Schlechter Start für Go Ahead in Stuttgart

Das britische Bahnunternehmen Go-Ahead betreibt ab Dezember 2022 den durchgehend elektrifizierten Teil der Augsburger Netze mit Neufahrzeugen von Siemens. Foto: www.siemens.com/presse

Rund um Augsburg übernimmt ab Dezember 2022 die Deutschlandtochter des britischen Eisenbahnunternehmens Go Ahead den Betrieb des Fuggerexpress von der DB Regio. Worauf die Fahrgäste möglicherweise gefasst sein müssen, hat sich nun in Baden-Württemberg gezeigt. Im Stuttgarter Nahverkehrsnetz feierte das britische Unternehmen am Pfingstsonntag Deutschlandpremiere, als ein Teil der Bahnlinien im Stuttgarter Land übernommen wurden. Obwohl das Unternehmen neue Züge einsetzte, vielen davon vier komplett aus und bei vielen Verbindungen kam es zu Verspätungen von bis zu 40 Minuten.

Aufgrund der massiven Anlaufschwierigkeiten finden bis auf weiteres tägliche Krisensitzungen zwischen dem baden-württembergischen Verkehrsministerium und Go Ahead statt. "Leider kam es auch am Dienstag zu einigen technischen Störungen, die Verspätungen und auch einige Zugausfälle zur Folge hatten. Schuld war zumeist die Schnittstelle zwischen Zug und Bahnsteig, die regelt, wie die Lücke zum Zug verringert wird", nennt Go Ahead gegenüber den Stuttgarter Nachrichten Gründe für die Verspätungen.
Die in den Zügen eingesetzte Software blockiere laut Go Ahead die Türen. Die Trittbretter an den Türen der neuen Züge an den Bahnsteigen würden vorerst nicht ein- und ausgefahren, um ein Blockieren zu vermeiden. Die Funktion müsse nun erst für jeden Bahnhof individuell angepasst werden. Aufgrund eines Softwarefehlers konnten die Züge zwischen Stuttgart und Aalen vorerst gar nicht fahren.
Mit holprigen Starts kennen sich die Fahrgäste in der Region Augsburg auch aus. Denn als die Bayerische Regiobahn im Frühjahr eine Strecke der Deutschen Bahn übernahm, gab es erhebliche Probleme mit der Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit. Im Dezember 2022 kommt auf die Augsburger die Umstellung auf Go Ahead zu. Das Unternehmen hat dafür 56 Fahrzeuge bei Siemens geordert. Insgesamt werden 44 dreiteilige elektrische Triebzüge vom Typ Mireo sowie zwölf fünfteilige elektrische Doppelstocktriebzüge vom Typ Desiro HC geliefert. Beide Fahrzeugtypen sind betrieblich miteinander kuppelbar und sollen damit eine flexible Anpassung an die Fahrgastnachfrage ermöglichen.

Mehr Sitzplätze auf den Strecken von und nach München

Die Züge sind für den Einsatz auf den Strecken Ulm-Augsburg-München, Würzburg-Ansbach-Treuchtlingen-Donauwörth-Augsburg sowie Aalen-Nördlingen-Donauwörth vorgesehen. Alle Fahrzeuge seien darauf ausgelegt, der steigenden Verkehrsnachfrage in der Region gerecht zu werden. Insbesondere auf der Verbindung von und nach München soll durch die Doppelstocktriebzüge eine deutliche Erhöhung der Sitzplatzkapazität erreicht werden, hieß es jüngst in einer Pressemitteilung. Der Mireo bietet 216 und der Desiro HC 538 Sitzplätze. Zur Steigerung der Flexibilität könnten bis zu vier dreiteilige Mireos sowie maximal zwei Mireos mit einem Desiro HC gekuppelt fahren. Wird besonders viel Kapazität gebraucht, sollen zwei gekuppelte Desiro HC fahren. (pb)
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