Startschuss für die Augsburger Feuerwehrerlebniswelt im Martini-Park

So könnte der Eingangsbereich der neuen Feuerwehrerlebniswelt schon nächstes Jahr aussehen. Foto: Schmid Architekten
 
Frank Habermeier (links) und Dirk von Gehlen vor der Halle E3 im Martini-Park, in der die Erlebniswelt bald entsteht. Foto: Laura Türk

Rund zwölf Jahre hat Frank Habermeier auf diesen Moment gewartet. Gestern konnte er offiziell ankündigen: "Sie wird kommen." Die Rede war von der "Feuerwehrerlebniswelt Bayern", die nun in Augsburg entstehen wird.

Der langjährige und inzwischen pensionierte Chef der Augsburger Berufsfeuerwehr hatte die Idee zu einem Museum, das Spaß mit bestenfalls lebensrettender Bildung der Bevölkerung verbindet, bereits zu Beginn der 2000er Jahre. 2016 wollte er das Projekt schon einmal umsetzen, damals in einer ehemaligen Fabrikhalle von Manroland. Doch der Augsburger Stadtrat lehnte eine Bürgschaft und damit auch eine finanzielle Unterstützung der Erlebniswelt ab. Mit 800 000 Euro hätte die Stadt einspringen müssen, falls das Projekt in die Bredouille geraten wäre. Ein Risiko, das man im Stadtrat nicht eingehen wollte.

Nun setzt Frank Habermeier sein Projekt ohne die Unterstützung der Stadt um. Stattdessen setzt er diesmal ganz auf Investoren. Mit Dirk von Gehlen, ehemaliger Finanzdirektor des Papierherstellers UPM, als Geschäftsführer wird eine gemeinnützige Gesellschaft die Erlebniswelt betreiben. Im September wurde diese gegründet, Gesellschafter sind der Verein Feuerwehrerlebniswelt Bayern, der Stadtfeuerwehrverband Augsburg und der Bezirksfeuerwehrverband Schwaben.

2800 Quadratmeter Ausstellungsfläche

Auch ein neuer Standort für das Erlebnismuseum musste her. Verschiedene Objekte standen zur Verfügung, doch letztendlich scheiterten alle daran, dass die Investitionen für den Kauf, die Infrastruktur und die Einrichtung der Halle nicht zu stemmen gewesen wären. Fündig wurde Habermeier schließlich im Martini-Park. Die Halle E3, die bislang von der Geschäftsgruppe Freudenberg genutzt wurde, kann die Gesellschaft langfristig mieten, wodurch ein Kaufpreis entfällt. Für die Infrastruktur seien nur geringfügige Investitionen nötig. Die Halle bietet rund 2800 Quadratmeter Ausstellungsfläche.

Sobald der Vormieter komplett ausgezogen ist, kann die Umsetzung des Projekts beginnen. Die Halle sei bereits "weitestgehend leer", es könne sich als nur noch "um Tage oder Wochen" handeln, bis der Platz frei ist für die Erlebniswelt. Im dritten Quartal 2020 soll die Ausstellung eröffnen.

20.000 Brandverletzte pro Jahr

Die Idee zu einer Feuerwehrerlebniswelt entstand aus dem Bedürfnis, die Bevölkerung besser über das richtige Verhalten im Brandfall zu informieren. In Deutschland gebe es pro Tag rund zwei Brandtote, betonte Habermeier auf der gestrigen Pressekonferenz, außerdem jedes Jahr etwa 20 000 Brandverletzte. Bei rund 400 Verletzten pro Jahr handele es sich um schwerverbrannte Kinder. Viele dieser Fälle hätten verhindert werden können, wenn die Betroffenen besser Bescheid gewusst hätten, wie sie sich bei Bränden verhalten sollten, ist Habermeier sich sicher. "Wir machen das mit der Motivation, Leben zu retten." Denn die Erfahrung habe gezeigt, dass Informationsvorträge der Feuerwehr von der Bevölkerung kaum angenommen werden. Ganz anders sehe das dann am "Tag der offenen Tür" aus - da seien auf einmal hunderte Besucher vor Ort, um Löschvorführungen zu sehen oder ein Feuerwehrauto aus der Nähe zu betrachten. In der Feuerwehr-Erlebniswelt sollen diese beiden Aspekte - der Spaß an Erlebnissen und Informationen zum richtigen Verhalten - verbunden werden.

Die geplanten Erlebnisse, die jung, alt, eigentlich alle ansprechen sollen, gehen von ausgebrannten Räumen, die mit Informationsvideos ausgestattet sind, über einen begehbaren Rauchmelder, in dem der Besucher als Rauchpartikel funktioniert, bis zu einer vorgeführten Feuerwalze - "etwas, wo der Adrenalinspiegel steigt", meinte Habermeier. Außerdem gibt es eine Gastronomie, einen Kinderbereich sowie einen Laden für Feuerwehrfanartikel und Sicherheitsprodukte. Wer noch keinen Feuermelder zuhause hat, kann dort gleich einen erwerben. Seminarräume sind ebenfalls eingeplant, denn auch Schulungen sollen stattfinden, etwa für Unternehmen oder für Fachpublikum.

Das wichtigste sei, schon vor einem möglichen Brand zu wissen, "was mache ich, wenn der Rauchmelder losgeht", sagte Habermeier und betonte: Die Flucht durch ein verrauchtes Treppenhaus ist so gut wie immer die falsche Wahl. "Oft sind es Kleinigkeiten, die Leben retten", so Habermeier. Er hofft, dass die Feuerwehrerlebniswelt mehr Menschen lebensrettendes Wissen vermitteln kann.
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