Staatstheater Augsburg: Wie die Sanierungsarbeiten im Großen Haus vorangehen

Durch die Schlitze im Boden hätte auch Rauch in den Zuschauerraum dringen können. Der Boden muss noch komplett entfernt werden.
 
Hier versammelten sich 2016 zum letzten Mal Hunderte Zuschauer für die Vorstellungen des Augsburger Theaters. Nun schreiten im Großen Haus die Sanierungsarbeiten voran. Foto: Laura Türk

Es ist drei Jahre her, seit sich zum letzten Mal die Glastüren ins Foyer des Augsburger Theaters geöffnet haben, Besuchergruppen rechtzeitig zum Vorstellungsbeginn die Treppen zum richtigen Rang hinaufstiegen und sich dann in der Pause zu einem Glas Sekt an der Bar trafen. Hunderte Gäste versammelten sich während der Vorstellungen in dem imposanten Gebäude. So viele Besucher hatte das Haus schon lange nicht mehr. Zwischen 30 und 50 Mitarbeiter verschiedener Unternehmen arbeiten dort momentan Tag für Tag, ansonsten bleibt das Gebäude leer.

Von außen könnte man als Betrachter gar den Eindruck gewinnen, dass im Großen Haus gar nichts passiert. Dass dies nicht der Fall ist, verdeutlichte Norbert Reinfuss, Gesamtprojektleiter der Sanierung im Baureferat, gestern mit einer Führung durch die Baustelle. Was von außen nicht sichtbar ist: Im Theater herrscht inzwischen nicht nur gähnende Leere, was die Besucher angeht. Auch die Einrichtung und technische Ausstattung ist inzwischen größtenteils entfernt worden, der Abbruch der nötigen Bauteile fast abgeschlossen. Bis Ende des Jahres soll dieser vorbereitende Teil der Sanierung abgeschlossen sein, so dass es im Frühjahr 2020 mit dem Rohbau losgehen kann.

Eine der größten Aufgaben der Generalsanierung ist der Einbau eines neuen Belüftungssystems für den Zuschauerraum. Denn das veraltete Belüftungssystem hatte 2016 aus Brandschutzgründen die Schließung des Großen Hauses veranlasst. Durch den Doppelboden unter den Sitzreihen wäre im Brandfall nämlich nicht frische Luft, sondern Qualm in den Zuschauerraum gedrungen und hätte diesen in wenigen Minuten komplett verraucht.

Neuer Boden im Zuschauerraum

Alle Ränge müssen deshalb bis auf die Grundkonstruktion abgerissen werden. Die Bestuhlung ist bereits komplett demontiert, der Boden muss noch entfernt werden. An seiner Stelle wird dann erneut ein sogenannter "Druckboden" entstehen, der den Raum von unten belüftet. Solche Böden fände man zum Beispiel auch in modernen Kinos, erklärte Reinfuss. Für Besucher, die das Theater kennen, sei das Ergebnis im Zuschauerraum dann letztendlich "in vielen Punkten ähnlich, wie sie es verlassen haben." Eine Verbesserung wird womöglich auf dem dritten Rang festzustellen sein, der bislang nicht von unten belüftet wurde und darum häufig sehr warm wurde. Auch hier wird nun ein Druckboden eingebaut. Außerdem gibt es eine neue Bestuhlung, bei der man sich aber am ursprünglichen Stil aus den 50er-Jahren orientiert.

Auch sonst muss vieles aus Denkmalschutzgründen erhalten werden. Da das Theater eine deutschlandweite Sanierungsphase in den 70er-Jahren übersprungen hat, stammt die meiste Ausstattung noch aus den 50ern. Geländer, Glasabtrennungen und die Telefonzelle im Eingangsbereich müssen zum Beispiel während der Arbeiten besonders geschützt werden.

Archäologische Grabungen gehen weiter

Das Schwierige bei der Arbeit an einem Bestandsgebäude sei unter anderem, dass auch die vorhandenen Materialien noch einmal überprüft werden müssen, so Reinfuss. So habe man zum Beispiel festgestellt, dass der Stahl unter dem Dach nicht geschweißt werden kann. Nun müsse man sich Alternativen überlegen, zum Beispiel Verschraubungen. So etwas könne den Bau dann auch verzögern.

Bislang geht das Baureferat aber weiter davon aus, dass das Große Haus Ende 2023 fertiggestellt wird. Auch erste Tiefbaumaßnahmen für den neuen Trafo-Keller haben begonnen. Parallel zu den Arbeiten im Großen Haus gehen die archäologischen Grabungsarbeiten um das Theater weiter. Derzeit sind die Archäologen vor dem Verwaltungsgebäude beschäftigt, wo sie Mauerreste aus dem 13. Jahrhundert und Überreste und Keramik aus der Römerzeit entdeckt haben.

Im Januar sollen dann die Grabungen auf dem Gelände der ehemaligen Brechtbühne beginnen, wo der Bauteil 2 entstehen wird. Hier erwarte man "noch intensivere römische Bebauungen" als bisher, erklärte Stadtarchäologe Günther Fleps. Die Arbeiten werden hier also noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Das Baureferat macht sich deshalb auch noch keine Sorgen, dass es aufgrund der neuen Planungen für einen günstigeren Bauteil 2 zu größeren Verzögerungen kommen wird.
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