Schwere Zeiten für das Grandhotel: Fehlende Einnahmen, unsichere Zukunft

Das Grandhotel Cosmopolis bietet Flüchtlingen und Reisenden eine vorübergehende Heimat. Fotos: Kristin Deibl
 
Seit vier Jahren hat hier auch Abdul Fall eine zweite Heimat gefunden.

Gitarrenklänge und Gesang hallen durch das Café des Grandhotels. Abdul Fall sitzt an einem Tisch, eine Tasse Kaffee vor sich, sein Instrument auf dem Schoß. Der Senegalese verbringt seine Zeit gerne im Grandhotel, erzählt er. Nicht nur, um die Gäste mit seiner Musik zu unterhalten, er hilft dort auch aus und schätzt den Kontakt zu seinen Kollegen. "Die Unterhaltungen haben mir geholfen, Deutsch zu lernen", sagt er. Fall ist seit vier Jahren in Deutschland und beinahe genauso lang ist das Grandhotel für ihn ein zweites Zuhause. Es ist für viele Flüchtlinge, Künstler und Touristen ein Ort der Gemeinschaft und ein Augsburger Vorzeigeprojekt. Doch seit zwei Jahren wird den Verantwortlichen langsam klar: So, wie das Hotel momentan organisiert ist, kann es nicht weitergehen.

"Wir haben gemerkt, dass wir uns auf andere Beine stellen müssen", sagt Stef Maldener, der das Grandhotel von Beginn an mit aufgebaut hat. "Jetzt geht's ums Überleben des ganzen Projekts", steht auf der Website des Hotels. Pläne, wie es in die Zukunft geführt werden könnte, gäbe es bereits einige. "Aber wir müssen erstmal durchschnaufen, während wir diese neuen Pläne weiterentwickeln", so Maldener. Dafür bittet das Hotel nun mit einem Spendenaufruf um Unterstützung.

Das Grandhotel sehen die Begründer des Projekts als ein gesellschaftliches Gesamtkunstwerk, als "soziale Plastik im Herzen Augsburgs". Es verbindet eine Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber, einen Hotelbetrieb, Ateliers und Werkräume sowie ein kulturelles und gastronomisches Angebot. Eine kleine Projektgruppe entwickelte das Konzept im September 2011, inzwischen sind 20 "Hoteliers", wie Mitarbeiter und Bewohner des Hotels genannt werden, ständig aktiv, etwa 200 Personen unterstützen das Projekt zeitweise.

Das Gebäude ist Eigentum des Diakonischen Werks und wird von zwei Parteien gemietet: Die Regierung von Schwaben finanziert die Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge, der Verein Grandhotel Cosmopolis betreibt sein Hotel-Projekt im Rest des Gebäudes. "Wir wollten immer ein Gemeinschaftsraum in jeglicher Hinsicht sein", erklärt Stef Maldener das Grundkonzept des Grandhotels. "Nicht nur örtlich, sondern für Leute jeglicher Herkunft und unterschiedlichen Standes. Im Grandhotel geht es um Austausch, Kommunikation, und darum, den Alltag gemeinsam zu bewältigen." Etwa 60 Asylsuchende leben in der Unterkunft.

"Es kommt nicht so viel rein, wie nötig wäre"

Das Projekt finanziert sich momentan durch die Einnahmen aus Hotel und Gastronomie sowie durch Spenden. Um möglichst viele Menschen zu erreichen, auch solche, die ein niedrigeres Einkommen haben, basiert vieles im Grandhotel auf einem mehrstufigen Preissystem: Bei Übernachtungen, im Café oder bei Konzerten können die Besucher selbst entscheiden, wie viel sie zahlen können und wollen. Ein Großteil der geleisteten Arbeit im Hotel erfolgt ohne finanziellen Ausgleich oder nur gegen geringe Aufwandsentschädigungen, dennoch fehlen dem Verein nun die finanziellen Mittel, um das Projekt weiterzuführen.

"Wir müssen der Diakonie Miete zahlen und die Strukturen finanzieren, zum Beispiel die Buchhaltung oder Projektentwicklung", erklärt Maldener. "Wir rufen die Leute auf, so viel zu geben, wie sie können, aber wir konnten das wohl nicht so sinnvoll kommunizieren, dass die Besucher es wirklich wahrnehmen." Nach Veranstaltungen landet oft nicht so viel im Spendentopf, wie man sich vorgestellt hatte. "Es kommt nicht so viel rein, wie nötig wäre", fasst Maldener zusammen.

Ideen für die Zukunft

Darum sei das Grandhotel Cosmopolis nun auf Spenden angewiesen, will auf längere Sicht Förderstrukturen aufbauen, etwa durch einen Förderverein. Auch andere Ideen haben die Hoteliers bereits, um die Zukunft des Hotels zu sichern, zum Beispiel die "Akademie". In Kooperation mit Institutionen wollen sie im Grandhotel Seminare anbieten. "Wir haben schon öfter mit dem Goetheinstitut und der Landeszentrale für politische Bildung zusammengearbeitet", sagt Maldener. "Und wir wollen auch gerne die Erfahrungen weitergeben, die wir selbst in den letzten Jahren gesammelt haben."

Am ersten November hat der Verein seinen Spendenaufruf gestartet. Bisher habe der Hilferuf viel Zustimmung erfahren, erzählt Maldener, der dankbar ist für die Unterstützung. "Denn wir wollen da bleiben", sagt er. "Wir wollen mit all den Leuten weitermachen, die uns mit so viel Herzblut unterstützen." (Von Laura Türk und Kristin Deibl)
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Christina Mayr aus Augsburg - City | 06.11.2018 | 13:42  
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