Man spielte unter anderem im Moritzsaal oder im Stadttheater. Im Eintrittspreis von 2,50 bis 3 Mark war bis weit in die 60er Jahre – wie bei jeder öffentlichen Veranstaltung – ein Notgroschen enthalten, der für den Wiederaufbau der vom Krieg zerstörten Städte verwendet wurde.
Das Ensemble traf sich nicht nur, um zu üben oder aufzutreten. Man stärkte die Gemeinschaft auch durch gemeinsame Ausflüge und (Faschings-)Feiern. So waren auch die Familien Teil des Orchesters und im Falle von Elke Hillringhaus und ihrer Schwester Gabi Reindl traten dann auch die Kinder in die Fußstapfen ihrer Eltern.
In früheren Zeiten waren die Proben auch gleichzeitig Aufenthalte in der Gaststube – in Lechhausen im Stiftsgarten, dann im Deutschen Kaiser in der Hessenbachstraße. Später war der inzwischen abgerissene Gasthof zur Sonne in der Gellertstraße das Vereinslokal. Inzwischen proben die Musiker im Bürgerhaus Pfersee, wo es keinen „Verzehrzwang“ gibt.

Instrumente und Repertoire

Das Ursprungsland der Mandoline ist Italien und von dort kommt auch häufig die passende Literatur. Giacomo Sartori, der von 1860 bis 1946 in Südtirol lebte, liefert häufig gespielte Stücke. Den Zeitgeist der 50er und 60er Jahre traf das italienische Lebensgefühl von Dolce Vita ganz genau. Italienische Eisdielen, die ersten Pizzerien, Vespa-Roller und erfüllbare Reiseträume ließen die Menschen der Wirtschaftswunderzeit in Richtung Süden schauen. Ein wenig fühlt man sich sofort nach Capri und Co. versetzt, sobald vielstimmige Mandolinenklänge einen Raum füllen.
Konrad Wölki, ein Berliner Komponist (1904 bis 1983), der selbst Mandoline spielte und als Musikpädagoge arbeitete, hat viel für sein Lieblingsinstrument getan. Auch seine Werke tauchen immer wieder im Repertoire der Pferseer Musiker auf.
Die zehn Aktiven des Orchesters spielen klassische Musik, irische und italienische Folklore oder auch Filmklassiker. Zurzeit übt das Ensemble den „Dritten Mann“ und „Spiel mir das Lied vom Tod“. Es gibt aber auch Dauerbrenner, die seit Anbeginn immer wieder im Repertoire aufkreuzen. Weil das Orchester so klein ist, sind die Musiker auf Flexibilität angewiesen. Da wird bei Bedarf schon einmal von der Mandoline auf die Mandola – deren große Schwester – oder die Gitarre umgesattelt, damit ein Spielbetrieb möglich ist.

Junge Verstärkung

Die Tradition, sich mit Gesang zu verstärken, ist bis heute geblieben. Eine Zusammenarbeit mit zwei Jungs der Augsburger Domsingknaben ist ein Beispiel dafür. In der Vereinssatzung des Mandolinenorchesters steht geschrieben, dass die Musiker „unter Leitung eines fähigen Dirigenten“ ihrem Hobby nachgehen sollen. Diesen Passus erfüllte man jahrelang nicht mehr, doch mit dem erst 16jährigen Benedikt Hillringhaus ist seit etwa einem Jahr wieder alles in Butter. Der junge Mann bringt sein Talent und seine Ausbildung bei den Domsingknaben mit. Er hat große Freude daran, für die überwiegend älteren Orchestermitglieder Stücke zu arrangieren oder sogar selbst zu komponieren. Er kommt als Orchestermitglied schon in der dritten Generation aus der gleichen Familie, denn auch Mama und Tante spielen Mandoline und die Großeltern gehörten viele Jahre zum Ensemble.
Das darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Mandolinen- und Gitarren-Orchester Augsburg mit den meisten der Mandolinen-Ensembles eines gemeinsam hat: Nachwuchssorgen. Nicht viele Kinder und Jugendliche entdecken die Mandoline für sich. Sie gehört nicht zu den Klassikern der frühen musikalischen Bildung und es ist gar nicht so leicht, einen Lehrer zu finden, sollte jemand doch Ambitionen haben. Neu ist das Thema nicht. Schon 1963 warb man auf einem Konzertprogramm um neue Mitglieder: „Spieler und Spielerinnen erhalten bei uns reichlich Gelegenheit, ihr Können im Zusammenspiel anzuwenden und zu vervollkommnen.“

Musiker gesucht

Damit das kleine Zupforchester auch noch seinen hundertsten Geburtstag feiern kann, braucht es Verstärkung. Mandolinenspieler, Musiker, die eine Mandola beherrschen und Gitarristen mit klassischer Erfahrung sind herzlich willkommen, sich dem Ensemble anzuschließen. Geprobt wird jeden Donnerstag von 20 – 22 Uhr im Café im Untergeschoss des Bürgerhauses Pfersee. Bitte melden Sie sich bei Elke Hillringhaus, Telefon: 0821 792583
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