Tragödie um die "Komödie": Experten kritisieren in offenem Brief die Art der geplanten Sanierung

Das Gignoux-Haus soll saniert werden. Experten kritisieren nun in einem offenen Brief die Art der geplanten Sanierung. (Foto: David Libossek)

Das rund 250 Jahre alte Gignoux-Haus am Vorderen Lech, besser bekannt als „Komödie“, war über Jahre immer mehr verfallen. Nun will der neue Münchner Eigentümer das Gebäude umfassend sanieren. Die Arbeiten haben bereits begonnen, der Bauausschuss des Stadtrats hatte im Dezember umfangreiche bauliche Änderungen im Inneren das Hauses genehmigt – entgegen der Bedenken der Bayerischen Denkmalschutzbehörde.

Die Umbauarbeiten hätten das Ziel, den Zustand des 18. Jahrhunderts wiederherzustellen, erklärte der Stadtheimatpfleger Professor Hubert Schulz, der vor dem Bauausschuss die Genehmigung, die die Firma FE Immo Projekt GmbH als Bauherr beantragt hatte, befürwortete. Konkret geht es um den Abbruch von Wänden im zur Straße herausspringenden Südteil des Hauptflügels. Hier sollen mehrere Wände, die im 19. Jahrhundert eingezogen wurden, abgebrochen werden, um je einen großen Raum im ersten und im zweiten Geschoss zu gewinnen.
Zehn Experten, darunter Architektur- und Kunsthistoriker sowie Wissenschaftler der Universitäten in Augsburg und München, haben sich nun in einem Offenen Brief an Oberbürgermeister Kurt Gribl gewandt und fordern eine erneute Prüfung der Genehmigung. „Die Entscheidung des Bauausschusses scheint uns einem für Augsburg so hochrangigen Baudenkmal nicht angemessen“, heißt es in dem Schreiben. Eine Wiederherstellung des Zustands des 18. Jahrhunderts für das gesamte Bauwerk sei unmöglich, begründen die Experten ihre Kritik.
Das Gignoux-Haus entstand 1764/65 durch Zusammenfügung mehrerer Vorgängerhäuser als Kattunmanufaktur. Im östlichen Haupttrakt lagen Wohn- und Kontorräume, im Südtrakt befanden sich im 18. Jahrhundert wohl die Manufaktursäle. Im 19. Jahrhundert sei das Gignoux-Haus jedoch mindestens zweimal stark umgebaut worden, wodurch die gesamte Innendisposition verändert worden sei, heißt es in dem offenen Brief. In den Obergeschossen seien Gänge abgetrennt worden, um die Wohnräume zu erschließen. In die Manufaktursäle habe man Wände eingezogen, ebenfalls in jene Erkerzimmer, über die der Bauausschuss abgestimmt hat.

"Ein ganz besonderer Denkmalwert"

Den Wissenschaftlern zufolge wurden dabei Elemente des 18. Jahrhunderts wiederverwendet. So befinde sich beispielsweise im zweiten Stock eine klassizistische Flügeltüre mit Gips-Reliefs, in die später eingezogenen Zwischenwände seien bemalte Türflügel des 18. Jahrhunderts eingebaut worden. „Diese Fragmente des 18. Jahrhunderts im Gignoux-Haus gehören auf jeden Fall zu den hochwertigsten ihrer Art in Augsburg. Sie haben bei den späteren Umbauten eine historisch bedeutsame Wiederverwendung gefunden“, schildern die Experten.
Die Umbauten des 19. Jahrhunderts bildeten mit der Ausstattung des 18. Jahrhunderts eine neue Einheit, die einen „ganz besonderen Denkmalwert“ darstelle. Eine Wiederherstellung des Originalzustandes sei aus Sicht der Wissenschaftler unmöglich. Auch den ehemaligen Zustand lediglich punktuell wiederherzustellen sei aus denkmalpflegerischer Sicht nicht sinnvoll. Um die Denkmalbedeutung des Gignoux-Hauses zu erhalten, müsse stattdessen die überlieferte Substanz erhalten werden.
Die Schreiber des offenen Briefes appellieren an den Oberbürgermeister, die Art und Weise der Sanierung erneut und intensiv zu diskutieren. Eine Einschätzung der Stadt zur Kritik der Architekten und Historiker liegt bislang nicht vor.
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