StaZ-Intern: Bahn lässt Pendler in der Kälte stehen

Gewohntes Bild für Pendler: Ein Zug fällt aus. (Foto: Symbolbild / Peter Maier)

Aus seinem Leben als Bahnpendler: Die Odyssee des Kollegen M. 

Personalmangel, Verspätungen, Investitionsstau: Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer hat derzeit viel Redebedarf mit Bahnchef Richard Lutz. Zum nächsten Treffen der beiden würde Kollege M. gerne dazukommen und beiden seine alltäglichen Erfahrungen mit der Schiene vermitteln – oder besser noch: Scheuer und Lutz begleiten M. einmal auf seinem Arbeitsweg. Der vergangene Mittwoch wäre dafür perfekt gewesen.

Kollege M. und seine Frau eilten nach einem langen Arbeitstag zum Augsburger Hauptbahnhof, bis zur geplanten Abfahrt ihres Zuges hatten sie noch ein Zehn-Minuten-Polster eingeplant. Doch auf der Anzeigetafel in der Empfangshalle herrschte bereits das reinste Chaos. Sämtliche Züge hatten Verspätung, von mehr als einer Stunde bis 15 Minuten reichte die Bandbreite. M., ewiger Optimist, sah die Chance, durch die Verzögerung einen früheren Zug Richtung Heimat zu erwischen – was für ein Irrtum.

Wobei: Tatsächlich kam nach einer halben Stunde Wartezeit - bei sehr frostigen Temperaturen - ein Zug Richtung Dinkelscherben an. Doch kaum hatten es sich die Reisenden im warmen Waggon gemütlich gemacht, Mantel, Mützen und Schals abgelegt, flötete der Lokführer aus der Lautsprecheranlage, dass die Strecke nach Dinkelscherben jetzt gesperrt sei, man ohnehin eine Stunde Verspätung hätte und dieser Zug nicht mehr weiter fahre.

Ganz wie im Deeskalationskurs der Bahn gelernt, appellierte er in fröhlichem Singsang an die Vernunft der Reisenden: Der nächste Zug in diese Richtung komme ja eh gleich und der fahre sogar bis Ulm. „Also alle bitte wieder aussteigen. Genau, und Entschuldigung!“ – der kalte Bahnsteig hatte M. und seine Leidensgenossen wieder – auf die Idee, den frierenden Kunden nach mehr als einer Stunde Wartezeit mit heißen Getränken und warmen Worten beizustehen, ist die Bahn nicht gekommen. Das wäre vermutlich zu spontan und serviceorientiert gewesen und hätte nicht zum mühsam erarbeiteten Konzernimage gepasst.

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass M. schließlich doch irgendwann zuhause ankam, nichts Lebenswichtiges abgefroren war und sich allem Anschein nach auch die Erkältung nicht verschlimmert hatte. Sein Gesprächsbedarf mit Scheuer und Lutz allerdings ist deutlich drängender geworden…

Zumindest Fußbodenheizung am Bahnsteig wünscht sich der Kollege jetzt!  (mh)
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