Schwäbischer Integrationspreis: Auch der Leberkäs’ ist „Zeichen von Migration“

Die Frauen des Projekts „faribag“ aus Schwabmünchen überreichten Innenminister Joachim Herrmann (rechts) eine selbst genähte Tasche im bayerischen Design. Foto: Patrick Bruckner

Was der Leberkäs’ mit Integration zu tun hat, darüber sinnierte am Freitag im Rokokosaal der Regierung von Schwaben Regierungspräsident Erwin Lohner. Zuvor zeichnete er fünf Projekte für ihre Arbeit auf dem Gebiet der Integration von Migranten in die Gesellschaft aus. Tatsächlich sei auch der Leberkäs’ einst von einem Migranten nach Bayern gebracht worden.

Der Integrationspreis ist mit 5000 Euro dotiert, die das Bayerische Staatsministerium des Innern, für Sport und Integration zur Verfügung stellt. Heuer erhielten zwei Projekte aus der Stadt Augsburg und jeweils ein Preisträger aus den Landkreisen Augsburg und Ostallgäu sowie aus der Stadt Kempten die Auszeichnung.

Das Freiwilligen-Zentrum Augsburg bekam den Preis für das Projekt Sport und Integration. Gemeinsam mit der Stadt Augsburg bringt das Freiwilligen-Zentrum Flüchtlinge und Sportvereine zusammen. Die zugewanderten Mitbürger füllen Fragebögen aus, welchen Sport sie gern ausüben möchten. Das Freiwilligen-Zentrum sucht mögliche Vereine und stellt den Kontakt her. Bislang konnten 700 Menschen in Sportvereine integriert werden. „Sportvereine sind großartige Beispiele, wo Integration hervorragend funktioniert“, sagte Innen- und Integrationsminister Joachim Herrmann. Im Sport sei es selbstverständlich, dass Menschen unterschiedlicher Herkunft in einer Mannschaft zusammenspielen, erklärte er.

Ein weiterer Preisträger war der Augsburger Martin Pfeil mit seinem Projekt „Channel Welcome“. Dabei handelt es sich um einen unabhängigen Online-TV-Kanal, der unter anderem auf einer eigenen Webseite über das Internet verbreitet wird und Beiträge, Portraits, Interviews, Nachrichten sowie Kommentare rund um das Thema Interkulturalität und Migration veröffentlicht. Vor und hinter der Kamera arbeitet ein internationales Team unter professioneller Anleitung. Lohner bezeichnete Channel Welcome als „wichtigen Bestandteil interkultureller Begegnung“.

Positive Botschaft in der Bevölkerung verbreiten

Für Integrationsminister Herrmann sei die Preisverleihung wichtig, betonte er, um auf die positiven Beispiele für Integration hinzuweisen und eine positive Botschaft in der Bevölkerung zu verbreiten. „Viele Bürger haben wenig Kontakt mit Migranten und Mitbürgern ausländischer Herkunft“, erklärte er. Das Gefährliche sei, dass diejenigen, die weniger Kontakt zu Migranten haben, leichter auf jemanden hereinfallen, der Vorurteile verbreitet. Um Vorurteilen entgegen zu wirken, entstand im südlichen Landkreis Augsburg in Schwabmünchen unter dem Dach des örtlichen Caritasverbandes im Jahr 2017 das Nähprojekt „faribag“. Durch gemeinsames Nähen von Taschen bekamen geflüchtete Frauen eine Chance, sich untereinander treffen zu können, in Teamarbeit etwas Nützliches zu fertigen und die deutsche Sprache zu verbessern.

Die Bezeichnung setzt sich aus dem Namen der ersten Näherin im Verein, Fariba, und dem englischen Wort für Tasche, Bag, zusammen. In drei Monaten fertigte faribag 100 Taschen, die die Frauen auf dem Schwabmünchner Stadtfest verkauften. Im vergangenen Jahr machten sich die Näherinnen mit dem Verein „faribag Integrationswerkstatt“ selbstständig.

Leberkäs' als "Zeichen von Migration"

Um die optimale psychotherapeutische Versorgung von traumatisierten und psychisch erkrankten Flüchtlingen und Migranten auszubauen und dauerhaft zu gewährleisten, unterstützt die Stiftung „Welten Verbinden“ das Projekt „Taff– Therapeutische Angebote für Flüchtlinge“ des Diakonischen Werkes Bayern. Für dieses Engagement erhielt die Initiative aus Kempten am Freitag den Integrationspreis.

Dass die Preisverleihung im Rokokosaal stattfand, sei für Lohner in mehrfacher Hinsicht sinnvoll – und an dieser Stelle kommt nun der Leberkäs’ ins Spiel. Auf einem großen Gemälde ist der ehemalige bayerische Kurfürst Karl Theodor abgebildet. „Ursprünglich stammt er aus Belgien“, erklärte Lohner. Der Kurfürst habe aus seiner Heimat den Leberkäs’ mit nach Bayern gebracht. Diesen betitelte Lohner als „Zeichen von Migration“.

Die letzte Ehrung der Veranstaltung wurde der Theaterschule „mobilé“ aus Marktoberdorf aus dem Landkreis Ostallgäu zu Teil. In der Berufsschule spielen deutsche und zugewanderte Jugendliche gemeinsam Theater und zeigen nach Ansicht des Regierungschefs von Schwaben, wie Kultur Menschen zusammen bringt. Bislang führten sie die Stücke „Völkerball“, „Völkerwanderung“ und „Völkerkunde“ auf.
„Die Preisträger schaffen die Voraussetzung für gleichberechtigtes Miteinander“, sagte Lohner. Dank ihnen würde kulturelle Vielfalt auf Augenhöhe gelebt.
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