Söder als Schirmherr beim 69. Sudetendeutschen Tag: Vertriebene Treffen sich im Augsburger Messezentrum

(Foto: Laura Türk)
 
(Foto: Laura Türk)

Beim 69. Sudetendeutschen Tag war Ministerpräsident Markus Söder zum ersten Mal als Schirmherr anwesend. 1954 übernahm der Freistaat Bayern die Schirmherrschaft über die Sudetendeutsche Volksgruppe, und machte sie damit neben den Altbaiern, Franken und Schwaben zum vierten Stamm Bayerns.

Vor den zahlreichen Vertriebenen und ihren Nachkommen, die zur Veranstaltung im Messezentrum gekommen waren, verlieh Bernd Posselt, Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe, Markus Söder eine Ehrenurkunde für die 20-jährige Mitgliedschaft in der Sudetendeutschen Landsmannschaft. In diese sei er eingetreten, erklärte Söder, da ihr Anliegen ihn als jungen Menschen beeindruckt habe: „Die alte Heimat nicht zu vergessen, aber sich in der neuen zu engagieren, sich sein Erbe zu bewahren, aber auch ein neues mitzugestalten, diese Einstellung hat mich von Anfang an begeistert.“ In seiner Rede lobte Söder die Sudetendeutschen für ihre Beiträge beim Wiederaufbau des Landes, aber auch für ihre Bemühungen zur Völkerverständigung.

Das Treffen der Sudetendeutschen findet jedes Jahr an Pfingsten statt. Der 69. Sudetendeutsche Tag begann am Freitag, unter anderem mit der Verleihung des Sudetendeutschen Kulturpreises und einer Kranzniederlegung durch Reinfried Vogler, den Präsidenten der Sudetendeutschen Bundesversammlung.

Am Pfingstsamstag wurde die Aktionshalle im Messezentrum eröffnet. An zahlreichen Ständen informierten die Sudetendeutschen über ihre alte Heimat und Kultur. Bernd Posselt verlieh den Europäischen Karls-Preis 2018 der Sudetendeutschen Landsmannschaft (SL) an Kardinal Christoph Schönborn, den Erzbischof von Wien.

Am Pfingstsonntag fanden ein Pontifikalamt und ein evangelischer Gottesdienst statt, bei der Hauptkundgebung sprachen schließlich Bernd Posselt, Markus Söder und der Bundesvorsitzende der Sudetendeutschen Jugend, Peter Paul Polierer.

In seiner Rede betonte Posselt die Bedeutung der Verständigung zwischen Bayern und Tschechien. „Pfingsten ist das Fest der Einheit, Liebe, Versöhnung und Verständigung.“ Aus diesem Grund würden diese Treffen auch an Pfingsten gefeiert. Posselt sei entschlossen, den Weg der Verständigung weiter zu gehen, und deshalb besonders dankbar, dass so viele Gäste, und zum ersten Mal auch ein Botschafter aus der tschechischen Republik gekommen seien. „Wir sind entschlossen, auf ein einiges Europa hinzuarbeiten“, sagte Posselt weiter.

„Mit unserer übernationalen Geschichte sind wir berufen, zu den Zertrümmerern von Klischees zu werden. Denn dann haben die Nationalisten kein so leichtes Spiel mehr, wie wenn sie mit ihren Schablonen und absurden ideologischen Konstrukten arbeiten.“
Die Sudetendeutschen lebten fast tausend Jahre lang gemeinsam mit den Tschechen in den Böhmischen Ländern, vor allem in ihren Randgebieten, aber auch in Prag und in Sprachinseln im Landesinneren. Nach dem zweiten Weltkrieg wurden sie entrechtet und aus ihrer Heimat vertrieben. Seitdem leben die meisten der über drei Millionen Vertriebenen und ihrer Nachkommen in Deutschland.

Die Sudetendeutsche Landsmannschaft setzt sich laut eigener Beschreibung dafür ein, dass diese Volksgruppe auch in Zukunft eine „lebendige und vielfältige Gemeinschaft bildet“.
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