Stadtberger Geschichten: Stadtbergen blüht natürlich - Stadt setzt sich für Artenschutz ein

Die Tabelle der Kinder, für welche in Stadtbergen ein Baum gepflanzt worden ist. Foto: Jana Häring
 
Streuobstbäume. Foto: Jana Häring
 
Eine Stange für Vögel auf Mäusejagd. Foto: Jana Häring

Die Artenvielfalt ist ein Thema, auf das spätestens das Volksbegehren Anfang des Jahres aufmerksam gemacht hat. Auch Stadtbergen hat es sich zur Aufgabe gemacht, einen Teil zum Artenschutz beizutragen, wobei sich Bürgermeister Paulus Metz selbst engagiert. Es gibt eine Menge Möglichkeiten, Wohnraum für Lebewesen zu schaffen.

von Jana Häring


Das Volksbegehren sorgte Anfang des Jahres für eine Menge Diskussion. Hierbei geht es darum, das Aussterben der Insekten, hauptsächlich der Bienen und der Hummeln, zu verhindern. Gründe für das Verschwinden der Arten sind Klimaveränderungen, die Ausbreitung von nicht einheimischen Arten, die Veränderungen der Landnutzung und die Stickstoffbelastung von Gewässern. Durch die Volksabstimmung wurde der Bevölkerung die Problematik dieser Tatsachen nähergebracht und ein Umdenken hat begonnen. Jeder kann seinen Teil dazu beitragen, um die Artenvielfalt zu stärken und Lebensraum für Insekten zu schaffen.

Auch Stadtbergen beschäftigt sich intensiv mit dem Thema Artenschutz und das schon seit zehn Jahren. Das Insektensterben ist beängstigend und zerstört nicht nur Stück für Stück unser Ökosystem, sondern verursacht auch wirtschaftliche Schäden durch die zurückgehenden Bestäubungsleistungen. Die Zahl der Vögel, Amphibien und Fledermäuse geht ebenfalls zurück, da Insekten ihnen als Ernährungsgrundlage dienen. Die Stadt Stadtbergen wirkt dem entgegen, indem sie auf ihrer Website darauf aufmerksam macht, was sie für die Artenvielfalt macht und wie jeder einzelne sich dafür einsetzen kann.

Glyphosat macht Bienen krank

Dem Pflanzenschutzmittel Glyphosat, welches durch mögliche Gesundheitsrisiken schon lange im Fokus der Diskussion über den Einsatz von Pestiziden steht, wurde im September 2018 eine schädliche Wirkung auf Honigbienen nachgewiesen. Die Darmbakterien der Bienen werden geschädigt, wodurch ihr Immunsystem geschwächt wird. Stadtbergen geht dem Problem entgegen, indem die Stadt sich selbstverpflichtet hat, kein Glyphosat auf den kommunalen Flächen anzuwenden. Außerdem verzichten die Stadtberger vollkommen auf Gentechnik. „Heutzutage ist es jedoch nichts allzu Besonderes mehr, da ganz Bayern meines Wissens nach auf Gentechnik verzichtet. Jedoch war Stadtbergen vor sieben Jahren eine der ersten Städte, die sich dagegen eingesetzt hat“, sagt Paulus Metz.

Erhalt der Natur in und um Stadtbergen

Ein beliebter Naherholungsort ist die Streuobstwiese am Nikolausdamm, welche die Stadt unterhält. Diese hat ihren Namen daher, dass auf der ganzen Wiese verstreut Obstbäume stehen. Zu Streuobst zählen beispielsweise Äpfel, Birnen und Kirschen. Auf der Wiese in Stadtbergen findet man einen Platz für Schmetterlinge und Bienen, die sich hier sehr wohl fühlen, eine Sitzstange für Vögel, die sich auf Mäusejagd begeben und fast ausgestorbene Baumarten wurden angepflanzt. Außerdem gibt es Sitzgelegenheiten für Besucher, die hier die Natur genießen wollen. Darüber hinaus steht das Obst, das hier wächst, allen zur Verfügung. Falls einen also der kleine Hunger überkommt, geht man einfach zum nächsten Baum und pflückt sich etwas zu essen.
Ebenfalls einen Besuch wert ist die Deuringer Heide, die durch Stadtbergen erhalten bleibt. Die Heide lädt zu ausgiebigen Spaziergängen ein, entlang an Teichen und Tümpeln und auf einem Naturerlebnispfad können Jung und Alt die Landschaft mit all ihren Besonderheiten erkunden und wissenswertes über die Umgebung lernen.

Ein Baum für jedes Neugeborene in Stadtbergen 

Eine besonders schöne Aktion fand im Sommer 2018 statt. Für alle Stadtberger, die im Jahr 2017 geboren wurden, pflanzte die Stadt einen Baum am Waldanfang des Leitershofer Waldes. Dies geschah im Rahmen des 10-jährigen Jubiläums Stadtbergens. In einem eingezäunten Gebiet findet man nun Bergulmen und Winterlinden, die neuen Lebensraum für verschiedenste Lebewesen schaffen. Durch eine Tafel mit den Vornamen und den Geburtsdaten der Mädchen und Jungs wird auf diese Aktion aufmerksam gemacht. Besonders freuen sich die Eltern und Großeltern über die Bäume, die sozusagen mit ihren Kindern aufwachsen werden.
Diese Aktion würde Herr Metz gerne jedes Jahr durchführen, jedoch fehlt es ihm am Platz, jährlich 140 Bäume zu pflanzen. Er überlegt jedoch, es zum 15- oder 20-jährigen Stadtjubiläum von Stadtbergen zu wiederholen.
Auch wird in Stadtbergen für jeden gefällten Baum mindestens ein neuer Baum gepflanzt.

Auch den Vögeln wird geholfen

Viele Vögel sind vom Aussterben bedroht. Unter anderem ist hierfür der Rückgang der Insekten verantwortlich, denn diese dienen den Vögeln als Nahrungsmittel. Stadtbergen hilft, indem Vogelhäuser an den Friedhöfen und am Wertstoffhof aufhängt werden und im Winter für Vogelfutter gesorgt wird. Auch hierfür ist der Bürgermeister verantwortlich: „Zu dieser Idee kam es vor fünf Jahren an meinem Geburtstag. Als die Leute mich fragten, was ich gerne hätte, wünschte ich mir einen Nistkasten für Sperlinge, welcher dann am Wertstoffhof aufgehängt wurde. Dieser wurde dann sogar Vogel des Jahres, was ich zu diesem Zeitpunkt natürlich noch nicht wusste.“
Hier kann übrigens jeder mithelfen, denn Vogelfutter lässt sich überall kaufen und aufhängen und den Vögeln ist damit sehr geholfen.

Der Neuntöter

Der Neuntöter ist ein Vogel, der sehr hohe Ansprüche an die Natur hat. Stadtbergen kann sehr stolz auf sich sein, da sich dort gleich vier Paare dieses seltenen Tieres zum Nisten niedergelassen haben. Zwei Paare wohnen an der sogenannten Ponde in Deuringen, die nun extra mit Bäumen und Hecken bepflanzt und somit optimiert wird, damit sich die Neuntöter noch wohler fühlen. Dies ist ein großes Projekt, das noch 2019 in Angriff genommen werden soll.

Insektenfreundliche Blumenkästen

Die warmen Tage laden Hobbygärtner dazu ein, ihren Balkon oder Garten zu bepflanzen. Hier ist es ein Leichtes, etwas zum Artenschutz beizutragen und Pflanzen zu säen, die Nektar für unsere Bestäuber anbieten. Jedoch sollte man sich vorher informieren, denn nicht alle Blumen, die reich an Blüten sind, haben einen Nutzen für Insekten.
Besonders eignen sich Kräuter, die blühen und somit praktisch für Mensch und Tier nützlichsind, wie beispielsweise Lavendel, Thymian, Pfefferminze oder Schnittlauch. Da diese nicht besonders groß werden, können sie auch in Balkonkästen gut wachsen. Außerdem sind sie nachhaltig, da sie bei richtiger Pflege mehrere Jahre genutzt werden können.
Die Informationsblätter hierfür lädt Herr Metz auf die Gemeindeseite von Stadtbergen, denn er hat einen großen Garten, um den er sich selbst kümmert und befasst sich viel mit diesem Thema, ist beispielsweise im Obst- und Gartenbauverein. In seinem Garten stehen auch Obstbäume und Gemüsebeete, alles unter dem Motto „Selbstversorger“.

Insektenhotels selber machen

Einen eigenen Beitrag kann ebenfalls jeder leisten, indem man ein Insektenhotel aufstellt. Diese gibt es in vielen Läden zu kaufen, sie sind aber auch ganz einfach selbst herstellbar. Alles, was man dazu braucht ist ein naturbelassener Holzrahmen und Materialien zum Gestalten der Hotelzimmer.
Insekten fehlen oft Nist- und Ruheplätze. Durch ein Hotel mit vielen verschiedenen Zimmern werden die unterschiedlichsten Insekten einziehen. Der Standort sollte warm und trocken sein, zum Füllen eignen sich viele Produkte, wie beispielsweise dürre Äste, Moos, Steine, Stroh, weicher Lehm oder Bambus.
Wichtig ist hierbei nur, dass die Baustoffe naturbelassen und frei von Chemikalien sind.

Auch Insekten haben Durst

Was kaum Leute beachten ist, dass auch Insekten Wasser zum Überleben brauchen. Da Stadtbergen über keinen Fluss oder ähnliches verfügt, sorgt Herr Metz dafür, dass künstliche Brunnen gebaut werden. Die verschönern nicht nur die Stadt, sie sorgen auch für reichlich Wasser für die kleinen Lebewesen.


Der Imkertag

Ein weiteres Projekt für 2019 ist der Imkertag. Hierfür ist Herr Metz durch jede Straße in Stadtbergen gelaufen, um herauszufinden, wer einen Bienenstock besitzt.
Nun plant er ein Treffen für alle Imker der Stadt, um sich gegenseitig kennenzulernen und auszutauschen.
Er hofft, dass sie gemeinsam einen Honig machen, den er beispielsweise zu Geburtstagen als den Stadtberger Honig verschenken kann. Für diejenigen, die keinen Platz für einen Bienenstock haben, stellt Stadtbergen als Gemeinde Flächen zur Verfügung, auf denen genug Raum für Bienen ist.
„Wir sind nicht perfekt, aber wir versuchen, uns ständig zu verbessern.“, meint der Bürgermeister zum Abschluss.






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