Studenten der Uni Augsburg entwerfen Raketendrohnen und Flugtaxis

Studierende der Uni Augsburg haben zukunftsfähige Modell-Flugkörper aus Carbon entwickelt. (Foto: © CCeV / A.-L. Glocker)
 
Seinen Raketengleiter zur großflächigen Datenerhebung aus der Luft stellte das studentische Team „SpyFly“ vor. (Foto: © CCeV / A.-L. Glocker)

Die Aufgabenstellung: „Entwerfen und bauen Sie eine landefähige Rakete aus Carbon, die sinnvoll und wirtschaftlich nutzbar ist“. Das Institut für Materials Resource Management (MRM) der Universität Augsburg stellte sie an die Studenten. Und die lieferten.

Die angehenden Wirtschaftsingenieure stellten kürzlich ihre Lösungen vor, darunter Raketendrohnen zur schnellen Beförderung von Blutkonserven oder Lufttaxis für Fracht und Passagiere.

Bis zu den Testflügen Mitte August müssen sich die Bachelor- und Masterstudenten des Studiengangs Wirtschaftsingenieurwesen der Universität aber noch gedulden. Zunächst stellten sie ihre Ideen und Konzepte im Hörsaal vor.

Betreut wird das Projektpraktikum von Prof. Dr. Michael Heine, Professor am Lehrstuhl Materials Engineering des Instituts für Materials Resource Management. Er arbeitet auch eng mit Carbon Composites zusammen. Ein fernsteuerbares Elektro-Fahrzeug ließ er seine Studenten bereits entwerfen, ein regattataugliches Segelboot aus Carbon und eine Leichtbau-Brücke mit hoher Traglast aus demselben Material.

Alle Entwürfe wurden anschließend praktisch umgesetzt. Denn Kenntnisse zu diesem Leichtbaumaterial und Ideen, wie man es intelligent nutzen kann, sind in der Industrie sehr gefragt und ein wesentlicher Forschungsgegenstand an der Uni Augsburg.

Raketen, Drohnen, Lastensegler und Lufttaxis

Dieses Jahr also eine landefähige Rakete aus Carbon: Gefragt waren Entwurf und Bau eines funktionsfähigen Modellflugkörpers, der nach dem Steigen kontrolliert fliegt und sicher landet. Darüber hinaus sollte das Luftgefährt „eine sinnhafte Nutzung aufweisen, die eine kommerzielle Verwertung möglich macht“.

Der Antrieb sollte so ausgelegt sein, dass elektrisches Auf- und Absteigen möglich ist. Für den Antrieb können Batterien, Brennstoffzellen als Stromgeneratoren, sowie Wasserstoff und E-Fuel für das Strahltriebwerk eingesetzt werden.

Einsetzbar wären diese Flugkörper beispielsweise zur Erfassung von landwirtschaftlichen Flächen oder von Infrastrukturen, wie eine Projektgruppe vorschlug. Andere konzentrierten sich auf den möglichen Transport medizinischer Versorgungsgüter und Organe – Blutkonserventransport über große Strecken hinweg etwa – oder auf die Aufklärung und Überwachung von Krisen- und Katastrophengebieten.

Auch die Highspeed-Versorgung mit gleitfähigen Drohnen in urbanen Gebieten oder der Transport modularer Behälter für eine schnelle Produktion zählten zu den praktischen Einsatzmöglichkeiten, für die die Studierenden ihre Fluggeräte einfallsreich konzipierten.

Im Kontext bayerischer Lufttaxi-Forschung

Solche Überlegungen seien zeitgemäß und notwendig, betront Carbon Composites, der größte Verbund von Unternehmen und Forschungseinrichtungen im Bereich der Hochleistungs-Faserverbundwerkstoffe für den multimaterialen Leichtbau im europäischen Raum.  Der Verein wurde 2007 gegründet und hat derzeit rund 300 Mitglieder. Sitz ist Augsburg. 

Noch größere Relevanz erhalte die Forschung vor dem Hintergrund, dass die Region Augsburg jüngst vom Freistaat Bayern eine Förderzusage in Höhe von 20 Millionen Euro für "die impulsgebende Weiterentwicklung der Bayrischen Luftfahrt mit Schwerpunkt Lufttaxis" erhielt. 

Praxistest bei Buttenwiesen

Wer die Raketenmodelle in der Luft erleben will, hat dazu Mitte August Gelegenheit. Voraussichtlich am Mittwoch, 14. August, werden die „Flugtaxis“ unter Realbedingungen zeigen, ob sie halten, was sich ihre studentischen Konstrukteure von ihnen versprechen. 

Die örtliche Raketenmodellsportgemeinschaft stellt ihr Startareal bei Buttenwiesen-Unterthürheim zur Verfügung. (pm)
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