Umbau des Augsburger Hauptbahnhofs: So sieht es derzeit im Tunnel aus

 

Während oben vor dem Hauptbahnhof der Verkehr rauscht, gehen unter dem Bahnhofsvorplatz die Arbeiten für den Straßenbahntunnel voran. Aktuell sind die Bagger auf der Ostseite direkt vor dem Bahnhofsgebäude im Einsatz. Eine provisorische Betonwand unmittelbar unterhalb der Empfangshalle muss abgebrochen werden. Bei einer Tunnelführung für die Presse haben die Stadtwerke einen Einblick gewährt und unter anderem auch verraten, warum die Unterfahrung bei den Bauarbeitern nur „Jenny-Tunnel“ genannt wird.

Es ist angenehm kühl im Tunnel. Unterirdisch geht es bis vor das Bahnhofsgebäude, dann steht man plötzlich vor einer Wand. Sie besteht aus großen Betonbohrpfählen und diente als Stützkonstruktion für das Gebäude. Nun werden abwechselnd die Pfähle abgebrochen und das Erdreich ausgegraben. Ein Arbeiter mit einem kleinen Bagger ist genau damit gerade ein Stockwerk über dem eigentlichen Tunnel beschäftigt. Der Raum ist über eine steile, schmale Treppe erreichbar. Er liegt immer noch unter der Erde und soll irgendwann die gesamte Technik beherbergen.

Zur Zeit jedoch müssen hier 5000 Kubikmeter Bodenmaterial ausgehoben werden, vor allem Sand und Kies. Über Rutschen gelangen sie aus dem Tunnel ins Freie und werden dann mittels Lastwagen über die Halderstraße abtransportiert. Rund 500 LKW-Ladungen werden es voraussichtlich sein.

Es gehe nur Lage für Lage voran, weil das Gebäude parallel immer abgestützt werden müsse, erklärt Dietmar Orwat, Gesamtprojektleiter der Stadtwerke-Projektgesellschaft. Zudem könne man in dem beengten Raum nur mit leichtem Gerät arbeiten. Bis zum Frühjahr 2020 soll der Bauabschnitt abgeschlossen sein. Im nächsten Schritt soll der Tunnelabschnitt unterhalb der Empfangshalle, der insgesamt 24 Meter lang sein wird, fertiggestellt werden. Bis Ende 2020 soll es soweit sein.

Während das Erdreich abgetragen wird, wacht nur wenige Meter neben dem kleinen Bagger eine Abbildung der Heiligen Barbara. Sie ist die Schutzheilige der Bergleute und Tunnelbauer, erklärt Projektleiter Markus Brand. „In jedem Tunnel findet man eine“, sagt er. „Und es gibt immer eine Tunnelpatin. Sie ist sozusagen Barbaras irdische Vertretung.“ Die Tunnelpatin sorgt etwa für Brotzeit, wenn am 4. Dezember das Namensfest der Schutzpatronin gefeiert wird. Die Patin wurde unter den Bürokauffrauen der Stadtwerke ausgelost. „Gewonnen hat Jenny. Deswegen nennen wir intern den Tunnel nur den ,Jenny-Tunnel’“, erzählt Brand.

Die Führung geht schließlich über eine steile Treppe wieder ins Freie. Nun steht man direkt vor dem Bahnhofsgebäude. Auch hier laufen im Inneren die Arbeiten. Die Empfangshalle ist mit hydraulischen Pressen gesichert. Sollte unten was passieren, könne man so das Gebäude trotzdem in der Schwebe halten, sagt Orwat. Unterdessen geht es auch auf der Westseite voran. Wie aus Richtung Innenstadt wird hier ebenfalls am Tunnel gebaut. Bahnsteig für Bahnsteig schreiten die Arbeiten voran. Acht Monate lang klaffte am Bahnsteig E ein großes Loch im Boden. Nun ist die Oberfläche wieder hergestellt und der Bahnsteig ist seit 12. August wieder in Betrieb, wenn auch, aufgrund von Lieferschwierigkeiten, vorerst ohne Dach. Die Arbeiten gehen nun am Bahnsteig D weiter.

Die gesamten Rohbauarbeiten sollen bis 2022 abgeschlossen sein. Dann geht es an den Einbau der technischen Anlagen. Die Kosten für den Umbau werden aktuell auf 210 Millionen Euro geschätzt.
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