Stadtberger Geschichten: Lebensmittel aus der Leitung - Wasser marsch!

Bau des Wasserbehälters in Leitershofen1912. Die Bauarbeiter Markus Reiter und Lorenz Fischer bekamen auf Zuruf vom nahegelegenen Gasthaus Nervenheil Bier geliefert. Die Koordinaten für einen GPS-geführten Spaziergang: N 48° 21’11“ / E 10° 49’ 45“ Foto: Sammlung Werthefrongel
 
Der Leitershofer Hochbehälter heute: ein baumbewachsener Spielplatz auf dem Gelände des TSV. Foto: Monika Saller

Die Leitershofer Alm ist voller Wasserleitungen und Speicherbehälter aus verschiedenen Epochen der Wasserversorgung. Daneben findet man auf Stadtberger Gebiet zahlreiche Brunnen und den Wasserturm als Beispiele für die ständig wachsenden Ansprüche an unser wichtigstes Lebensmittel.

Das Wasser kommt aus dem Hahn – in unseren Häusern, zu jeder Tages- und Nachtzeit und in unbegrenzter Menge. Außerdem hat es immer eine hervorragende Qualität – wenn nicht, geht ein Aufschrei durch die Bevölkerung. So sind wir das gewohnt. Doch es war ein langer Weg, bis die Wasserversorgung in Stadtbergen, Leitershofen und Deuringen beim heutigen Standard angekommen war.

Die Zeit der Hausbrunnen

In Deuringen war es bis 1960 am einfachsten, vor jedem Anwesen einen Brunnen zu haben. Zunächst waren das Ziehbrunnen mit einer Eimerwinde bei einem täglichen Verbrauch von etwa zehn bis 15 Litern pro Person. Im späten 19. Jahrhundert wurden zunehmend gusseiserne Schwengelpumpen eingesetzt – übrigens auch in Leitershofen und Stadtbergen. Sie waren deutlich effektiver. Einem der Ziehbrunnen ist die Ehre gewährt worden, als hübsches Denkmal an der Sandbergstraße an diese Zeit zu erinnern. Dem zugehörigen Haus war die Straße zu nahe gekommen. Es wurde nach einigen Unfällen – einmal war sogar ein amerikanischer Panzer bis ins Wohnzimmer gefahren – und dem Tod der letzten Bewohnerin, abgerissen. In einigen Gärten der Deuringer stehen noch andere Ziehbrunnen als Schmuckstücke. Nachdem 1961 der Ort an das Wasserversorgungsnetz Augsburgs angeschlossen worden war, durften sie nicht mehr benutzt werden. Die Wasserqualität hatte durch Bevölkerungswachstum und Bodenbelastung stark gelitten. Natürlich machte sich auch der steigende Bedarf durch einen veränderten Lebensstil bemerkbar – 1987 betrug er bereits 100 Liter pro Tag und Person.

Logistik unter der Erde

Während Privatleute und Bauern sich noch an ihren Hausbrunnen bedienten, gab es in Stadtbergen ab 1872 einen Löschwasserspeicher mit einem Pumpwerk, das auf schnellem Weg Wasser zur Brandstelle beförderte. Außerdem existierten bereits einige unterirdische Gefälleleitungen für Betriebe mit hohem Wasserbedarf, wie beispielsweise dem Brauhaus. 1908 begann man mit einer großen Umgestaltung. Der Wasserturm wurde gebaut und mit ihm eine Brunnenanlage, eine Pumpstation – sie stand direkt am Fuß des Kellerberges nahe dem Turm – Rohrleitungen mit Anschluss- und Hausleitungen. Ganz Stadtbergen muss eine große Baustelle gewesen sein. Gedeckt werden musste ein Tagesbedarf von bis zu 80 m³, die der Turm speichern konnte. Immer wieder wurden die bestehenden Einrichtungen an neue technische Möglichkeiten und Erfordernisse angepasst, beispielsweise 1920 mit leistungsfähigeren Pumpen. 1935 war die Kapazität dennoch schon zu gering und man baute einen Kilometer weiter südlich einen unterirdischen Betonbehälter.

Anreiz für die Kommune, das Wasserproblem anzugehen, war unter anderem die noch neue Möglichkeit von Fördergeldern aus der „wertschöpfenden Arbeitslosenfürsorge“. Der Bau von Leitungen ermöglichte außerdem das Erschließen von Bauland in bevorzugter Lage und das Entstehen von deutlich höherem Wasserdruck für die Haushalte. Das alte Pumpenhaus wurde bereits 1966 nicht mehr gebraucht und abgerissen, der Brunnen zugeschüttet und der Turm war lange Zeit sich selbst überlassen. Während des Krieges hatte er zeitweise als Fluchtort für Kinder aus Pfersee gedient. Schließlich erbarmte man sich dieses besonderen Bauwerks im Stil des Historismus und sanierte unter strengen Auflagen des Denkmalschutzes 1984 den Turm, der heute außergewöhnliche Büroräume beherbergt. Während eines Tages des offenen Denkmals 2009 konnten die Stadtberger in ihren Wasserturm und von seiner Dachplattform die Aussicht genießen, was sie zahlreich nutzten.

In Leitershofen wurde 1912 ein großer Betonspeicher errichtet – in unmittelbarer Nähe der Nervenheil-Gaststätte, was den Bauarbeitern einen Getränke-Nachschub auf Zuruf bescherte. Der Behälter war bis 1964 in Betrieb. Heute ist er als baumbewachsener Hügel auf dem Gelände des TSV erst auf den zweiten Blick als technisches Bauwerk erkennbar und perfekt in einen Spielplatz integriert. Auch zu diesem Speicher gehörte ein Pumpenhaus, das bis 1984 beim Unteren Schloss stand. 1941 begann man auf der Leitershofer Alm einen neuen, bereits an die Augsburger Stadtversorgung angegliederten Hochspeicher zu bauen. Bis heute befindet sich hier das „Wasserwerk Leitershofen“, das ausschließlich Wasser für Augsburg liefert. Das große eingezäunte Gebiet mit vielen Überläufen, Wartungsschächten und anderen technischen Details lässt die Dimension erahnen, in der man heute hier mit zwei Brunnen in einem Hochbehälter Wasser sammelt. Dieser hat seinen Namen vom Standort über dem Versorgungsgebiet.
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