Stadtberger Geschichten: Schäferhunde in Stadtbergen - Nervenfest, treu und anhänglich

Foto: Schäferhundeverein Stadtbergen, Ulrike Herdegen
 
Was aussieht wie ein gemeinsamer Spaziergang ist für alle Beteiligten harte Arbeit. Die jungen Hunde müssen lernen, wie man sich in einer Gruppe benimmt. Foto: Monika Saller
 
Was aussieht wie ein gemeinsamer Spaziergang ist für alle Beteiligten harte Arbeit. Die jungen Hunde müssen lernen, wie man sich in einer Gruppe benimmt. Foto: Monika Saller

Was ein Schäferhund alles kann, erzählen die Mitglieder des Stadtberger Schäferhundevereins. Und was in der langen Vereinsgeschichte passiert ist. Manchmal kämpfen sie gegen Vorurteile ihren Tieren gegenüber.

Die sechs jungen Schäferhunde sind aufgeregt. So viele Artgenossen, die sie noch nie gesehen haben – und jeder sucht sofort nach seiner Position in diesem Rudel auf Zeit. Sie zerren an ihren Leinen, knurren, bellen – sie müssen noch viel lernen. Genau das ist der Grund, warum sie an diesem Tag hier auf dem Gelände des Schäferhundevereins zusammengeführt worden sind. Gruppenarbeit nennt sich die Übungseinheit. Auch für die Halter ist das anstrengend – ein Schäferhund ist kein Leichtgewicht und hat richtig Kraft. Deshalb ist die „Sozialisierung“ auch besonders wichtig und die Basis für alle weiteren Prüfungen, die ein Sport- oder Familienhund so absolvieren kann. Auch Tiere, die später für eine größere Aufgabe ausgebildet werden, beginnen erst einmal damit, wie Hund sich in einer Gruppe benehmen muss. Miteinander gehen, aneinander vorbei gehen, sitzen bleiben und ruhig bleiben, obwohl rundherum Gewusel herrscht und nur das tun, was ausdrücklich erlaubt und von ihnen gefordert wird. Nach einiger Zeit beruhigen sich die Tiere und schon sieht alles aus wie ein ganz entspannter Spaziergang. Dass alle Beteiligten aber ihre volle Konzentration brauchen, sieht man spätestens am Ende der Übung: Die Hunde sind sichtlich k. o., als hätten sie einen langen Lauf durch die umliegenden Hügel hinter sich. Kopfarbeit ist auch Arbeit.


Fast 80 Jahre Erfahrung

Dass Hunde – vor allem große – eine Ausbildung brauchen, ist ein Grund für das Bestehen des Schäferhundevereins, der über einen deutschen Dachverband verfügt und sich allein im Raum Augsburg aus acht Ortsgruppen sowie in Bayern aus 19 Landesgruppen zusammensetzt. Die Gruppe in Stadtbergen kann schon auf eine sehr lange Vereinstradition zurückschauen. Im nächsten Jahr können die derzeit etwa 40 Mitglieder mit ihren 40 bis 50 Hunden den 80. Geburtstag der Ortsgruppe feiern. Der aktuelle Standort des in Eigenregie erbauten Vereinsheimes ist perfekt für die Bedürfnisse der Zwei- und Vierbeiner. Hier steht ein großes Gelände zum Üben zur Verfügung, ein ganzer Wald zum Spazierengehen, Laufen und auch Fährtensuchen – alles abgesprochen mit Förstern und Landwirten. Die Pferde auf dem Nachbargrundstück sind an die Hunde gewöhnt und lassen sich nicht stören. Bis man aber 1981 hier ein endgültiges Domizil fand, waren einige Umzüge zu bewältigen, denn die Ortsgruppe wurde am 11. November 1939 unter dem Namen OG Augsburg Nord gegründet, weil sich der erste Übungsplatz im Norden von Augsburg, in der Nähe des Gaskessels, im Stadtteil Oberhausen befand. 1951 zog man auf das Gelände der Familie Kranzfelder, den Ziegelstadel um – mit Leiterwagen. In diesem Jahr wurde die Landesgruppenausscheidungsprüfung durchgeführt und es wurde begonnen, ein kleines Vereinsheim zu bauen. In der Chronik des Vereines kann man weiter lesen: „1978 wurde das Gelände, auf dem wir mit unseren Hunden übten, verkauft. Die Vereinshütte musste abgebaut werden. Wir fanden jedoch in unmittelbarer Nähe eine neue Bleibe. Als Unterkunft diente uns dann mehr als zwei Jahre lang ein alter Bauwagen. Trotz dieser Umstände ging der Übungsbetrieb weiter.“ Eine weitere Komplikation machte den Hundefreunden 1989 zu schaffen, als sie vom Eigentümer ihrer Wiese, den amerikanischen Truppen, gekündigt wurden. Die fühlten sich in ihrem militärischen Übungsbereich durch den An- und Abfahrtverkehr der Hundebesitzer gestört. Nur durch Fürsprache des Bundestagsabgeordneten Eduard Oswald war die US-Armee bereit, die Kündigung zurückzunehmen. Konsequenterweise wurde der Name der Ortsgruppe 1992 an den aktuellen Heimatort angepasst.
Erst seit 1975 – man glaubt es kaum – haben Frauen Zutritt zum Verein. Interessanterweise räumten die vier ersten Damen bei ihrer Premiere bei Pokalkämpfen auch gleich die vier ersten Plätze ab mit ihren Siegerhunden. Damit waren alle Zweifel ausgeräumt.


Eine hundeverrückte Familie



Aus einer Familie gibt es zurzeit gleich vier Generationen, die sich im Schäferhundeverein engagieren. Der Vorsitzende Eberhard Kuppitz ist gleichzeitig das älteste Vereinsmitglied mit seinen 86 Jahren. Seine Tochter Ulrike Herdegen gehört dem Verein auch schon seit 44 Jahren an. Ihren ersten Hund bekam sie zum 16. Geburtstag. Ihre elfjährige Enkelin Lara hat auch schon einen eigenen Hund mit dem klingenden Namen Wera von der Römerhalde, die eine Ausbildung beim Schäfer machen darf.

Überall gebraucht

Wie ihr Name verrät, waren Schäferhunde tatsächlich zuerst für den Hütedienst gefragt. Wegen ihrer Lernbereitschaft und Sportlichkeit bekamen sie schon bald andere Aufgaben und sind heute nicht nur treue Familienbegleiter, sondern werden zahlreich intensiv für Tätigkeiten ausgebildet, wo ihre dem Menschen überlegenen Fähigkeiten gebraucht werden. Da gibt es medizinische Aufgaben für Begleithunde für Blinde und andere Körperbehinderte. Viele Hunde tun Dienst bei Polizei, Zoll und Rettungsdiensten. Sie suchen nach Verschütteten, Vermissten, Sprengstoff und Drogen, schützen und wachen. Viele Leute haben Schäferhunde als „bösen Hund“ in ihrem Gedächtnis abgespeichert. Die Tatsache, dass die Hunde Wölfen noch sehr ähnlich sehen – und die haben bekanntlich auch ein Image-Problem – könnte dabei eine Rolle spielen. Dabei sind die Tiere bei guter Erziehung und ausreichender körperlicher und geistiger Auslastung ausgeglichen, selbstsicher, nervenfest, treu und anhänglich.
Individuelle Stärken erkennen
Genau hier kommt das Vereinsleben ins Spiel. Die Mitglieder treffen sich, tauschen ihre Erfahrungen aus, lernen voneinander und vor allem üben sie mit ihren Schäferhunden. Neben der Sozialisierung werden die Hunde auf alle Pokalkämpfe im sportlichen Bereich, auf die inzwischen verbindliche Wesensprüfung im Alter von neun bis 13 Monaten und manche auch auf ihren perfekten Auftritt bei Ausstellungen vorbereitet. Fährte, Unterordnung und Schutzdienst heißen die Übungsfelder. Dafür hat der Verein erfahrene Leute, die wissen worauf es ankommt und wie man es macht.

Prüfungs-Vorbereitung

Nach den jugendlichen Hunden zeigt nun auch noch Hombre, was er schon alles gelernt hat. Der pechschwarze Hund mit dem in der Sonne glänzenden Fell bereitet sich auf seine zweite Prüfung vor und gibt alles. Konzentriert und folgsam geht er bei Fuß, auch wenn Störmanöver ihn aus dem Konzept bringen wollen. Er legt sich hin, wartet, bis er aufgefordert wird und sprintet dann quer übers Gelände. Er springt und klettert über Hindernisse, um dort hinten seine „Beute“ abzuholen und auf dem gleichen Weg zurückzukommen. Hombre hat sichtlich Spaß an seiner Arbeit mit dem Namen „Unterordnung“ und nimmt am Ende neben seinem Herren Platz, wie ihm geheißen wird. „Der Hund sitzt schief“ sagt jemand von den umstehenden Profis. Oh je, das gibt Punktabzug. Doch noch nicht perfekt. Da hilft nur: nächsten Samstag wieder kommen und weiterüben.

Der Schäferhundeverein OG Stadtbergen freut sich über neue Mitglieder in seinen Reihen. Der mitgebrachte Hund muss kein Schäferhund sein. Auch jede andere Rasse und Mischlinge bereichern das Vereinsleben. Geübt wird am Wochenende in den verschiedenen Disziplinen. Näheres finden Interessierte hier: www.sv-og-stadtbergen.de
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