Podiumsdiskussion: Trans*rechte jetzt! - Trans*feindlichkeit erkennen und entgegenwirken

Augsburg: Beim weissen Lamm | Am 19. September haben wir von der amnestyjugend.augsburg zu einer Podiumsdiskussion zum Thema „Trans*rechte“ eingeladen.
Zu Gast waren Tsepo Bollwinkel, Claude Beier und Ann-Kathrin Bürger, alles Trans*Personen, die sich für Menschenrechte einsetzen. Ich habe für die Moderation mit ihnen zusammen auf der Bühne gesessen. Gemeinsam haben wir dem Publikum näher gebracht, welchen Hürden Trans*Personen in ihrem Leben begegnen und welche Auswirkungen diese auf ihre Lebensqualität haben können.
Begonnen hat der Abend mit einer Art Schulstunde, wo die gebräuchlichen Begriffe innerhalb der Queeren Community erläutert wurden. Inwiefern sich Sexualität und Gender unterscheiden, wo der Unterschied zwischen cis und trans, nicht-binär und binär liegt usw.
Nachdem wir so alle Zuhörenden schon einmal für das Thema angewärmt haben, konnte der richtige Spaß losgehen. Wir haben erfahren, dass in Schulen nur Aufklärung über das Thema trans* geleistet werden muss, wenn sich eine schon geoutete Trans*Person in dieser Klasse befindet. Sonst ist das Ganze auf komplett freiwilliger Basis und wird auch sonst im Rest der gesamten Schul- und auch Studienzeit weder in Biologie noch in anderen Fächern erwähnt. Dabei könnte man gerade in Schulen anfangen zu versuchen, mehr Akzeptanz und Vielfalt zu lehren und somit wunderbar zur „Entsensationalisierung“ von Queeren Menschen beitragen.
Ein weiterer Punkt der Diskussion war die Intersektionalität, was die Überschneidung von Diskriminierungsformen ist. So erfährt zum Beispiel eine schwarze Frau Diskriminierung nicht ausschließlich aufgrund ihrer Hautfarbe oder ihres Geschlechts, sodern auch wegen der Kombination dieser Attribute. Das eröffnet ganz neue Dimensionen der Erniedrigung basierend auf einem Arrangement aus Abelismus, Rassismus, Adultismus, Sexismus, Klassismus, ... und eben auch Trans*feindlichkeit.
Danach hat vor allem Tsepo von seinen Erfahrungen erzählt, die er im Zusammenhang mit dem Transsexuellen Gesetz (TSG) in Deutschland gemacht hat. Alle Anwesenden waren entsetzt darüber, dass bis 2011(!) laut Deutschem Gesetz von Trans*Personen, die eine Änderung des Geschlechtseintrags bzw. geschlechtsangleichende OPs vornehmen wollten, eine Zwangssterilisation verlangt wurde. Das gesamte TSG wurde vor einigen Jahren zwar schon, angesichts des Verstoßes gegen das Selbstbestimmungsrecht, als verfassungswidrig erklärt, doch bis jetzt ist noch keine Neuauflage (v. a. keine, die merklich besser als deren Vorgänger ist) in Sicht.
Vor der Pause wurden den Besuchern noch Tipps gegeben, wie denn ein guter Weg aussieht auf ein coming-out zu reagieren und auf welche Unterstützung man als Trans*Person, auch außerhalb von Freunden und Familie, zurückgreifen kann. Während der Pause lief eine Präsentation über Filme und Serien, die gute Repräsentationen der Trans-Experience zeigen und im Hintergund konnte Musik von Trans*Künstler*innen gehört werden. Außerdem hat jede*r aus dem Publikum die Chance bekommen, anonym Fragen zu stellen, die wir alle im weiteren Verlauf des Abends beantwortet haben. Die Veranstaltung ist sehr gut angekommen und hat trotz der teilweise sehr ernsten Abschnitte viel Spaß gemacht. Es wurde vielen Menschen nach dem Verlassen des Veranstaltungsortes noch einmal richtig klar, dass Diskussionen wie diese auch in der breiten Öfentlichkeit dringend geführt werden sollten.
Vielen Dank an die Podiumsteilnehmer*innen und alle Anwesenden.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.