Schule im Eimer: Protest an der Fachoberschule Augsburg

 

Augsburg - Abrissbirne oder Sanierung? Diese Frage beschäftigt seit geraumer Zeit die Regierung von Schwaben, wenn es darum geht, wie die Zukunft des Gebäudes der Fachoberschule und der Berufsoberschule aussieht. Die Schüler ergreifen nun selbst die Initiative und wollen mit einer Demo die Verantwortlichen zu baldigem Handeln bewegen. Denn die Räume, in denen sie unterrichtet werden, sind in einem katastrophalem Zustand.

Es soll Schüler geben, die mögen den "alten Fabriklook" ihrer Schule. Andere wiederum nennen die Bildungseinrichtung mehr oder weniger liebevoll ihr "baufälliges Gefängnis". Beiden Seiten ist jedoch klar: Es muss etwas geschehen - egal, ob die Lösung letztlich Abriss oder Erneuerung heißt.

Zum einen mangelt es an Toiletten. Zwei Schüler legten im Februar gleich zwei Brände in sanitären Anlagen. Weil die verbliebenen Toiletten die Last der 2300 Schüler nicht standhalten, fallen immer wieder Schulklos aus. Während die beiden Brandstifter bereits im September verurteilt wurden, sind die Toiletten noch immer nicht repariert. Markus Ruf, in der Schulleitung der Fos zuständig für den Sozialzweig, spricht von einer "schwierigen Kommunikation zwischen einer großen Menge an zuständigen Ämtern". Beteiligt sind das Hochbauamt, Ingenieure, die Schadenssanierer, das Liegenschaftsamt, die Versicherung und zuletzt die Schulleitung.

Einem dritten Feuer - dieses Mal ein Schmorbrand - fiel das Sekretariat zum Opfer. Was blieb, ist eine Wand aus Folie, geschmückt mit gestreiften Bändern, sowie ein improvisiertes Sekretariat einen Gang weiter mit Schultischen als Theke.

Problematisch ist im Gebäude aus den 70er Jahren auch der Brandschutz. Baupläne, die eigentlich hätten stimmen müssen, taten es nicht - und die Sanierung der nicht feuerfesten Flure scheiterte an überraschend vielen in den Wänden verlegten Leitungen. Der zweite Plan, feuerfeste Platten auf der Innenseite der Klassenzimmer anzubringen, scheiterte daran, dass die Deckenplatten aus asbestartigen Mineralfasern bestehen, die bei Bauarbeiten beschädigt werden könnten und somit Schadstoffe in die Luft abgeben würden.

Aber: "Solange das Asbest in gebundenem Zustand vorliegt, ist es laut heutigem Wissensstand nicht gefährlich", sagt Ruf. Allerdings berichten Schüler, dass einzelne solcher Platten bereits von der Decke gestürzt sind.

Das Ergebnis einer zweijährigen Brandschutzsanierung für 14 Millionen Euro sind nun eine Sprinkleranlage und die Erkenntnis, dass eine Brandschutzsanierung nicht ausreicht.

So leckt etwa das Dach der Schule. Eimer fangen das Wasser auf, ein Gebäudeteil wurde bereits als unbenutzbar deklariert. "Wir sind raummäßig am Limit", lautet das Urteil von Ruf.

Dieses Problem wiederum führt zu "Wanderklassen", die bei mehrfach belegten Klassenzimmern auch mal auf dem Fußboden unterrichtet werden.

Passieren muss also etwas. Was, das lässt der Regierungssprecher Karl-Heinz Meyer auf Nachfrage offen. Nur so viel: "Seitens der Regierung von Schwaben kommt die Gewährung von Zuschüssen für Baumaßnahmen in Betracht, die über den reinen Bauunterhalt hinausgehen." Geld wäre also vorhanden, allerdings erst, wenn die Planung abgeschlossen ist. Daran arbeite laut Bezirk die Stadt. Erschweren könnte das Prozedere, dass das Landesamt erwägt, den Komplex am Alten Postweg unter Denkmalschutz zu stellen. Der Baustil sei als "Nachkriegsmoderne" erhaltenswert.

Die Regierung arbeite derzeit parallel daran, den schulischen Bedarf zu ermitteln, um die künftige schulaufsichtliche Genehmigung aufrecht zu erhalten. Die Schüler demonstrieren am Freitag um 15 Uhr auf dem Moritzplatz dafür, dass es schnell eine langfristige Lösung gibt. Und dafür, dass Schulen generell bessere finanzielle Unterstützung erhalten. "Es kann nicht sein, dass jahrelang nur diskutiert wird", sagt Fos-Schülersprecherin Julia Engelsmann. "Wir sind nur drei Jahre lang hier - es interessiert uns jetzt."

(Von Laura Bongardt mit lib)
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