Stadt Augsburg ersteigert in Paris Fugger-Putten für 2,5 Millionen Euro

Die Putten kehren heim: Nachdem sie über Hundert Jahre lang verschollen waren, kann man die Figuren aus der Fuggerkapelle nun im Maximilianmuseum betrachten. Foto: Sotheby's Paris

Es ist das, wovon jeder Kunstsammler und Museumsdirektor träumt: Einmal im Leben einen sensationellen Fund machen. Das ist jetzt in Augsburg gelungen. Das renommierte Auktionshaus Sotheby's versteigerte im Mai in Paris aus dem Nachlass von Arthur Baron von Schickler zwei Putten. Und die Stadt bekam den Zuschlag. Für 2,5 Millionen Euro kehren die Engel, deren Schätzwert bei 800.000 bis 1,2 Millionen Euro lag und die aus der Fuggerkapelle in der Annakirche stammen, zurück.

Die Fuggerkapelle ist neben der Goldschmiedekapelle der vielleicht bekannteste und kurioseste Teil der evangelischen Annakirche. Sie ist auch heute noch in katholischem Besitz. Der plastische Schmuck, mithin die Putten, werden den Bildhauern Adolf und Hans Daucher zugeschrieben.

Jakob Fugger hortete ein "Konto für Gott". Der reiche Kaufmann hoffte, sich sein Seelenheil erkaufen zu können. Er stiftete die weltbekannte Sozialsiedlung Fuggerei und 1509 mit seinem Bruder Ulrich sowie im Gedenken an seinen 1506 verstorbenen Bruder Georg eben auch die Fuggerkapelle, die als Grabkapelle der katholischen Familienangehörigen diente. Jakob Fugger sah seiner Erhebung in den Adelsstand entgegen und wollte seine Stellung innerhalb der Patrizierfamilien wohl betonen; entsprechend prächtig ausgestaltet wurde die Kapelle. Als Jakob Fugger 1525 starb, wurde er in ihr beigesetzt.

Sie gilt als frühes Zeugnis der kulturellen Symbiose von Renaissance und Augsburger Traditionen. Maßgeblich bestimmte wohl Albrecht Dürer die Planungen, doch die Ausstattung zeugt vom Können regionaler Künstler. 1518 wurde die Kapelle geweiht. 1548 ging die ehemalige Karmeliterkirche in den Besitz der Protestanten über, doch die Fugger-Kapelle blieb katholisch und die Familie sorgte weiterhin für deren Unterhalt. 

Attrappe wurde 2001 gestohlen

Einst sollen es, davon ging man bislang aus, sechs Daucher-Putten gewesen sein, die auf der marmornen Balustrade saßen, welche die Kapelle von der Kirche trennte. 1818 wurden die Engelchen samt Balustrade entfernt. Als man die Kapelle dann Anfang der 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts renovieren wollte, fanden sich fünf der sechs Putten in der Region Augsburg. Die sechste blieb verschollen. Um sie zu ersetzen, ließ man damals eine Kopie anfertigen. Ausgerechnet die Attrappe wurde 2001 entwendet. Glück im Unglück, könnte man sagen, jedenfalls nahm die Familie Fugger den Diebstahl als Warnung. In Absprache mit der Stadt landeten die Putten als Leihgabe im Maximilianmuseum, wo sie besser geschützt sind. An ihre Stelle kamen hochwertige Kopien in die Kapelle. 

Allein aus Steuergeldern hätte man die nun entdeckten Putten nicht bezahlen können. Die Ernst von Siemens Kunststiftung, die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Monika Grütters, die Kulturstiftung der Länder sowie die Stadt Augsburg konnten sie im Rahmen eines gemeinschaftlichen Engagements erwerben. 

Nach dem Fund in Paris - er befand sich übrigens rechtmäßig im Besitz Baron Schicklers - geht man davon aus, dass Daucher offenbar nicht sechs, sondern sieben Putten anfertigte. Ob auch die siebte jemals auf der Balustrade saß, ist jedoch fraglich.

Die beiden ersteigerten Putten jedenfalls haben im Maximilianmuseum nun eine neue Heimat gefunden. (mg)
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