"Unvorstellbare Respektlosigkeit": Hakenkreuz-Schmiererei im Jüdischen Museum entdeckt

Die Augsburger Synagoge wurde 1917 eingeweiht und hat die NS-Zeit überstanden. Nun wurden im Gestühl der Frauenempore rechtsextremistische und antisemitische Zeichen eingeritzt. (Foto: David Libossek)
Mitarbeiter des Jüdischen Kulturmuseums Augsburg Schwaben (JKMAS)  haben Ende Mai in der Dauerausstellung rechtsextremistische Schmierereien entdeckt. Das teilt das Jüdische Museum nun in einem Pressebericht mit. Auf ein Plakat in der Mitmach-Station in der aktuellen Installation zum Pessach-Fest wurde ein Hakenkreuz gezeichnet, zudem finden sich dort die Worte „Arbeit macht Frei“.

In der Vergangenheit waren bereits rechtsextremistische und antisemitische Ritzungen im Gestühl der Frauenempore in der denkmalgeschützten Synagoge in der Halderstraße entdeckt worden. "Sie stellen eine unvorstellbare Respektlosigkeit und einen Angriff auf die Gefühle der Mitglieder der Israelitischen Kultusgemeinde dar, die hier Gottesdienste feiert und Veranstaltungen abhält", schreibt die JKMAS. Die Frauenempore ist nur über die Dauerausstellung des Museums erreichbar und ermöglicht Einzelbesuchern sowie Gruppen bei Führungen einen Blick in die 1917 eingeweihte und in der NS-Zeit geschändete Synagoge. Damit trägt das Jüdische Museum Augsburg Schwaben eine besondere Verantwortung für die Unversehrtheit des Gestühls.

Museumsdirektorin Dr. Barbara Staudinger und das Museumsteam seien zutiefst erschüttert von diesen Vorfällen.Das Jüdische Museum Augsburg Schwaben habe sich dazu entschieden, diese Vorfälle öffentlich zu machen und hat in Absprache mit der Israelitischen Kultusgemeinde Schwaben-Augsburg die Schmierereien und die Ritzungen sowohl der Polizei als auch der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Bayern (RIAS Bayern) gemeldet. "Wir hoffen, dass dies dazu beiträgt, die Öffentlichkeit gegenüber Rechtsextremismus und Antisemitismus zu sensibilisieren", begründet das Museum diesen Schritt.

Das beschmierte Plakat wurde von der Polizei als Beweismittel mitgenommen und vom Museum durch ein neues Plakat ersetzt. Die antisemitischen Ritzungen im Synagogengestühl werden im Juni 2019 durch einen Restaurator entfernt. In enger Rücksprache mit der IKG Schwaben-Augsburg will das Jüdische Museum Augsburg Schwaben neue Strategien im Umgang mit solchen Vorfällen sowie Maßnahmen zur Prävention entwickeln. (pm)
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.