Sie leben in der Fuggerei: Neue Museen erzählen die Geschichten der Bewohner

Im „Museum der Bewohner“ werden die Menschen vorgestellt, die in der Fuggerei leben.
 
Zur Eröffnung des „Museums des Alltags“ durften die Bewohner das Band zerschneiden.

150 Menschen leben derzeit in der Fuggerei, der rund 500 Jahre alten Sozialsiedlung im Herzen Augsburgs. Seit Sonntag erzählen zwei neue Museen von den Lebensumständen und den Lebensgeschichten dieser Bewohner.

500 Gäste wohnen dem Festakt zur Eröffnung der Museen bei, bevor es in die Sozialsiedlung selbst geht und die neuen Museen in der Ochsengasse für die Öffentlichkeit frei gegeben werden.

„Da die Geschichte der Fuggerei untrennbar mit dem Leben ihrer Bewohner verbunden ist, erzählen die neuen Museen von den Geschichten und dem Alltag der Bewohner in der Sozialsiedlung und dem Wandel der Bedürftigkeit in den letzten 70 Jahren“, erklärt Wolf-Dietrich Graf von Hundt, Administrator der Fuggerschen Stiftungen, die hinter der Fuggerei stehen.

Eine Bewohnerin der Fuggerei erzählt

„Aber kein Foto und bloß nicht meinen vollen Namen!“ Die 85-jährige Thea hat es sich im Schatten gemütlich gemacht und beobachtet den Trubel aus sicherer Entfernung; genießt das spätsommerliche Wetter. Es sei ihr zwölftes Jahr in der Fuggerei, erzählt sie. „Ich möchte nirgendwo anders wohnen“, stellt Thea fest. Abends werde abgesperrt, da fühle man sich sicher. Und es herrsche keine Anonymität wie in einem Hochhaus. Hier kenne man sich, hier schaue man aufeinander. Kein Zweifel,  Thea ist gerne eine der Bewohnerinnen der Fuggerei.

Im „Museum der Bewohner“ in der Ochsengasse 46 erfahren die Besucher, wie ein glückliches Leben trotz Armut möglich ist, wie die Gemeinschaft in der Sozialsiedlung funktioniert, was es bedeutet, in einer touristischen Sehenswürdigkeit zu leben und welche Rolle die Familie Fugger und die Administration spielen. Und der Besucher erfährt hier viel über die persönlichen Geschichten der Bewohner.

Die "Herzkammer der Fuggerei"

An der audiovisuellen Station „Herzkammer der Fuggerei“ erzählen 14 Symbole die Geschichten von 14 Bewohnern. Da erzählt eine Frau, die in jungen Jahren als Ilona eine Schallplatte aufgenommen hat. Der große Durchbruch blieb ihr verwehrt. Oder die Geschichte des Zauberers Hardy, der ebenfalls in der Fuggerei untergekommen ist. An der Station lassen sich übrigens sowohl die Schallplatte anhören als auch die Tricks des Zauberers bestaunen.

Das „Museum des Alltags“ im Gebäude gleich daneben veranschaulicht, wie sich das Wohnen und Leben in der Fuggerei und die Bedürftigkeit in der Gesellschaft in den vergangenen 70 Jahren verändert hat.

"Alleinstellungsmerkmal im Augsburger Museumsspektrum"

Und das sei auch das Bemerkenswerte an diesen Museen zeigt sich Oberbürgermeister Kurt Gribl am Sonntag vom Konzept beeindruckt – und das nicht nur, weil seine Frau Sigrid das Konzept entscheidend mitentwickelt hat. „Diese beiden Museen haben ein Alleinstellungsmerkmal in unserem Augsburger Museumsspektrum. Sie sind im wahrsten Sinne des Wortes lebendig“, so Gribl

Die beiden neuen Museen gesellen sich zu den beiden bereits bestehenden Ausstellungen im historischen Fuggerei-Museum und im Weltkriegsbunker.
Nur eines fehlt jetzt noch in der Fuggerei. „Wir würden halt mehr Hausmeister brauchen“, sagt Thea und seufzt.

Geschichte der Fuggerei in Augsburg

Die Fuggerei wurde vor rund 500 Jahren von Jakob Fugger dem Reichen, auch im Namen seiner verstorbenen Brüder Georg und Ulrich, als Reihenhaussiedlung für bedürftige Augsburger erbaut und erfüllt seitdem ununterbrochen ihren Stiftungszweck. So ist es auf der Internetseite der Fürstlich und Gräflich Fuggerschen Stiftungs-Administration nachzulesen. Auch heute noch können demnach Menschen mit geringem Einkommen für 88 Cent Jahreskaltmiete und drei tägliche Gebete in der Fuggerei wohnen. Aktuell leben rund 150 Personen in den 142 Wohnungen der Fuggerei. Mit ihrer Größe von 15 000 Quadratmetern belegt die Fuggerei eine beachtliche Fläche nahe der Augsburger Innenstadt. Das Areal ist seit jeher durch eine Mauer von der Umgebung abgegrenzt, bis heute schließen die Pforten um 22 Uhr.

Die 67 Reihenhäuser mit je zwei Wohnungen entstanden ab dem Jahr 1516 in mehreren Bauabschnitten. Im Laufe der Zeit wurden außerdem die St. Markus-Kirche, zwei Museen und ein Verwaltungsgebäude errichtet. Für die beginnende Frühe Neuzeit war die Infrastruktur der Fuggerei mit ihrer geradlinigen Anordnung von Häusern, Wegen und Plätzen zukunftsweisend und visionär.

Mehr Informationen zur Fuggerei gibt es auf www.fugger.de.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.