Streik für gleiche Rechte: Demonstration zum Weltfrauentag

 

Mit einer Kundgebung am Moritzplatz und einem Demonstrationszug durch die Innenstadt sind am Freitag in Augsburg Frauen für ihre Rechte eingetreten. Anlässlich des internationalen Weltfrauentages wollten sie sich für eine gerechte Bezahlung einsetzen, für eine Wertschätzung ihrer Arbeit und gegen sexualisierte Gewalt und gegen ein Verbot von Abtreibung.

„Wenn wir streiken, steht die Welt still“ – unter diesem Schlachtruf ziehen die Frauen durch die Augsburger Innenstadt. Und zumindest der Verkehr steht tatsächlich still. Die meisten Autofahrer beobachten interessiert die Menschen, die mit Plakaten an ihnen vorbeilaufen. Ein Taxifahrer scheint wenig Verständnis zu haben, er beschwert sich lautstark durch sein Autofenster über die Verzögerung. Eine Frau hingegen jubelt den Streikenden aus dem Auto heraus zu.
„Viele Menschen in unserer Gesellschaft glauben, Gleichberechtigung sei schon erreicht. Aber Frauen verdienen noch immer weniger Geld als Männer, leisten mehr unbezahlte Arbeit im Privaten und werden öfter Opfer von Gewalt. Mit dem 8. März wollen wir auf diese Themen aufmerksam machen“, sagt Samira Adamek vom Frauenstreikkomitee, das zum Streik aufgerufen hatte – nicht nur für die Rechte von Frauen, sondern auch für Gleichberechtigung von transsexuellen und intergeschlechtlichen Menschen.
Am 8. März ist internationaler Weltfrauentag. Schon 1911 wurde er erstmals begangen. Ursprünglich ins Leben gerufen wurde er von sozialistischen Organisationen, die sich für das Frauenwahlrecht, Gleichberechtigung und die Emanzipation von Arbeiterinnen einsetzten. Heute, mehr als 100 Jahre später, geht es den Frauen immer noch um Gleichberechtigung. 2019 seien noch lange nicht alle Ziele erreicht. „Deswegen streiken wir auch in Deutschland und hier in Augsburg gegen die zunehmende sexualisierte Gewalt, gegen Diskriminierung, Unterdrückung und Ausbeutung“, sagt eine Sprecherin des Frauenstreikkomitees.
Nach wie vor verdienten Frauen in Deutschland durchschnittlich 22 Prozent weniger als Männer, prangert das Komitee an. „Frauen arbeiten pro Woche fast neun Stunden länger im Haushalt als Männer und werden dafür nicht entlohnt. Frauen bekommen in Deutschland pro Monat durchschnittlich 634 Euro Rente, Männer 1154 Euro.“ Der Anteil an Frauen in Führungspositionen liege bei 4 Prozent. Jede dritte Frau in der EU habe zudem in ihrem Leben körperliche und/oder sexualisierte Gewalt erfahren, zählt die Rednerin auf.
Für den Streik am Freitag hat das Komitee ein Programm aus Reden, Musik, Tanzperformances, Lesungen und Diskussionen zusammengestellt. Eine Mitarbeiterin der Gewerkschaft Verdi etwa informiert über sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz und die aktuelle Situation in der Pflege, das „Bündnis §218“ spricht über das gesetzlich verankerte Abtreibungsverbot und sexuelle Selbstbestimmung, das Frauenzentrum stellt sein Angebot vor.
Das Frauenstreikkomitee führt mit verschiedenen eigenen Redebeiträgen durch das Programm. „Frauen werden schlechter bezahlt und erledigen viele Sorgetätigkeiten unbezahlt“, klagt eine Sprecherin des Komitees an. „Sorgetätigkeiten sind Arbeiten, die zum Beispiel im Haushalt überwiegend von Frauen verrichtet werden. Dazu zählen putzen, kochen, Kinder erziehen, Angehörige pflegen oder auch anderen eine emotionale Stütze zu sein.“ Diese Sorgetätigkeiten würden jedoch als so selbstverständlich hingenommen, dass sie kaum auffallen und in der Gesellschaft unsichtbar erscheinen. Sie seien aber die Grundlage der Gesellschaft.
„Wir sind die Voraussetzung, dass unsere Gesellschaft funktioniert“, ruft die Frau. „Wir können sie zum Stillstand bringen. Wenn wir die Arbeit niederlegen, steht die Welt still.“
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