Stadtberger Geschichten: Projekt an der Parkschule - Auf der Spur von Rohstoffen

Ein Blick auf die Erde: Holger Voigt macht mit den Schülern eine Rohstoffexpedition um den Globus. Foto: Monika Saller
 
Eine kleine Menge Gold ist in jedem Handy verarbeitet. Die Kinder staunen über die Auswirkungen, die der Abbau verursacht. Foto: Monika Saller
 
Der Abbau-Krater der Yanacocha-Goldmine in Peru. Foto: Monika Saller

Globale Zusammenhänge verstehen und das Konsumverhalten überdenken, das sollen Schüler der Parkschule von der Rohstoffexpedition um die Erde mitnehmen. Wer weiß schon, was alles in einem Handy steckt, wo die „Zutaten“ herkommen und warum alte Geräte nicht in der Schublade verstauben sollen. Auch die Frage „Was kann ich selbst tun?“, wird beantwortet.

„Wie viele Handys habt ihr schon besessen?“ Mit dieser Frage eröffnet Holger Voigt von der Germanwatch Rohstoffexpedition seine Reise zu den großen Abbaugebieten der Erde. Freimütig antworten ihm die 13- bis 15-jährigen Schüler der Parkschule Stadtbergen, dass sie bereits bis zu fünf mobile Telefone verschlissen haben. Damit liegen sie im allgemeinen Trend, denn alle 18 Monate wechseln wir im Durchschnitt zu einem neuen Smartphone. Mit diesem Beispiel und einer Bildergalerie, die unter anderem ein Wettersatellit direkt in die Schul-Aula liefert, zeigt der Diplom-Biologe anschaulich, wie und wo auf dem gesamten Globus Rohstoffe gewonnen werden und warum sich unser Konsum nachhaltiger gestalten muss. Eines der Satellitenbilder zeigt eine aus vielen Aufnahmen zusammengesetzte Komplettansicht der Kontinente bei Nacht. Deutlich ist hier zu sehen, wo auf der Erde Energie für Licht verbraucht wird. Während der afrikanische und der südamerikanische Kontinent und auch der größte Teil Australiens weitgehend dunkel sind, leuchten Nordamerika, Europa und Japan wie ein dichtes Sternenbild. Hier werden die Ressourcen der Erde verbraucht, viel mehr als diese das verträgt.

Riesige Flächen und Krater

Die „Expedition“ startet mit einem Blick auf die blaue Erde. Dieses große Ganze hat überall Bodenschätze zu bieten und für den modernen Lebensstil nutzen wir das in sehr großem Stil. Einer der Rohstoffe, die für Smartphones gebraucht werden, ist Lithium. Das Bild des Satelliten zeigt einen aus dem All erkennbaren riesigen Salzsee in Bolivien, den Salar de Uyuni – das weltweit größte Vorkommen von Lithium, das in Akkus verarbeitet wird. Bei der Gewinnung wird sehr viel Wasser verbraucht, der Grundwasserspiegel der Umgebung sinkt. Für die Batterie eines Elektroautos werden 50 Kilogramm des Lithiumkarbonats gebraucht.
Dann werden eine Handyplatine und ein winziges Fläschchen mit Goldpartikeln in Wasser durch die Reihen der Schüler gereicht. 0,034 g, so viel Gold steckt in jedem Smartphone, genauer gesagt in den Kontakten dort. „Das ist aber wenig“, meinen die Kinder. Der Referent beginnt zu rechnen und kommt bei 250 g Gold für eine knappe Tonne Handys heraus. Dann zoomt er vom Weltbild erneut nach Südamerika, diesmal zur riesigen Goldmine Yanacocha in Peru, die mit der Goldwäscher-Romantik aus Westernfilmen so gar nicht zusammenpasst. Eine über 250 km² große und 1000 Meter tiefe Narbe hat der Goldabbau in die Erdoberfläche gerissen und wer dann erfährt, dass dabei zahlreiche Gifte in Gewässern landen, unter anderem Natriumzyanid und Quecksilber, beginnt zu begreifen, wie wertvoll die kleine Menge Gold in einem Handy tatsächlich ist. Menschen verlieren in der Umgebung ihre Lebensgrundlage und haben von dem geförderten Reichtum nichts. Wer dann noch hört, dass das Gold in einem einzigen Gerät mindestens 100 kg Abraum und Sondermüll erzeugt, lernt sein Altgerät in der hintersten Schublade mit anderen Augen zu sehen. Eine weitere Station ist der riesige Schlund einer Kupfermine in der chilenischen Atacama-Wüste. Auch Kupfer wird im Handy für Kontakte und außerdem für Leitungen gebraucht.

Zur Herstellung rund um die Welt

Nun geht ein hübscher brauner Stein mit noppenartigen Einschlüssen durch die Hände der Kinder. Bauxit enthält Aluminiumerz. Dieser Rohstoff wird in großem Stil in Australien abgebaut. Weil die Gewinnung von Aluminium aus Bauxit einen extremen Stromverbrauch mit sich bringt, reisen die Steine an das andere Ende der Welt. In Island, wo die Energie für Stromgewinnung quasi schon da ist, wird das Aluminium produziert. So bekommt ein Handy zum Beispiel sein Gehäuse.
Eine Zwischenstation macht die Leinwand-Expedition am Nordpol, wo Langzeitbeobachtungen auch für die Schüler sehr deutlich den Rückgang des Sommereises dokumentieren. Eine Diskussion kommt auf – den Anstieg des Meeresspiegels auf der großen Erde aufgrund schmelzender Gletscher, können die Kinder sich nicht so richtig vorstellen.
Nun landet die Rundreise tatsächlich in Deutschland. Wieder gehen Handmuster durch die Reihen. Diesmal sind es faustgroße metallisch glänzende Brocken Steinkohle und auch braunkohlehaltiges Gestein. Ein Satellitenbild zeigt das Rheinland, wo große Flächen farbig markiert sind. Beim Näherzoomen entpuppen sich auch diese Gebiete als riesige Abbaukrater an der Erdoberfläche. Denn Deutschland gehört zu den weltweit größten Förderern von Braunkohle. Auch bei uns muss für die Rohstoffgewinnung Lebensraum für Natur und Mensch weichen – in diesem Fall zur Energiegewinnung. Um beim Beispiel Handy zu bleiben, wird sie zur Herstellung und Betreibung der zahlreichen Einzelgeräte benötigt.
Holger Voigt beendet seine Reise über den Globus wieder mit der Ansicht der blauen Erde, wie man sie aus weiter Entfernung sehen kann. Auch dort oben kreisen Rohstoffe ungenutzt in der Umlaufbahn: 8000 ausgediente Satelliten sind eine beachtliche Menge Weltraumschrott.

Jeder kann etwas tun

Nun sollen die Schüler nicht mit einem Gefühl der Ohnmacht wieder zurück in ihren Alltag geschickt werden. Die Botschaft Re-think, Re-fuse, Re-duce, Re-form, Re-act, Re-pair, Re-cycle wird ihnen als Fahrplan mitgegeben. Wenn jeder damit sein Konsumverhalten kritisch unter die Lupe nimmt und seltener Neuwaren kauft, seine Geräte weitergibt, nach Möglichkeit reparieren lässt, Altgeräte den Sammelstellen zur Wiederverwertung zukommen lässt, kann der Raubbau reduziert werden. Geschätzte 100 Millionen Alt-Handys liegen irgendwo in deutschen Haushalten herum, also deutlich mehr, als wir Einwohner sind. Mehr als 60 verschiedene Stoffe sind dort verarbeitet, darunter 30 Metalle. Edelmetalle können zu 98 Prozent wiedergewonnen werden.
Die Rohstoffexpedition reist unter der Schirmherrschaft der Bayerischen Ministerin für Umwelt- und Verbraucherschutz, Ulrike Scharf, weiter und wird morgen an einer anderen Schule Kindern die Sorgen der Erde zeigen, die unser Konsumverhalten auslöst. Gefördert wird das Projekt von der Bildungsinitiative Lightcycle. Bei der Rohstoffwoche im Raum Augsburg, die auch in Schwabmünchen und Welden Station machte, setzte sich der Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises Augsburg als Partner mit ein. Deshalb kamen nach Stadtbergen auch als Gäste Helga Thalmann-Schwarz vom Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises Augsburg und Jürgen Beckmann vom Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU). Informationen gibt es unter www.lightcycle.de
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